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Storia in 3 fonti

Quereinsteiger rettet Umgebindehäuser mit Leidenschaft

Ebersbach-Neugersdorf (dpa/sn) - Ob persönlich oder dienstlich: Umgebindehäuser liegen Arnd Matthes zweifellos am Herzen. In Waditz bei Bautzen bewohnt der 63-Jährige ein 1661 erbautes Objekt, das er privat saniert hat. Auch in seiner beruflichen Laufbahn setzte er alles daran, möglichst viele Zeugnisse der einzigartigen Volksbauweise zu erhalten, die typisch für die Oberlausitz ist.Der Denkmalpfleger leitet seit 2013 die Geschäftsstelle der Stiftung Umgebindehaus in Ebersbach-Neugersdorf und berät Hauseigentümer. „So manchen habe ich sicherlich mit dem Umgebinde-Virus angesteckt“, vermutet Matthes. Mitte des Jahres geht er in den Ruhestand.Uriges Denkmal bei den Großeltern erlebtDer gelernte Autoschlosser kam 1992 als Quereinsteiger zum Denkmalschutz. „Das war eine Richtung, die mir lag“, sagt der gebürtige Löbauer, der im Oberlausitzer Ort Kleindehsa aufwuchs. Die Spezialisierung auf Umgebindehäuser nennt er einen „Glücksfall“. Schon als Kind habe er die Behaglichkeit der urigen Denkmale bei den Großeltern in Cunewalde lieben gelernt. „Dort war es einfach gemütlich“, blickt der Vater zweier erwachsener Söhne zurück. Matthes sanierte ab 1988 erstmals ein Umgebindehaus. 2002 begann er, das Gebäude in Waditz auszubauen, in dem er heute wohnt. „20 Jahre habe ich in der Freizeit daran gewerkelt“, erzählt er über den Hof, der einst zu einem Rittergut gehörte. Etliche Überraschungen habe er dabei erlebt. Die markante Stützkonstruktion aus Holz, das Umgebinde, und die Blockstube als „Herzstück des Hauses“ mussten erst freigelegt werden. „Alles war komplett versteckt und verputzt.“ Beim Trockenlegen einer Wand kamen alte Mauerreste und Funde zum Vorschein, die auf eine Nutzung des Grundstücks bis ins 13. Jahrhundert hindeuten. „Die Geschichte am Haus abzulesen ist immer interessant und reizvoll.“ Umgebindehäuser prägen das Bild in der Oberlausitz. (Archivbild) Sebastian Kahnert/dpaDer sächsische Landeskonservator Alf Furkert nennt Umgebindehäuser „das Gesicht der Oberlausitz“. Rund 6.500 seien im Freistaat als Kulturdenkmale erfasst. Die Häuser verbinden Elemente von Fachwerk, Block- und Massivbau zu einer einmaligen Bauweise. Das namensgebende Umgebinde umschließt bogenförmig die Blockstube. Schätzungen zufolge gibt es in Nordböhmen, dem polnischen Niederschlesien und Sachsen noch rund 20.000 der regionaltypischen Bauten. Mancherorts ballen sich Umgebindehäuser regelrecht, etwa in Großschönau, Eibau, Obercunnersdorf oder Ebersbach. Matthes schwärmt von dieser „Ensemblewirkung“, die ihresgleichen deutschlandweit suche. Diese großartige Struktur sei kaum durch „Schandflecken“ gestört. Leerstand gebe es vor allem direkt an Hauptstraßen wie der Bundesstraße 96. Ökologische Baustoffe wie Holz, Lehm und StrohWährend seiner Zeit bei der 2004 gegründeten Stiftung hat Matthes nach eigenen Angaben rund 2.000 Eigentümer von Umgebindehäusern beraten. Kaufinteressenten empfiehlt er eher ein „unverdorbenes“ Haus – also eines, das bisher nicht oder zumindest ohne Einsatz moderner Materialien wie Kunststoff saniert wurde.Über heutige Hausbesitzer sagt der Denkmalpfleger, sie gingen mit mehr Augenmerk ans Werk. „Der Zeitgeschmack hat sich geändert.“ Die heutige Generation verwende sehr bewusst ökologische Baustoffe wie Holz, Lehm, Stroh und Stein, die sich traditionell bewährt haben. Eine enorme Herausforderung seien inzwischen die hohen Baukosten. Wo möglich, lohne sich deshalb Eigenleistung.Arnd Matthes liebt Umgebindehäuser - und hat selbst eins saniert. (Archivbild) Sebastian Kahnert/dpaJedes Umgebindehaus sei anders, vor allem aus der Entstehungszeit vor 1820. „Erst im 19. Jahrhundert hat sich der Baustil angeglichen“, sagt Matthes. Über jede Rettung eines Hauses sei er froh – etwa in Weißenberg, wo die Alte Kirchschule und ein ehemaliges Handwerkerhaus vor dem Abriss bewahrt wurden. In den Objekten aus dem 17. Jahrhundert halfen in den vergangenen zehn Jahren immer wieder auch Jugendliche mit, indem sie alten Putz von Wänden hackten oder sich im Lehmbau versuchten. Die Projektarbeit mit 8. und 9. Klassen hält Matthes für wichtig, um früh Interesse an Baukultur und Handwerk zu wecken. Die Forschung zu der speziellen Volksbauweise und ihrer Herkunft werde nie abgeschlossen sein, glaubt der Fachmann. „Immer wieder kommen neue Erkenntnisse hinzu.“Der Stiftung Umgebindehaus werde die Arbeit zwar nicht ausgehen, allerdings werde das Geld knapper. Die Stelle des bisherigen Geschäftsstellenleiters wurde mit zwölf Stunden weniger neu ausgeschrieben. Beim Tag des offenen Umgebindehauses Ende Mai wird Matthes noch einmal im Einsatz sein und Besucher durch die Alte Kirchschule in Weißenberg führen.© dpa-infocom, dpa:260529-930-143884/1

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