Nach Isar Aerospace schickt sich ein weiteres in München ansässiges Raumfahrt-Start-up an, für Europa eine unabhängige Infrastruktur im Weltraum zu entwickeln. Am Donnerstag vergab die Europäische Weltraumbehörde ESA an das vor fünf Jahren gegründete Unternehmen The Exploration Company (TEC) einen Auftrag für die zweite Phase des europäischen Programms Aladdin, mit der ein kommerzieller Frachttransport im niedrigen Erdorbit entwickelt werden soll.Der Vertrag dazu wurde auf dem International Space Summit in Paris unterzeichnet. Er hat einen Gesamtwert von 760 Millionen Euro, davon entfallen 310 Millionen Euro auf die Demonstrationsmission mit der TEC. Zwei optionale Servicemissionen mit einem Gesamtwert von 450 Millionen Euro sollen zu einem späteren Zeitpunkt bestätigt werden. Die erste Mission geht zur Raumstation ISS, für die Zusatzmissionen sei auch eine andere künftige kommerzielle Raumstation als Ziel denkbar.Langfristig seien Flüge auf den Mond und auf den Mars vorgesehen, sagte ESA-Direktor Daniel Neuenschwander. TEC ist ein deutsch-französisches Unternehmen, das von der Französin Hélène Huby gegründet wurde und geleitet wird. Für sie ist es wichtig, dass ihr Start-up mit der ESA nach der ersten Phase des Aladdin-Programms nun auch in der zweiten Phase zusammenarbeitet. Für TEC sei es ein wichtiger Schritt, der nächste sei der erste Testflug, sagte Huby auf der virtuellen Pressekonferenz.450 Millionen Dollar eingesammeltVor Kurzem hat sie 450 Millionen Dollar an frischem Kapital eingesammelt. Nun kommt TEC auf eine Finanzierung von 680 Millionen Dollar. Mit den Mitteln will das Start-up das erste private Raumschiff Europas mit dem Namen Nyx bauen und zudem die Entwicklung des Raketentriebwerks Storm beschleunigen. Trotz des erfolgreichen Testflugs der Spectrum-Rakete von Isar Aerospace fehlt es Europa an Kapazitäten im Weltraum.Zwar will Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius bis zum Jahr 2030 rund 35 Milliarden Euro in die Sicherheitsstruktur im Weltraum investieren, doch um dort Hunderte an Satelliten zu platzieren, wird die Bundeswehr weiterhin auf Elon Musk angewiesen sein. Die Falcon-Raketen seines amerikanischen Raumfahrtunternehmens SpaceX transportierten bislang viele Bundeswehr-Satelliten ins All.Hélène HubyPaloma LaudetDie Falcon-9-Rakete hat eine Nutzlast von 20 Tonnen, ähnlich wie die europäischen Ariane-6-Raketen in der niedrigen Erdumlaufbahn. Diese werden aber nur in einer kleinen Stückzahl hergestellt. Die Spectrum-Rakete von Isar Aerospace hat eine Nutzlast von nur einer Tonne. Huby will mit dem Raumschiff Nyx bis November 2028 so weit sein, dass es unbemannt erstmals an die Raumstation ISS andocken kann. Dort soll das Raumschiff nach Angaben von Huby für einige Tage bleiben und dann wieder auf die Erde zurückkehren.Mit dem Raketentriebwerk Storm will sie das Fundament für eine Schwerlastrakete legen, die 40 Tonnen in den Weltraum transportieren und dann wieder auf die Erde zurückkehren kann. Soll die Rakete nicht wiederverwendet werden, steigt die Nutzlast sogar auf 60 Tonnen. Huby räumte ein, dass November 2028 für den Testflug des Raumschiffs sehr ambitioniert sei und in der Raumfahrt Verzögerungen nicht auszuschließen seien. Um ein Raumschiff zu entwickeln, das Menschen transportieren kann, hält sie einen Zeitraum von zehn Jahren für nötig.Die Kosten dafür hatte sie früher auf vier Milliarden Euro beziffert. ESA-Direktor Neuenschwander stellte klar, dass der Transport von Astronauten nicht im Rahmen des Aladdin-Programms möglich sei. Dafür sei ein neues ESA-Programm erforderlich.In der jüngsten Finanzierungsrunde konnte TEC auch Investoren aus den Vereinigten Staaten gewinnen. Mit Bessemer Venture Partners engagierte sich die kalifornische Beteiligungsgesellschaft, die schon mit dem KI-Unternehmen Anthropic, Linkedin oder dem amerikanischen Raumfahrtunternehmen Rocket Lab einen guten Riecher bewiesen hat.
The Exploration Company: ESA vergibt Auftrag an Münchner Start-up für Raumschiff Nyx
Europas Weltraumbehörde ESA hat einen Auftrag an das Unternehmen Exploration Company vergeben. Es geht um unabhängige Transportkapazitäten im Weltraum.














