«Ich schneide Dir den Kopf ab!» – ein Vater bedroht die Lehrerin seines Sohnes und wird zu sechs Monaten Haft verurteiltDer Fall ist symptomatisch für die Gewalt, der französische Lehrer ausgesetzt sind. Und er weckt Erinnerungen an den Mord an Samuel Paty.11.09.2026, 14.43 Uhr3 LeseminutenGedenken an Samuel Paty: Seit dem Mord an dem Geschichtslehrer durch einen islamistischen Terroristen im Oktober 2020 ist Frankreich alarmiert.APDieses Mal reagierte die Justiz schnell: Ein Gericht in Toulouse hat am Donnerstag einen Mann zu sechs Monaten Haft verurteilt und seine sofortige Inhaftierung angeordnet. Dies, nachdem er sechs Tage zuvor einer Lehrerin mit Enthauptung gedroht hatte.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Der Vorfall ereignete sich in Le Fauga, einer kleinen Gemeinde südlich von Toulouse. Dort stellte der 46-jährige Abdelkader B. auf dem Parkplatz einer Grundschule die Lehrerin seines neunjährigen Sohnes zur Rede. «Ich schneide dir den Kopf ab!», rief der Barbesitzer und Vater dreier Kinder ihr nach übereinstimmenden Zeugenaussagen zu.Erinnerung an Samuel Paty wird wachVorausgegangen war eine Szene im Unterricht. Weil der Junge wiederholt störte, hatte ihn die Pädagogin zurechtgewiesen und ihm gesagt, er solle nicht den «kleinen Caïd» spielen. Das lässt sich im Französischen mit kleiner Gangster oder Boss übersetzen. Als B. davon erfuhr, geriet er in Rage. Die Lehrerin habe seinen Sohn vor den Mitschülern gedemütigt, warf er ihr vor. Als sie vor ihm flüchtete, folgte er ihr bis in das Schulgebäude.Vor Gericht entschuldigte sich B. Er sei eigentlich kein gewalttätiger Mensch und habe die Tragweite seiner Worte nicht erkannt, sagte er. Für die Justiz ist der Barbesitzer allerdings kein Unbekannter: Fünfmal wurde er bereits verurteilt, unter anderem wegen schweren Diebstahls und Verkehrsdelikten.Die Richter verwiesen ausdrücklich auf den brutalen Mord an dem Geschichts- und Geografielehrer Samuel Paty, der «allen Franzosen im Gedächtnis» geblieben sei. B. hätte wissen müssen, welche Erinnerungen er mit seinen Worten weckte. Paty war im Oktober 2020 vor seiner Schule im Pariser Vorort Conflans-Sainte-Honorine von einem 18-jährigen tschetschenischen Terroristen enthauptet worden, nachdem er in seinem Unterricht Mohammed-Karikaturen gezeigt hatte.Drei Jahre später erstach ein 20-jähriger Islamist den Literaturlehrer Dominique Bernard in einer Schule im nordfranzösischen Arras. Die Taten erschütterten das Land und rückten die Sicherheit der Lehrer ins öffentliche Bewusstsein. Doch Morddrohungen gegen Lehrkräfte und Mitschüler gibt es weiterhin.Schüler gedenken vor der Gambetta-Carnot-Schule in Arras des bei einem islamistischen Messerangriff getöteten Lehrers Dominique Bernard.Samuel Aranda / GettyIn ihrem kürzlich veröffentlichten Jahresbericht für 2025 schreibt Catherine Becchetti-Bizot, die Ombudsfrau des französischen Bildungsministeriums, von einer «starken Zunahme der Konflikte und der Gewalt innerhalb der Bildungseinrichtungen». So wurde im Schuljahr 2024/25 an mehr als zwei Dritteln aller französischen Mittel- und Oberschulen mindestens ein schwerer Vorfall gemeldet, etwa körperliche oder sexuelle Gewalt gegen Lehrer oder Mitschüler, eine gravierende Drohung oder das Mitführen einer Waffe.Drohungen auf dem SchulhofMickaëlle Paty, die Schwester von Samuel Paty, schilderte gegenüber der NZZ im Februar, wie Anspielungen auf den Mord an ihren Bruder auf französischen Schulhöfen inzwischen zur gängigen Drohformel geworden sei. Dort höre man Sätze wie: «Ich mach ihm einen Paty.» Zwar werde ihres Bruders an den Schulen offiziell gedacht, doch Lehrer würden weiterhin beschimpft und bedroht. Nicht selten gehe der Druck von islamistischen Kreisen aus, die Einfluss auf den Unterricht nehmen wollten.Mickaëlle Paty, die Schwester von Samuel Paty, bei der Vorführung des Films «L’Abandon» in Cannes, der die letzten elf Tage vor Patys Ermordung nachzeichnet.Jacovides Moreau / ImagoFür die Grundschullehrerin in Le Fauga hat die Morddrohung derweil dramatische Folgen. Die 58-Jährige ist seit dem Vorfall krankgeschrieben und hat aus Angst vorübergehend ihren Wohnort gewechselt. «Sie dachte, sie würde sterben», sagte ihre Anwältin vor Gericht. Ob sie noch einmal vor eine Klasse zurückkehren wird, sei ungewiss. Ihre Kollegen legten aus Protest vorübergehend die Arbeit nieder.Frankreichs Bildungsminister Édouard Geffray kündigte am Donnerstag zudem an, erstmals eine neue Regelung anzuwenden, gemäss der Kinder an eine andere Schule versetzt werden können, wenn ihre Eltern Lehrer bedrohen oder die Sicherheit des Schulpersonals gefährden. «Kein Lehrer darf Angst haben, seinen Beruf auszuüben», schrieb er auf X.Passend zum Artikel
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Der Fall ist symptomatisch für die Gewalt, der französische Lehrer ausgesetzt sind. Und er weckt Erinnerungen an den Mord an Samuel Paty.













