Niko Kovac fühlte sich auf erschreckende Weise an einen Erste-Hilfe-Kurs erinnert. „Als ich das gesehen habe, hat das schon Ähnlichkeit gehabt“, schilderte der Trainer von Borussia Dortmund seinen Blick auf den am Boden liegenden Konstantinos Karetsas und atmete tief durch. Die Sorge um den 18-Jährigen überschattete den 3:2-Sieg in der Champions League gegen den FC Villarreal. Wie geht es dem Flügelstürmer? Muss der BVB nach dem Kreuzbandriss von Giannis Konstantelias auch auf seinen zweiten griechischen Zugang erst einmal verzichten?„Wir hoffen natürlich, dass es ganz, ganz schnell besser wird und es nichts Ernsthaftes ist“, sagte Sportdirektor Ole Book in der Interviewzone des Dortmunder Stadions. Weitere Erkenntnisse zum Gesundheitszustand von Karetsas, der in der ersten Hälfte erst auf den Rasen sank und dann mit einer Trage vom Platz gebracht werden musste, gibt es weiterhin nicht. Auf Anfrage des Sportinformationsdienstes am Mittwoch hieß es vom BVB nur, Karetsas gehe es weiterhin „den Umständen entsprechend gut“.„Es wäre nicht seriös, Mutmaßungen anzustellen“, sagte Geschäftsführer Lars Ricken, der sich „ein Stück weit geschockt“ zeigte. Book berichtete, Karetsas sei am Abend „nicht direkt sprachfähig“ gewesen. Eine Vorerkrankung wie ein Infekt habe nicht vorgelegen: „Das kam sehr plötzlich. Wir hoffen, dass es nichts Ernsthaftes ist.“ Alle seien „ziemlich bedient und erschrocken. Das macht uns allen gerade ein bisschen Sorgen.“Es habe kein Infekt oder eine Vorerkrankung vorgelegen, heißt es beim BVBKaretsas wurde noch während der Partie ins Krankenhaus gefahren. Weitere Untersuchungen sollen Klarheit bringen. Wann es Ergebnisse gibt, blieb zunächst offen. Man müsse nun abwarten, „was die nächsten Tage da ergeben“, sagte Ricken. Am Samstag (15.30 Uhr/Sky) empfängt der BVB Aufsteiger SC Paderborn.Wie alle Dortmunder vermittelte auch der frühere Spitzenfußballer Ricken den Eindruck, dass es zuvor keine Hinweise auf gesundheitliche Schwierigkeiten bei Karetsas gegeben habe. „Es hat sich nichts angedeutet“, sagte Ricken.Eigentlich könnte sich der BVB über einen gelungenen Saisonstart mit insgesamt vier Siegen in der Bundesliga, im DFB-Pokal und in der Königsklasse freuen. Wäre da nicht das anhaltende Ausfall-Pech. Nationalspieler Nico Schlotterbeck und Emre Can fehlen schon länger. Das 2:0 zum Liga-Auftakt gegen den Hamburger SV hatte wegen der schweren Knieverletzung von Konstantelias bittere Folgen. Auch er war erst im Sommer gekommen und prägte wie Karetsas bereits das BVB-Spiel. „Klar war es jetzt kein gutes Gefühl, wenn wieder ein Spieler, der sehr viel Kreativität reinbringt, vom Platz muss“, sagte Book nun.Serhou Guirassy und der nach seiner Einwechslung erneut starke Fabio Silva prägten die unterhaltsame zweite Halbzeit zugunsten des BVB.Christof Koepsel/Getty ImagesAuf den Konstantelias-Ausfall reagierte der Kaderarchitekt schnell, lieh Ethan Nwaneri vom FC Arsenal aus. Auch der 19-Jährige überzeugte sofort. Nwaneri macht gemeinsam mit seinen Offensivkollegen in Topform Hoffnung, dass Dortmund auch einen möglichen Ausfall von Karetsas in den nächsten Spielen kompensieren könnte.Vor allem Serhou Guirassy scheint in bestechender Frühform zu sein. Der Mittelstürmer, der in der vergangenen Spielzeit von BVB-Fans auch mal kritisch gesehen wurde und um den es zudem Transfergerüchte gab, erweist sich derzeit als das, als was ihn Kovac schon lange bezeichnet: als sportliche „Lebensversicherung“. Mit zwei Toren war der 30-Jährige auch beim Start in die Königsklasse der Matchwinner. In der Bundesliga hat er in den ersten beiden Spielen ebenfalls schon zweimal getroffen, glänzte auch als Vorbereiter.Fábio Silva überzeugt zudem bei seinen Joker-Einsätzen. Immer, wenn der 24-Jährige zuletzt ins Spiel kam, kurbelte er das Angriffsspiel des BVB mächtig an. „Fábio macht das richtig gut. Er blüht auf“, lobte Kovac. Womöglich könnten er und Guirassy demnächst auch gemeinsam beginnen. „Dass Serhou einer der besten Stürmer überhaupt ist, ist bekannt“, sagte Book: „Wenn Fábio so auftritt wie bei den letzten Einwechslungen, dann unterstreicht er seine Ambitionen auf mehr Spielzeit.“ Noch hat Kovac also Optionen – allem Ausfall-Pech zum Trotz.