Diese Lesung beim Internationalen Literaturfestival Berlin ist anders als andere. Klar, die Autorin kommt, um ein neues Buch vorzustellen, den Roman „Täuschung“, erschienen bei Hanser. Sie liest ein Stück daraus auf Arabisch, dann trägt die Schauspielerin Martina Hesse eine längere Passage auf Deutsch vor, während der Text auf der großen Leinwand im Haus der Berliner Festspiele auf Englisch und Deutsch eingeblendet ist. Es wird noch weitere Lesepassagen geben während der anderthalb Stunden am späten Mittwochabend.

Eine Täuschung

Es liegt eine Spannung über dem Abend, aber keine Unruhe. Zu Gast ist Adania Shibli – jene Autorin, die vor drei Jahren im Rahmen der Frankfurter Buchmesse für ihr Buch „Eine Nebensache“ geehrt werden sollte. Der Termin war so kurz nach dem Terrorangriff der Hamas auf Israel höchst ungünstig, denn Shibli schreibt in dieser Doppelnovelle vom Lebensgefühl einer Palästinenserin und einem frühen Verbrechen israelischer Soldaten an einer jungen Frau. Ein mit kleinen politischen Zeichen operierendes literarisches Werk wurde zum brisanten Politikum, zumal Adania Shibli selbst sich dazu nicht äußern wollte.

Shibli sagt in dem auf Englisch geführten Gespräch mit ihrer Schriftstellerkollegin Priya Basil, dass sie lange über den Titel ihres Buches nachgedacht habe. Aber im Laufe des Zuhörens kann einen das Gefühl beschleichen, dass auch der Abend selbst der Täuschung dient. Er ist zwar einerseits wunderbar literarisch, wenn den Wandlungen der Figuren im Roman nachgespürt wird, die in diesem Gespräch eher nach natürlichen Metamorphosen klingen als nach politisch und gesellschaftlich bedingten Veränderungen. Es klingt poetisch, wenn all die Früchte und Pflanzen erwähnt werden, die im Buch eine Rolle spielen.