PfadnavigationHomeICONISTTrendsE-Bike InnovationIst das noch ein Fahrrad?Von Uwe PützStand: 08:01 UhrLesedauer: 5 MinutenDrei-Rad-Hybrid zwischen Rad und Kleinwagen: der Hopper. Arg sperrig für den Radweg allerdingsQuelle: Bild: Hopper Mobility GmbHEin überdachtes E-Bike für 12.000 Euro: Das Start-up Hopper will damit die Lücke zwischen Auto und Fahrrad schließen. Ein Hingucker ist das Gefährt. Aber was taugt es in der Praxis in der Stadt? Die Testfahrt erstaunt.GoogleKlicken Sie hier, um sich Artikel von WELT in der Google-Suche bevorzugt anzeigen zu lassen.Jetzt aktivierenDer Mann, der gerade in seinen Porsche steigen will, dreht sich für einen Moment ungläubig um. Da stehen Passanten, die mit ihren Smartphones Fotos machen, aber nicht von seinem blitzblanken GT3 – ihr Interesse gilt einem zwei Meter kurzen Gefährt, dem man auf den ersten Blick nicht ansieht, was es ist. Wie gut, dass ein Schriftzug auf dem Chassis für Klarheit sorgt: „Ich bin ein Fahrrad“. Echt? „Fährt das mit Strom?“, möchte jemand wissen, als ich unter staunenden Blicken in die Kabine einsteige. „Ja, das ist ein E-Bike“.Zugegeben, das erschließt sich nicht sofort. Denn das mobile Etwas, das auf einer belebten Straße im Hamburger Stadtteil Ottensen zum Objekt der Neugierde avanciert, sieht so gar nicht danach aus. Das beginnt schon bei der Silhouette. Eine grün lackierte Glasfaserhülle wölbt sich wie ein Dach über den aufrechten Fahrersitz bis zur Scheibe, die vor Wind und Regen schützen soll. Darunter platziert ist keine Lenkerstange, sondern ein Lenkrad. Und ganz auto-like lässt sich das per Zündschlüssel freischalten, danach einmal kurz den Blinker am Display setzen, in die Pedale treten – und los geht die wilde Fahrt auf drei Rädern.Während ich mich darauf konzentriere, auf dem Radweg die Spur zu halten, ohne Fußgänger zu rasieren, bemerke ich viele anerkennende Gesten. Daumen hoch! Zuzwinkern! Okay, ich bin zwar unterwegs in einem Hamburger Stadtteil mit mehr als 30 Prozent Grünen-Wählern und noch mehr Radfahrern, aber wissen die schon, was ich noch nicht weiß: Dass dieses Kabuff-Bike die neueste Antwort auf den überlasteten Verkehrsraum ist? Das jedenfalls verheißt das Start-up Hopper Mobility in Hamburg, wo ich das Modell ausgeliehen habe. Angesichts der Dichte auf den Straßen biete dieses überdachte E-Bike eine Alternative zum Auto, weil es Komfort mit der Flexibilität des Radfahrens verbinde.Einiges wirkt auf den ersten Blick überzeugend am Hopper, abgesehen vom Preis – rund 12.000 Euro. Dafür liegt man als Besitzer ganz vorn im Rennen um innovative Mobilität. Kann auf dem hinteren Sitz noch eine Person mitnehmen, braucht keine Regenkleidung, besiegt mit einem Gebläse auch beschlagene Scheiben und benötigt keinen Führerschein. Mit seinem Elektroantrieb von Heinzmann gilt das Produkt als Pedelec, das für den Betrieb auf Radwegen zugelassen ist. Und trotz seines Leergewichts von 140 Kilogramm schafft es eine Reichweite von 60 Kilometern.Wo liegt also das Problem?Die Idee sei den Gründern auf einer Rikscha-Fahrt in Indien gekommen, heißt es, und tatsächlich ist der Vergleich nicht weit hergeholt. Der Hopper will zwar Auto sein, wird unterwegs aber immer wieder vom Postkutschenzeitalter eingeholt. Das liegt vor allem am Antrieb an dem zehn Zoll kleinen Hinterrad. Nach dem Prinzip Gabelstapler lässt sich das Gefährt damit in einem Radius von zwei Metern drehen, doch ein