Zwei Folgen des Klimawandels führen dazu, dass die strategische Bedeutung der Arktis enorm wächst. Zum einen wird die Passage zwischen Atlantik und Pazifik durch den hohen Norden immer zugänglicher, eisfreie Sommer sind keine Utopie mehr. Zum anderen legen die schmelzenden Gletscher immer mehr Land frei, unter dem wichtige Bodenschätze vermutet werden. Hinzu kommen die wachsenden geopolitischen Spannungen.Die Weltmächte USA, Russland, auch China, obwohl es gar nicht unmittelbarer Anrainer der Arktis ist, haben das längst erkannt und markieren Präsenz. Den nordischen Ländern Europas muss auch niemand beibringen, wie wichtig die Region vor ihrer Haustür ist. In der Europäischen Union musste diese Erkenntnis länger reifen, aber allmählich bemüht auch sie sich um eine stärkere Sichtbarkeit.Auf dem diffusen Radar TrumpsDas ist der Hintergrund, vor dem sich der Arktis-Gipfel der EU im finnischen Rovaniemi abspielt. Das weniger aggressive Auftreten Europas ist dabei nicht nur ein Nachteil. Norwegen mit seiner langen Küste weiß ohnehin, was es an den Nachbarn hat, und vice versa. Seine exponierte Inselgruppe Spitzbergen sieht nicht nur verstärkte russische und chinesische Aktivitäten, sondern scheint auch auf dem diffusen Radar Donald Trumps aufgetaucht zu sein.Erst recht ist das vom Wirtschaftskrieg des US-Präsidenten heimgesuchte Kanada betroffen und entdeckt seine europäischen Wurzeln und Bindungen. Nun muss Europa seine unverhoffte arktische Chance auch beim Schopf packen. Es darf nicht bei Strategiepapieren stehen bleiben. Finnland, das bereits auf seine Eisbrecherflotte verwiesen hat, kann da konkrete Wege weisen.