Pünktlich um zwölf Uhr öffnete sich das Tor des Schlosses, und König Harald V. trat seine letzte Reise an. Sein Sarg lag auf einer Stafette, die mit der königlichen Flagge abgedeckt ist. Auf ihr war das norwegische Staatswappen zu sehen, das einen goldenen Löwen mit einer Krone und einer silbernen Axt in den Pfoten zeigt. Dem Sarg folgten Haakon, seit zwölf Tagen Norwegens König, neben ihm seine Tochter, die neue Kronprinzessin Ingrid Alexandra, seine Schwester Märtha Louise und sein Sohn Prinz Sverre Magnus.Königin Mette-Marit fuhr mit ihrer Schwiegermutter, Haralds Witwe Sonja, im Auto hinterher. Der etwa 1,2 Kilometer lange Weg vom Königlichen Schloss zum Osloer Dom wäre zu viel für sie nach ihrer Lungentransplantation gewesen. Genau 60 Schritte pro Minute waren für den gut halbstündigen Marsch vorgesehen, dazu ertönte anfangs königlicher Salut, 21 Schüsse im Abstand von 30 Sekunden. In der Ferne läuteten die Glocken der Kathedrale.Den Weg säumten Tausende Norweger, die schon seit dem frühen Morgen darauf warteten, Abschied von ihrem alten König zu nehmen. Allein am Dienstag, dem letzten Tag, an dem der Sarg mit Harald V. in der Palastkapelle aufgebahrt war, waren noch einmal 46.000 Norweger gekommen, um ihrem Monarchen Lebewohl zu sagen.15 Bilder Haralds Abschied in BildernTränen für den KönigDer Sarg wurde begleitet von sechs Adjutanten, jeweils drei vom alten und vom neuen König. Es sind Berufssoldaten, die sich im Alltagsgeschäft rund um die Uhr um den Monarchen kümmern. Die Sicherheitsvorkehrungen waren groß, Polizei und Militär waren im Einsatz. Es heißt, die Hälfte aller bewaffneten Polizisten Norwegens wurde für diesen Tag in der Hauptstadt zusammengezogen. Die Osloer Innenstadt war seit sechs Uhr am Morgen gesperrt, der Flugraum auch.Auch Wolodymyr Selenskyj ist angereistSo einen Sicherheitsaufwand hat das Land noch nicht erlebt, ein Grund sind die Staatsgäste aus aller Welt, die angereist sind, unter ihnen vor allem auch der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj und seine Frau Olena. Die Ukraine hat Norwegen viel zu verdanken, gemessen an seiner Größe ist Norwegen der größte Unterstützer der Ukraine. Harald und Selenskyj schätzten sich sehr.Im Trauerzug: Norwegens Prinz Sverre Magnus, König Haakon VIII., Kronprinzessin Ingrid Alexandra und Prinzessin Märtha LouiseEPADem Sarg folgten zu Fuß Familienmitglieder aus allen sieben europäischen Königshäusern, außerdem aus dem Großherzogtum Luxemburg sowie aus den beiden Fürstentümern Liechtenstein und Monaco. Ebenfalls mit dabei waren Vertreter aus den erloschenen Königshäusern Griechenland und Serbien, das jordanische Königspaar, das japanische Kronprinzenpaar sowie für Saudi-Arabien Prinz Turki bin Muhammad bin Fahd Al Saud, ein Urenkel des Staatsgründers König Ibn Saud.Auch Frank-Walter Steinmeier war unter den TrauergästenFür Deutschland nahm Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier teil, er folgte an der Seite von Selenskyj der langen Prozession der Gäste zur Kathedrale. Eingeladen wurde auch der amerikanische Präsident Donald Trump, aber nicht einmal sein Vizepräsident J. D. Vance ist gekommen. Die Vereinigten Staaten ließen sich durch eine Unterstaatssekretärin aus dem amerikanischen Außenministerium vertreten.Alle Staaten mit diplomatischer Vertretung in Oslo sowie die Mitgliedstaaten von NATO, EWR und EU, die keine Vertretung in Norwegen unterhalten, hatten Einladungen zur Beisetzung von König Harald bekommen. Unerwünscht waren auf höchster Ebene nur Wladimir Putin aus Russland und Vertreter aus Myanmar, Sudan und Afghanistan.Wollen Abschied nehmen: Zahlreiche Norweger haben sich entlang der Strecke versammelt.ReutersNatürlich nahmen auch der norwegische Premierminister Jonas Gahr Støre, der sich kurz zuvor noch mit Selenskyj getroffen hatte, und seine gesamte Regierung an der Trauerfeier teil – sowohl in der Kathedrale als auch während des Trauerzugs.Auch Høiby sitzt in der KircheDen Gottesdienst leitete der Vorsitzende Bischof der norwegischen Kirche, Olav Fykse Tveit, die Osloer Bischöfin Sunniva Gylver zelebrierte mit ihm die Messe. Die Zeremonie folgte der traditionellen Bestattungsliturgie der Kirche Norwegens, im Mittelpunkt stand das Gedenken an den Verstorbenen. Gleich zu Anfang ertönten drei Glockenschläge, die den Dreiklang von Leben, Tod und Auferstehung symbolisierten. Danach folgte eine einminütige Schweigeminute im ganzen Land.Im Dom: Königin