In dem EU-Land Polen gibt es auch auf Hauptstrecken noch Bahnübergänge, die nur mit einem Andreaskreuz und Signalen gesichert sind. Immer wieder kommt es auch deshalb zu Unfällen. Nach dem jüngsten schweren Zugunglück mit einer Toten und mehreren Verletzten hat die Lokführergewerkschaft ihre Mitglieder zu einer Protestaktion für mehr Sicherheit auf der Schiene aufgerufen.

Die Lokführer sollen ihre Züge am Freitag von 0 bis 12 Uhr mit einer Geschwindigkeit von 20 Kilometern pro Stunde über jeden Bahnübergang fahren lassen, teilte die Gewerkschaft mit. Zunächst war die Bummelaktion für die Dauer von 24 Stunden angekündigt worden. Nach einem Gespräch mit dem Infrastrukturminister änderten die Gewerkschafter am Abend ihre Pläne.Hintergrund ist ein tragischer Unfall. Am Mittwoch war ein Intercity auf einem unbeschrankten Bahnübergang mit einem Betonmischer kollidiert. Bei dem Unglück rund 125 Kilometer südwestlich von Warschau kam eine 39 Jahre alte Frau aus Lublin ums Leben. Zehn Personen kamen demnach mit Verletzungen ins Krankenhaus, darunter auch der Lokführer und der Lkw-Fahrer.

Eine Untersuchungskommission der polnischen Bahn kam zu dem Schluss, dass sich der Unfall anders zugetragen hatte als zunächst vermutet. Demnach sei der Betonmischer direkt vor den kreuzenden Zug gefahren. Durch den Aufprall sei die Lok in die Höhe geschleudert worden und sei auf den ersten Waggon gestürzt. Zunächst war die Staatsanwaltschaft davon ausgegangen, dass der Betonmischer seitlich in den ersten Waggon des fahrenden Zuges geprallt war.