kleiner Wendekreis ist nicht alles, wenn man hauptsächlich geradeaus fahren will. Sobald ich auf einem herkömmlichen Radweg eine Kurve nehme, beginnt das Gefährt leicht zu kippeln. Und wenn der Radweg viele Unebenheiten aufweist, schüttelt mich das Rad ordentlich durch.Es ist auch nicht so, dass mich die Zweirad-Gemeinde im Alltagsbetrieb mit High-Five aufnimmt, besonders dann nicht, wenn sie sich von hinten nähert. Mit gut einem Meter macht sich der Hopper sehr breit auf den Radwegen. Schnell spüre ich, dass ein paar Radfahrer hinter mir rasch die Hasskappe aufhaben. Klingeln ist noch die freundlichste Art, die Überholabsicht kundzutun. Die unfreundlichere lautet: „Alter, mach mal Platz!“ Nur wie? Sobald ich den Radweg verlasse, springen Fußgänger angstvoll zur Seite – nur unter den Zweiradfahrern darf ich hoffen, nicht als SUV-Protz stigmatisiert zu werden.Lesen Sie auchDabei hat sich das Gerangel schon lange vorher angekündigt. Seit Ausbreitung der E-Bikes bahnen sich immer mehr Lastenräder ihren Weg durch die Großstädte. Naheliegend, dass auch der Hopper über einen abschließbaren Kofferraum (125 Liter Stauraum) verfügt. Ein zweites Modell ist als reines Cargo-Bike (280 Liter) konzipiert. Denn die Zielgruppe bilden neben potenziellen Auto-Umsteigern auch kleine Handwerksbetriebe und Lieferdienste.150 Einheiten will das Hamburger Unternehmen dieses Jahr bauen, auch andere Hersteller wie Two Zero und Quadvelo stehen in den Startlöchern. Die statten ihre überdachten E-Bikes aber mit vier statt drei Rädern aus. Für Dennis Knese belegt die neue Gattung eine unaufhaltsame Entwicklung. „Um Autofahrer für Verkehrsmittel zu gewinnen, die weniger umweltbelastend sind und weniger Raum benötigen als das Auto, brauchen sie Komfort, Sicherheit und auch Witterungsschutz – genau das liefert dieses Konzept“, sagt der Professor für Radverkehr an der Frankfurt University of Applied Sciences.Bis zur größeren Akzeptanz sehe er allerdings noch ein wesentliches Hindernis. „Unsere Infrastruktur ist noch immer zu sehr an schmalen, leichten Rädern ausgerichtet. Wenn wir wollen, dass Innovationen wie der Hopper die ‚Verkehrswende‘ tatsächlich voranbringen, muss die Politik in breitere und sicherere Radspuren investieren. Sonst bleibt das Potenzial auf der Strecke.“Dabei wurden in den letzten Jahren vor allem in den Städten zahlreiche neue Radwege und -streifen angelegt. Die Frage ist, ob Konzepte wie der Hopper tatsächlich das Zeug dazu haben, mehr als eine Mini-Nische zu besetzen. Für Kleinbetriebe und Lieferdienste mag die Cargo-Version eine attraktive Alternative sein, um ihr Gut wettergeschützt zu transportieren. Mit gedrosseltem Tempo und am besten auf ebener Bahn. Auch Pendler, die das Gefährt sicher im Carport parken können, mögen Gefallen daran finden.Als Stadtradler schwanke ich zwischen Spaß und Schrecken. Spaß, wenn der kräftige 250-Watt-Motor mich auf 25 Kilometer pro Stunde beschleunigt und ich auf breiten Streifen an Autokolonnen vorbeibrause. Schrecken, wenn die Radwegschwellen ein einseitiges Gefälle aufweisen und ich nicht sicher sein kann, ob die Rikscha 2.0 umkippt. Gegen Ende des Tests suche ich nach einem Parkplatz. Nur wo? Zwischen den Fahrradständern komme ich nicht durch. Aber auf der Straße erspähe ich eine kleine Lücke. „Was ist das?“, möchte ein Passant wissen. Ich ziehe den Zündschlüssel ab und steige vom Fahrersitz. Ich kann es nicht sagen.