Es lief zuletzt nicht gar so gut bei RB Leipzig, ein Blick in die letzten Tage beweist das. Die Rückreise von der Champions-League-Pleite bei Como 1907 gestaltete sich, wie die Bild-Zeitung höhnte, „chaotisch“; unter anderem, weil die Charter-Maschine nicht zeitig mit ausreichend Kerosin betankt worden war. Am Samstag verhinderten technische Probleme die Liveübertragung der Pressekonferenz von Trainer Martín Demichelis; sie hatte umso größeres Interesse geweckt, als RB am Freitag gegen 21.00 Uhr versucht hatte, die fallenden Aktien des neuen Coaches mit einer Art Ad-hoc-Mitteilung zu stützen. Nach nur zwei Bundesliga-Spieltagen wirkte das fast schon wie der abenteuerliche Versuch, das Publikum nachdrücklich darauf hinzuweisen, dass der sprichwörtliche Baum brannte. Aber: Es nahte Hilfe. Und was für eine.Am Sonntag wurde der bis dato tor-, sieg- und vor allem harmlose Hamburger SV in Leipzig vorstellig und verteidigte sein Alleinstellungsmerkmal mit Bravour. Auch nach dem Spiel wies der HSV null Tore und null Punkte auf. Der Europapokalsieger von 1983 verlor in Leipzig – wie schon in der Vorwoche gegen Mainz – mit 0:5 und verschaffte dem zuletzt arg infrage gestellten Demichelis Ruhe und Zeit. Und er schaffte es, dem desaströsen VfL Borussia Mönchengladbach die sog. Rote Laterne wieder mit autoritärem Gestus abzunehmen: Die Liga-Schlechtesten sind immer noch wir!Die Hanseaten versuchten zu Beginn den Eindruck zu erwecken, die Verunsicherung der Leipziger nutzen zu wollen. Leipzigs 1:4 bei Como 1907 war ja in einer Weise deutlich gewesen, dass der Gedanke nur logisch war, dass die Niederlage nachhallen würde. Der HSV attackierte den Gegner früh und hoch. Doch als nach zehn, fünfzehn Minuten kein Ertrag zu bestaunen war, wurde aus dem Hamburger SV eine Art Hologramm SV: ein Gebilde, das allenfalls die Illusion von Einschüchterung erzeugen konnte. Umgekehrt wussten die Leipziger die ersten größeren Verunsicherungen bei den Hanseaten zu nutzen. Es blieb ihnen allerdings auch kaum etwas anderes übrig, zu explizit waren die Einladungen der Hamburger.Beim ersten Treffer fanden drei der fünf neuen Startelfspieler zusammen, die Demichelis im Vergleich zu Como aufgeboten hatte: Brajan Gruda schickte Ezechiel Banzuzi auf der rechten Seite steil, der niederländische Nationalspieler passte den Ball ins Zentrum, und dort kam Tidian Gomis herangerauscht und drückte den Ball zur Führung ein (17.). In der 28. Minute untermauerte der HSV seine Idee, bloß noch als Aufbaugegner fungieren zu wollen. Torwart Daniel Heuer-Fernandes spielte den 19-jährigen Verteidiger Shafiq Nandja an. Da er nicht wusste, was er mit dem Ball anfangen sollte, verlor er ihn an RB-Angreifer Antonio Nusa. Dass der Norweger ihn sich in erster Instanz zu weit vorlegte, war aus RB-Sicht nicht weiter schlimm: Nandja erwischte den Ball per Grätsche – allerdings so unglücklich, dass er Nusa anschoss. Der Abpraller flog über Heuer-Fernandes zum 2:0 ins Tor (28.).Antonio Nusa (Mitte) bejubelt das 2:0 für Leipzig.Jan Woitas/dpaDanach bot bei den Leipzigern zweierlei Anlass zu welken Stirnpartien: das wenig überzeugende Spiel einerseits, die neuerliche Verletzung von Nationalspieler Assan Ouédraogo andererseits. Er musste wegen einer Schulterverletzung ausgewechselt werden.Dass RB Christopher Nkunku einwechseln konnte, gibt eine Ahnung vom Potenzial des schwerreichen Champions-League-Vertreters. Nach der Pause aber begab es sich, dass der HSV sich auflehnte, insbesondere durch Zakaria El Ouahdi, der sich sporadisch an Abschlüssen versuchte. Den ansehnlichsten Angriff legten allerdings die Leipziger hin – bei einem Konter, der in einem anspruchsvollen und nur leicht missratenen Seitfallzieher von Nkunku kulminierte.Es blieb überraschend, wie schwer sich die Leipziger damit taten, eine Partie zu kontrollieren, die sie nach menschlichem Ermessen gewonnen hatten. Und das, obschon das Talent der Offensivreihe – Nkunku, Gomis, Gruda – immer wieder aufschien und der Gegner minderbemittelt wirkte. Dann aber drückte Willi Orban einen indirekten Freistoß zum 3:0 über die Linie (72.); dass HSV-Trainer Merlin Polzin die Zeit für den Hoffnungsträger Fábio Viera gekommen sah, beantwortete Leipzig mit dem 4:0 durch Rückkehrer Nkunku (74.) und dem 5:0 durch den eingewechselten Rômulo (77.).Dem HSV war nicht mal ein Ehrentreffer vergönnt: Albert Grönbaek traf zwar ins Leipziger Tor, doch als der Ball im Netz lag, erkannte der Referee den Treffer wegen Abseits ab. Es blieb also bei der tristen Null-Tore-Statistik für den HSV. Einen schlechteren Saisonstart haben nach drei Spieltagen in der Bundesliga-Geschichte bislang nur zwei Teams hingelegt.
0:5 - Hamburger SV wird zum Aufbaugegner für RB Leipzig
Der HSV verliert mit 0:5 und bleibt Tabellenletzter. RB erholt sich etwas von der bitteren Champions-League-Niederlage in Como.











