Das Glücksspiel- und Wettunternehmen Bet365 hat Denise Coates zur reichsten Frau Großbritanniens gemacht. Coates formte aus dem kleinen Sportwettbüro ihres Vaters einen Konzern mit Milliardenumsätzen. Jetzt weht Bet365 ein schärferer Wind entgegen, nachdem höhere Steuern in Kraft getreten sind. Das Unternehmen hat angekündigt, 340 Stellen zu streichen.Die meisten fallen am Hauptsitz in Stoke-on-Trent weg, einer eher strukturschwachen Kleinstadt in Mittelengland. Dort ist Bet365 mit Abstand der größte Arbeitgeber mit 5500 Beschäftigten. Weltweit beschäftigt das Unternehmen rund 10.000 Mitarbeiter, unter anderem in Gibraltar und Malta. Zur Begründung des Stellenabbaus verwies ein Sprecher auf „den starken Wettbewerb sowie gestiegene regulatorische und steuerliche Kosten“.Der Wettbewerber Entain mit den Glücksspielketten Ladbrokes und Coral hat ebenfalls einen Sparkurs angekündigt. Entain wird 500 Stellen abbauen. Der internationale Glücksspielkonzern mit Hauptsitz auf der Isle of Man beschäftigt derzeit noch etwa 24.000 Mitarbeiter – doch die Entwicklung ist rückläufig. Und Buchmacher William Hill wird rund 270 Wettläden in England schließen.Die Geschäfte laufen nicht mehr ganz so glänzend wie zu den Hochzeiten, als während der Corona-Lockdowns das Onlineglücksspiel besonders stark boomte. Vom damaligen Rekordwert ist der Entain-Aktienkurs um drei Viertel gesunken. In den vergangenen zwölf Monaten verloren Anleger mit dem Papier gut 40 Prozent. Der Börsenwert liegt jetzt noch bei 3,2 Milliarden Pfund (3,7 Milliarden Euro). Die Aktie des William-Hill-Mutterkonzerns Evoke (früher 888 Holdings) verlor in einem Jahr mehr als 25 Prozent.Die Aktienkurse sind nach dem Rekord stark gesunkenZum Kursrückgang trägt auch die höhere Besteuerung seit April bei. Die damalige Finanzministerin Rachel Reeves brauchte mehr Einnahmen und verwies auch auf soziale Schädlichkeit von Glücksspielsucht. Für Onlinecasinos und -spiele wurde die Steuer auf 40 Prozent fast verdoppelt. Die Abgabe auf Onlinesportwetten – außer auf Pferderennen – wird nächstes Jahr von 15 auf 25 Prozent steigen. Trotz intensiver Lobbyarbeit konnte die Branche die Steuererhöhung nicht abwenden. Entain-Vorstandschefin Stella David rechnet damit, dass die neuen Steuern ihren Konzern unterm Strich etwa 200 Millionen Pfund kosten.Die Wett- und Glücksspielbranche in Großbritannien ist neben der in Italien die größte Europas. Laut der jüngsten verfügbaren Studie von 2025 des Branchenverbands European Gaming and Betting Association (EGBA) wuchs der europäische Markt um fünf Prozent auf 124 Milliarden Euro. In Großbritannien erzielten die Unternehmen rund 20 Milliarden Euro Bruttoeinnahmen (Daten von 2023) – ein Anstieg um fast die Hälfte gegenüber 2020. Nur Italien lag mit 21 Milliarden Euro vor Britannien, in Deutschland und Frankreich kam die Branche auf jeweils gut 14 Milliarden Euro.Auffällig ist in England der hohe Onlineanteil von fast zwei Dritteln beim Glücksspiel, während er in Deutschland und Italien nur rund ein Viertel beträgt. Für die Unternehmen, die den Onlinetrend frühzeitig erkannten, ist das eine Goldgrube: Bet365-Gründerin Coates und ihre Familie haben laut der Reichenliste der „Sunday Times“ ein Vermögen von zehn Milliarden Pfund (gut elf Milliarden Euro) angehäuft.Mehr als eine Million „Problemspieler“Laut Umfragen nutzen etwa die Hälfte aller Briten mehr oder weniger regelmäßig Glücksspiele. Kritiker beklagen die hohe Zahl der Spielsüchtigen. Laut einer Studie der staatlichen Gambling Commission sind geschätzt 1,4 Millionen Menschen „Problemspieler“. Das sind fast drei Prozent der Erwachsenenbevölkerung. Die Studie befragte Menschen mit schwerer Spielsucht zu negativen Folgen wie hohen finanziellen Verlusten, dem Zerbrechen von Beziehungen und Familien, Gewalterfahrungen und Kriminalität. Die Hälfte der schwer Spielsüchtigen berichtete von mindestens zwei negativen Folgen für ihr Leben. Jedes Jahr gebe es 120 bis fast 500 Todesfälle, die mit Spielsucht zusammenhängen, schreibt die Regierung.Die neuen Steuern zielen auf die Onlinespielbranche, da diese „am sozial schädlichsten“ sei, sagte die damalige Finanzministerin Reeves vergangenes Jahr. Die Glücksspielbranche versucht, die Ergebnisse der Studien über Spielsucht herunterzuspielen. Ein Sprecher des Verbands Betting & Gambling Council sagte vergangenes Jahr: „Mehr als 22 Millionen Erwachsene in Britannien haben Spaß daran, jeden Monat zu wetten, und wie die Gambling Commission zeigt, tut dies die Mehrheit auf eine sichere Weise.“