Israels Kulturminister Miki Zohar wirft den Filmemachern Yuval Abraham und Rachel Szor „Verrat am Staat“ vor und kündigte auf seinem X-Account an, ihnen die israelische Staatsbürgerschaft entziehen zu wollen. Anlass ist ihr Dokumentarfilm „NAZA“ über das israelische Vorgehen im Gazastreifen, der bei den 83. Filmfestspielen von Venedig mit dem Spezialpreis der Jury ausgezeichnet worden war.

Was ist „NAZA“?

„NAZA“ ist der einzige Dokumentarfilm im diesjährigen Hauptwettbewerb von Venedig, in dem traditionell fast ausschließlich Spielfilme um den Goldenen Löwen konkurrieren. Der Titel stammt aus dem israelischen Militärjargon: Er steht für „Nezek Agavi“, zu Deutsch etwa „Kollateralschaden“. Intern bezeichnet der Begriff die Zahl der Zivilisten, die bei einem Angriff auf ein mutmaßliches Ziel voraussichtlich mitgetötet werden.

Der Film enthält Interviews mit 24 israelischen Militärangehörigen, Geheimdienstlern und Whistleblowern, die anonym schildern, wie die israelische Armee im Gazastreifen palästinensische Zivilisten getötet habe. Bei der Premiere am 10. September gab es eine rund 25-minütige Standing Ovation. Die Dreharbeiten fanden nach dem Hamas-Terrorangriff vom 7. Oktober 2023 statt, mit dem der gegenwärtige Gaza-Krieg begann; der Film thematisiert diesen Auftakt zwar, aber Kritiker des Films sehen Israels Argument der Selbstverteidigung darin nicht ausreichend gewichtet.