Hamburg (dpa) - Was kommt wohl dabei heraus, wenn sich Peter Maffay und Johannes Oerding länger in ein Musikstudio einschließen und einfach experimentieren? Die Antwort ist: ein gemeinsames, deutschsprachiges Album mit Country- und Blues-Elementen. Am Samstag haben die beiden Künstler das erste Lied aus dem Album „Nashville“ im Hamburger Volksparkstadion vor etwa 45.000 Menschen vorgestellt. Die Verkündung der besonderen Zusammenarbeit konnten Fans auch im Livestream aus dem Stadion mitverfolgen. Zwei Seelenverwandte experimentieren in NashvilleEin gemeinsames Album der beiden ist so überraschend wie nachvollziehbar. Denn die beiden könnte eigentlich viel trennen: Der 76-jährige Maffay zelebriert den Deutsch-Rock, lebt in Süddeutschland, war mehrfach verheiratet, ist vor sieben Jahren erneut Papa geworden. Oerding dagegen ist mit Popmusik erfolgreich, lebt in Hamburg, hat keine Kinder und ist 44 Jahre alt. Und doch haben sich hier zwei Seelenverwandte gefunden, wie Peter Maffay der Deutschen Presse-Agentur in Hamburg sagt. „Das schmeckte mir von Anfang an, das war perfekt“, erinnert sich Maffay an die ersten beruflichen Begegnungen mit Oerding. „Johannes ist ein sehr empathischer Mensch. Angenehm im Miteinander, schnell, analytisch, aber eben auch emotional und macht keinen Hehl draus. Er positioniert sich schnell und eindeutig.“ Deshalb sei das Arbeiten mit ihm so harmonisch, dass daraus regelmäßige Treffen wurden - und eine Freundschaft.Maffay (l-r) und Oerding spielen gemeinsam auf der Bühne im Hamburger Volksparkstadion. Gregor Fischer/dpaOerding: Peter Maffay ist Freund und LegendeAuch Johannes Oerding schwärmt von der Zusammenarbeit: „Er ist nicht nur seit Jahren ein guter Freund, nein, er ist immer noch Peter Maffay, die Legende, der erfolgreichste deutsche Solokünstler und ein fantastischer Musiker. Das ist für mich als jüngerer Musiker und Fan einfach schon sehr besonders.“ Außerdem sei Maffay unglaublich loyal und hilfsbereit und gönne anderen den Erfolg.Dass Oerding und Maffay musikalisch zusammenpassen, haben sie unter anderem 2021 mit Maffays Album „So weit“ gezeigt. Alle Texte für die elf Songs darauf haben maßgeblich Oerding und Benni Dernhoff geschrieben. „Wir in einem Raum erzeugten die Musik und in dem anderen Raum entstanden die Texte. Das hat uns sehr zusammengeschweißt, muss ich sagen“, sagt Maffay. 2024 hat Oerding den in Rumänien geborenen Maffay auf seiner Abschiedstour begleitet.Liebe zu Blues und zur handgemachten Musik verbindetAußerdem gibt es da noch ein verbindendes Element, das die Basis für das gemeinsame Album werden sollte: Die Liebe zum Blues, zum Country-Rock und zur handgemachten, erzählenden Musik. Ein hervorragender Ansatz für ein gemeinsames Projekt fanden beide und legten einfach los. Gemeinsam kramten sie in ihrem Liederfundus nach nicht veröffentlichten Songs. „Wir haben gefiltert und neu entstehen lassen“, sagt Maffay. Und nach nur kurzer Zeit stand fest: Das ist kein Experiment mehr, sondern ein Album. Das gemeinsame Album „Nashville“ der beiden Musiker erscheint am 02.10.2026. Gregor Fischer/dpaAufgenommen hat das Duo die Songs schließlich in der Wiege der Blues- und Countrymusik, in Nashville. Und die beiden haben das Album mit den elf Songs auch gleich so genannt. Eingespielt in nur fünf Tagen und mit waschechten Nashville-Musikerinnen und -Musikern. „Die Luft war voller Inspiration“, erinnert sich Maffay an das Frühjahr 2025. „Das war wirklich ein unglaublich schöner und humorvoller, ergebnisreicher Trip.