Als Michael Gregoritsch aus Anlass seines Aufstiegs zum alleinigen Rekordtorschützen des FC Augsburg Exkurse in die Mundart und Kulinarik seiner Heimat Österreich vornahm, lohnte die Gedankenreise ans Ende der vergangenen Saison. Nach dem letzten Heimspiel hatte der Angreifer bereits einen Teil der Erklärung für seinen vier Monate später erreichten Erfolg geliefert. Nach zwei Toren beim 3:1 gegen Mönchengladbach war es im Mai um die Frage gegangen, warum er immer wieder treffe, obwohl er nicht der Schnellste sei. Gregoritsch fand nach einiger Selbstironie eine hübsche Begründung. „36 km/h brauchst du im Kopf“, sagte der 32-Jährige: „Die Nase verliert man nicht, auch nicht, wenn man ein bisschen älter wird, sondern die wird immer besser.“Das 2:2 (0:1) gegen Leverkusen am Samstag kam wie ein Beleg für seine These daher. Wieder hatte Gregoritsch zwei Tore in klassischer Näschenmanier erzielt, nachdem ihm bereits im ersten Saisonspiel gegen Schalke ein Treffer gelungen war. Diesmal hatte er nach Christian Kofanes 0:1 (18.) mit der Fußspitze nach einem schönen Schnittstellenpass von Hennes Behrens ausgeglichen (50.). „A Gurkerl war’s“, sagte Gregoritsch über seinen etwas glücklichen Tunnel gegen Torwart Mark Flekken: „Im Golf würde ich sagen: ugly but useful.“ Aber es heiße ja: „Die hässlichen Tore sind die schönsten.“ Fünf Minuten später beförderte Gregoritsch den Eckball von Fabian Rieder per Kopf ins Netz. Leverkusens Patrik Schick glich noch mit der Hacke zum verdienten Endstand aus (89.).SC Freiburg:„Deutscher Meister wird nur der SCF“Nur ein Scherz, natürlich, im bodenständigen Breisgau: Trotzdem steht der SC Freiburg mit neun Punkten und 10:1 Toren nicht ganz zufällig an der Tabellenspitze.Der spät entrissene Sieg dämpfte bei den Augsburgern zwar die Freude über den starken Saisonstart mit sieben Punkten aus drei Ligaspielen. Die Glücksgefühle in eigener Sache aber blieben Gregoritsch erhalten. Mit 38 Bundesligatoren der Rekordtorschütze des FC Augsburg vor dem früheren Angreifer Alfred Finnbogason zu sein, bedeute ihm „extrem viel“, sagte Gregoritsch, „das ist ein Tag für die Ewigkeit für mich“. Er kündigte an, sich abends einen Wein zu gönnen und auch die Mannschaft zu bedenken. Schon im Trainingslager hatte er versprochen, einen auszugeben, sobald er die Rekordmarke erreiche.Dafür will Gregoritsch nun seinen Kumpel Fritz Grampelhuber nach Augsburg lotsen, damit der langjährige Koch von Österreichs Nationalmannschaft die FCA-Belegschaft verwöhnt. „Ihr wisst ja, wie sehr ich österreichisches Essen liebe, deswegen glaube ich, wird es mal Zeit, gute Käsekrainer nach Augsburg zu bringen“, sagte Gregoritsch.„Wir sind keine Tabellenmannschaft. Wir sind eine Spielemannschaft“, sagt Trainer BaumMit seiner Mischung aus Lockerheit und Leistungswille steht Österreichs Nationalstürmer exemplarisch für das Arbeitsklima des FCA. So launig sich Gregoritsch gibt, so ehrgeizig ist er zugleich, und auch damit verkörpert er den Geist der Mannschaft. Die aktuelle Erfolgswelle hält schon seit einem Dreivierteljahr an und erlaubte es nun zum zweiten Mal in Serie, einen Rückstand zu drehen. Man sei trotz der erstmaligen Tabellenführung in Augsburgs 16. Bundesligajahr nach dem zweiten Spieltag „keine Top-Fünf-Mannschaft“, befand Gregoritsch. Es gebe es genug Themen, die man verbessern müsse, weshalb er empfahl: „Bescheiden bleiben, weiterarbeiten, gut gemacht bisher.“Trainer Manuel Baum sieht das ganz ähnlich, und wichtig ist ihm auch, den Blick zu weiten und von Gregoritsch auf das Gesamtwerk der Mannschaft zu lenken. „Das Wir über das Ich stellen“ sei ein wichtiges Prinzip, sagte Baum: „Das Tor schießt der Gregerl nicht, weil er es sich selber vorlegt.“ Nebenbei erfand er noch eine neue Version der Phrase, wonach man nur von Spiel zu Spiel denke. „Wir sind keine Tabellenmannschaft“, die stets auf das Klassement schaue, sagte Baum: „Wir sind eine Spielemannschaft. Und eine Spielemannschaft beschäftigt sich immer mit einer Frage die ganz Woche: Wie gewinnen wir das nächste Spiel? Das Zusammenzählen von Toren und Punkten, das können andere machen.“Anlass zu größerer Sorge, dass Gregoritsch zu viel die eigenen Tore zusammenzählen könnte, besteht offenbar nicht. Sein Trikot von seinem Rekordspiel gegen Leverkusen will zwar er rahmen und aufhängen. Aber das hatte er auch für ein WM-Foto mit Lionel Messi angekündigt, doch dann waren andere Dinge vorerst wichtiger als der eigene Personenkult. „Habe ich noch nicht gemacht, ich bin da ein bisschen schlampig“, sagte Gregoritsch vergnügt. Baum dürfte das als guten Charakterzug werten.
Bundesliga: Michael Gregoritsch ist jetzt Augsburgs neuer Rekordschütze
Augsburgs neuer Rekordschütze Michael Gregoritsch steht exemplarisch für das Hoch beim FCA.