Sonja, König Haakon VIII., seine Frau Mette-Marit und Kronprinzessin Ingrid AlexandraAFPIn der Kirche saß auch Marius Borg Høiby, der Stiefsohn des Königs, in der zweiten Reihe hinter seiner Mutter Mette-Marit und seinen Stiefgeschwistern. Der unter anderem wegen Vergewaltigung verurteilte älteste Sohn der Königin durfte an der Beisetzung mit elektronischer Fußfessel teilnehmen, dem Trauerzug hingegen durfte er nicht folgen.Rechts vom Sarg saß die norwegische Königsfamilie. Gegenüber, auf der anderen Seite, das schwedische Königspaar, Carl XVI. Gustaf und Sylvia, das dänische, Frederik X. und Mary, sowie das jordanische, Abdullah II. und Rania. Dahinter weitere Könige und Königinnen, Fürsten, Prinzen und Prinzessinnen.Auch Sportler waren unter den GästenZwar waren die Sitzplätze im Osloer Dom begrenzt, dennoch werden auch Vertreter der rund 30 Organisationen erwartet, deren Schirmherr Harald V. war, etwa vom World Wide Fund for Nature (WWF), dem norwegischen Naturschutzverband, dem Jäger- und Anglerverband und der Norwegischen Krebsgesellschaft.Da Harald V. sehr sportlich war und selbst als Segler an Olympischen Spielen teilgenommen hat, waren auch herausragende Sportler bei der Trauerfeier: etwa Skilangläuferin Therese Johaug, der Biathlet Ole Einar Bjørndalen und der norwegische Fußballtrainer und ehemaliger Fußballspieler Ståle Solbakken.In einem besonders bewegenden Moment der Feier stand Haralds Witwe, Königin Sonja, auf, nahm eine einzelne rote Rose in die Hand, verneigte sich tief vor dem Sarg und legte die Blume oben auf den Sarg. Dann setzte sie sich wieder neben ihren Sohn Haakon, der mit den Tränen kämpfte. Anschließend wurde ein Bibeltext in nordsamischer Sprache vorgetragen, um die Verbundenheit des Königs mit dem samischen Volk zu würdigen.Spricht ein Gebet: Kronprinzessin Victoria von Schweden, das Patenkind von Harald V.AFPIn seiner Predigt ging Olav Fykse Tveit auf die Liebe ein, besonders auf die Liebe zwischen Harald und Sonja, die lange nicht heiraten durften, weil sie eine Bürgerliche war. Neun Jahre musste der damalige Kronprinz um seine Liebe kämpfen, die am Ende siegte, und aus der ein gutes Leben wurde. Doch er sprach auch über die Liebe, auf der Norwegen nach dem Krieg aufgebaut wurde, und die am Ende immer siege. Nach dem Bischof sprach Kronprinzessin Victoria von Schweden, das Patenkind von Harald V., ein Gebet, das vom Heiligen Franziskus stammen soll.Zum Ende ertönte die norwegische Königshymne, das Königslied (Kongesangen). Sie nutzte dieselbe Melodie wie die britische Hymne „God Save The King“. Der Text der heutigen Version stammt von Gustav Jensen aus dem Jahr 1906, geschaffen für die Krönung von Haralds Großvater, König Haakon VII. Sie wird nur bei offiziellen Anlässen der Königsfamilie gespielt. In ihr wird Gott darum gebeten, dem König Kraft, Weisheit und ein langes Leben zu schenken, um das Volk gerecht und gut zu regieren. Zudem wird die Treue und der Zusammenhalt zwischen dem norwegischen Volk und seinem König betont.Harald wird wie seine Eltern auf der Festung Akershus beigesetztNach dem Gottesdienst wird Harald auf der Festung Akershus beigesetzt, so wie schon sein Vater Olav V. und seine Mutter, Kronprinzessin Märtha. Auf dem etwa 850 Meter langen Weg begleiteten Haakon VIII. die beiden Könige aus dem Norden, Carl XVI. Gustaf und Frederik X. Zu ihnen hatte schon Harald V. das engste verwandtschaftliche und auch freundschaftliche Verhältnis.Die offizielle Staatstrauer und die Hoftrauer nach dem Tod des Königs endet mit dem Tag seiner Beisetzung an diesem Mittwoch, im Königshaus aber gilt die einmonatige stille Trauerzeit weiter bis zum 9. Oktober. König Haakon VIII. und die königliche Familie werden bis dahin keine offiziellen Termine wahrnehmen, ausgenommen sind verfassungsnotwendige Aufgaben wie Treffen des Staatsrats oder ausgewählte Audienzen.Harald V. war am 28. August nach wiederholten gesundheitlichen Problemen im Alter von 89 Jahren gestorben. Er war 1991 König geworden und in seinen letzten Lebensjahren der am längsten regierende Monarch Europas. Mit seinem Tod wurde sein 53 Jahre alter Sohn Haakon direkt neuer norwegischer König.
So läuft die Beerdigung von Harald V. ab
An diesem Mittwoch wird in Oslo König Harald V. beigesetzt. An dem Trauerzug nehmen auch zahlreiche Staatsoberhäupter und Regierungschefs teil, darunter Prinz William, Frank-Walter Steinmeier und Wolodymyr Selenskyj.













