Es ist eine Zahl, die aufhorchen lässt. Laut einer Forsa-Umfrage für die Ostsee-Zeitung, erhoben Ende August, betrachten 62 Prozent der Wahlberechtigten in Mecklenburg-Vorpommern Russland als geringe oder gar keine militärische Gefahr. Bundesweit sehen das nur 39 Prozent so. Selbst im ostdeutschen Vergleich, wo 47 Prozent ähnlich antworten, sticht das Land noch einmal deutlich heraus.
Wer jetzt aber reflexartig von „Putin-Verstehern“ spricht oder wie Professor Stefan Creuzberger von der Uni Rostock von „erschreckend, wie sehr sich große Teile der Öffentlichkeit in MV der Realität versperren“, denkt zu kurz. Und wer die Zahl einfach wegwischt, auch. Denn hinter den 62 Prozent steckt mehr als eine Meinung.
Abgefragt wurde auch keine Sympathie für Putin und keine Zustimmung zum Angriffskrieg gegen die Ukraine. Gefragt wurde nach der Einschätzung einer direkten militärischen Bedrohung durch Russland.
Ein Muster mit langer Geschichte
Der Ost-West-Unterschied in der Russlandwahrnehmung ist kein Phänomen erst des Ukraine-Krieges. Er existiert seit Jahren, wurde wissenschaftlich dokumentiert und hat tiefe Wurzeln. Das Zentrum für Osteuropa- und internationale Studien (ZOiS) stellte bereits 2020 fest, dass Menschen in Ostdeutschland Putin seltener mit „Bedrohung“ und häufiger mit einem „effektiven Präsidenten“ verbinden. Die Einstellung ist also nicht allein ein Erbe der DDR-Biografie, sondern wird auch durch das soziale Umfeld geprägt.