“ Experimente wie diese seien das Salz in der Suppe. „Da war kein Kalkül. Wir hatten einfach Bock und der Rest hat sich gefügt.“Duette ohne Country-KlischeesUnd wie klingt das jetzt? Keine Angst, es klingt nicht nach Rodeo, Cowboy und „Yihaaa!“ mit den Stimmen von Oerding und Maffay. Stattdessen gibt es handgemachte Musik mit einfühlsamen Texten, die Geschichten erzählen und ohne Country-Klischees auskommen. Fast ein Dutzend Duette, die „authentisch, gehaltvoll und emphatisch sind und auf positive Weise nachdenklich stimmen“, sagt Maffay. Und Oerding ergänzt: „Jeder Ton auf der Platte ist live gespielt. Kein Netz, kein doppelter Boden!“ Besonders gefalle ihm, dass die Musik fast schon roh bleiben durfte. „Wir haben uns von Anfang an gesagt: Alles ist erlaubt! Wir lassen die Atmung, den Schmutz, das erste Gefühl und sogar die Fehler auf der Platte, denn das macht sie lebendig. Mit diesem Gedanken ließ es sich viel freier und spielerischer arbeiten, was ungewöhnlich ist, in der heutigen Zeit, wo alles digital „glatt gebügelt“ werden kann. Es fühlte sich an, als hätten wir die Platte einmal am Lagerfeuer gespielt und direkt aufgenommen.“Peter Maffay (l-r) und Johannes Oerding arbeiten schon jahrelang zusammen. Gregor Fischer/dpaStadionkonzert auch mit Clueso, Giesinger, Weiss und KellyAm Samstagabend in Hamburg gaben Peter Maffay und Johannes Oerding eine erste Kostprobe des Herzensprojektes. Sie spielten den Song „Ein Leben lang ist nicht lang“. Er ist rhythmisch, mitreißend und mit einem Text, den viele fühlen dürften. Klassisches und absolut Radio-taugliches Mitsing-Material mit der eindeutigen DNA von Oerding und von Maffay. Im Volksparkstadion wurde das neue Rock-Pop-Lied vom Publikum mit viel Applaus und Jubelrufen gefeiert. Zuvor war Oerding auch mit Clueso, Max Giesinger, Wincent Weiss und Michael Patrick Kelly für je ein Lied auf der Bühne. Vor dem „Heimspiel Hamburg“-Konzert von Oerding wärmte Stefanie Heinzmann die Fans auf.Gemeinsame Tour startet im AprilWer mehr Maffay-Oerding-Duette will, kann sich auf Herbst 2026 und Frühjahr 2027 freuen. Am 2. Oktober kommt das Album heraus und am 15. April startet in Oberhausen die „Nashville“-Tournee mit insgesamt elf Stationen. Maffay, der 2024 eigentlich schon seine Abschiedstour gegeben hatte, freut sich drauf. „Ich fühle mich schon in der Lage, das Tempo mitzugehen und das Volumen zu bewältigen, welches da ansteht. Wenn ich das nicht täte, würde ich Johannes sagen, lass die Finger von mir, weil dann bremse ich dich aus und das musst du nicht haben.“„Es gibt viele Unterschiede, die aber am Ende dann doch zu Gemeinsamkeiten führen“, sagt Oerding. Gregor Fischer/dpaDer große Altersunterschied spiele zwischen den beiden übrigens auch sonst keine Rolle, sagt Maffay noch. „Ich bin gute 30 Jahre älter als er. Aber daraus mache ich keine große Sache und er auch nicht. Wir ergänzen uns gut. Da kommt eine gute Energie zusammen von beiden Seiten.“ Selbstverständlich gebe es deshalb verschiedene Perspektiven auf das Leben, die Vergangenheit und die Zukunft, sagt zudem Johannes Oerding. „Genau diese unterschiedlichen Sichtweisen wollten wir aber auch auf der Platte verewigen. Es gibt viele Unterschiede, die aber am Ende dann doch zu Gemeinsamkeiten führen.“© dpa-infocom, dpa:260621-930-257259/1

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