Es war nur ein kleiner Satz, der schnell überhört werden konnte in der Masse der Phrasen und Floskeln, die nach so einem Champions-League-Spiel in Mikrofone und Blöcke diktiert werden. Worte, die in dieser oder ähnlicher Form beim Fußball schon oft Verwendung fanden, aber in Dortmund haben sie zu Beginn des Herbstes 2026 nach zuletzt vier Siegen in vier Pflichtspielen eine besondere Kraft.„Es stimmt im Moment, jeder läuft für den anderen“, sagte der Trainer Niko Kovac nach dem spannenden 3:2-Erfolg des BVB gegen den FC Villarreal, „wenn wir das machen, sind wir wirklich schwer zu bespielen.“Fast eine „Geschichte wiederholt sich“-DramaturgieKovac ist klug genug, seinen Befund mit einem leise zweifelnden „im Moment“ einzuschränken, der Trainer weiß, wie schnell die Dinge kippen können. Aber hinter den spielerischen Fortschritten und der starken Widerstandskraft steckt zweifellos etwas Atmosphärisches. Man kann das daran sehen, wie sich alle für Fabio Silva freuten, der nach seiner Einwechslung toll gespielt und das 2:1 vorbereitet hatte (80.).Die meisten Spieler trauen sich gegenseitig zu, Situationen fußballerisch zu lösen. Niemand senkt gerade genervt den Blick, wenn einem Kollegen der Ball verspringt, oder wenn einer eine weniger gute Entscheidung trifft. Es liegt nahe, diese Entwicklung beim Blick auf die dramatische Nachspielzeit dieser Partie mitzudenken.Viel fehlte nämlich nicht für eine dieser „Geschichte wiederholt sich“-Dramaturgien, die es so oft gibt in diesem Sport. Vor ziemlich genau einem Jahr war der BVB zum Auftakt des neuen Champions-League-Spieljahres bei Juventus Turin mit einer 4:2-Führung in die Nachspielzeit gegangen und ließ noch zwei Tore zu. Es war der Beginn einer sehr zähen und von Zweifeln durchsetzten Europapokalsaison.Nun führte das Team mit 3:1 gegen den FC Villarreal, Serhou Guirassy unterlief ein Eigentor zum 3:2, das Zittern begann. Der Portugiese Renato Veiga hatte noch eine exzellente Chance auf das 3:3, aber der hervorragende Joane Gadou bekam seinen Fuß noch an den Ball. Aber es ging gut aus für die Dortmunder, deren Torhüter Gregor Kobel sich am Ende über einen „hart erkämpften Sieg“ freute.Sorge um Konstantinos KaretsasNoch lassen sich daraus keine großen Erkenntnisse ableiten, der Herbst, in dem die Dortmunder schon so oft in Krisenphasen hineingerieten, steht erst noch bevor. Aber Kovac fand das im Vorjahr so oft holpernde Ballbesitzspiel seines Teams in vielen Phasen „klasse“.Das Team ist dabei, eine neue und den eigenen Ansprüchen angemessene Spielkultur zu entwickeln. Alle Neuzugänge bereichern die Mannschaft, und auch Konstantinos Karetsas spielte wieder gut. Jedenfalls bis er zum Hauptdarsteller der Geschichte wurde, die diesen Abend überschattete.Der für den Sport zuständige Geschäftsführer Lars Ricken sagte später, er sei „ein Stück weit geschockt“ gewesen, als der bislang so starke Neuzugang aus Genk nach knapp einer halben Stunde von den Ärzten und Sanitätern umringt auf dem Boden lag.Zuvor war Karetsas mit dem Ball am Fuß durch die Spielhälfte der Spanier gelaufen, spielte ab, hob die Hand und sank nieder. Offenkundig hatte er sich nicht durch eine dynamische Bewegung an irgendeinem Band oder Muskel verletzt, es war eher eine Art Zusammenbruch. „Ich war schon ein wenig …“, sagte Kovac, ein passendes Wort fiel ihm nicht ein. Also ergänzte er nur ein „Puh“, um seinen Schreck zu beschreiben.Konstantonos Karetsas muss gegen Villarreal wegen Kreislaufproblemen ausgewechselt werden.AFPAuf einer Trage wurde Karetsas vom Platz befördert und mit einem Krankenwagen in eine Notaufnahme gebracht. In der Halbzeit teilte ein Sprecher des Klubs mit, dass der Grieche unter „Kreislaufproblemen“ gelitten habe, es ihm aber „den Umständen entsprechend gut“ gehe. Mehr Informationen gab es auch nach dem Spiel erstmal nicht. Nun war klar, dass dies kein völlig unbeschwertes Fußballfest mehr werden würde. Zum einen aus Sorge, um die Gesundheit eines Menschen. Zum anderen aber auch aufgrund einer besonderen Tragik.Mit Giannis Konstantelias hatte sich ja am ersten Bundesligaspieltag schon der andere griechische Neuzugang einen Kreuzbandriss zugezogen und wird monatelang ausfallen. Wenn nun auch Karetsas länger spielunfähig ist, droht die nicht zuletzt durch die Neuzugänge entstandene Aufbruchstimmung ernsthaft Schaden zu nehmen.Allerdings spielten an diesem Abend auch andere neue Spieler wie Gadou sowie Joey Veerman brillant. Auch der ganz zum Ende der Transferphase vom FC Arsenal geliehene Ethan Nwaneri war nach seiner Einwechslung sehr engagiert und immer wieder an gefährlichen Situationen beteiligt. Noch wichtiger sind aber vielleicht der gestärkte Zusammenhalt und die verbesserte Widerstandskraft.Der Kapitän Waldemar Anton hob die in entscheidenden Momenten gewonnenen Zweikämpfe hervor, „das sind Sachen, die sehr, sehr wichtig sind im Laufe einer Saison.“ Besonders wenn es so knapp zugeht wie in der Nachspielzeit dieses ersten internationalen Spiels der neuen Saison.
Borussia Dortmund: Fragile Aufbruchstimmung nach Sieg in Champions League – Sorgen um Karetsas
Borussia Dortmund zeigt in der Champions League gegen Villareal Widerstandskraft und Zusammenhalt. Doch schon gibt es neue Sorgen: Fällt mit Konstantinos Karetsas der nächste Neuzugang aus?











