Fragen wird man ja mal dürfen – und siehe da: kein Problem. Der Kritiker bekommt nicht nur den derzeitigen Stand des Regiebuchs mit Textfassung, Licht- und Musikeinsätzen sowie Regieanweisungen zugeschickt, sondern ich darf sogar eine Probe besuchen. Frank Castorf adaptiert Klaus Manns Theaterroman „Mephisto“ für das Berliner Ensemble; der Regisseur und einstige Volksbühnenintendant hat mit dem Spielzeitbeginn die Proben wieder aufgenommen. Premiere ist in zehn Tagen.Meine Neugier weckt die Inszenierung schon allein dadurch, dass Jens Harzer die Titelrolle spielt: den Theaterkünstler Hendrik Höfgens, der eine Entwicklung vom linken, gesellschaftskritischen Schauspieler und Regisseur der Weimarer Republik zum Staatstheaterintendanten unter den Nazis durchmacht, ein sich immer weiter aushöhlender Opportunist, der nur spielen will und Applaus braucht und darüber seine Ideale, Kollegen und Freunde verrät.

Nachempfunden und mit kaum nachprüfbaren und sehr delikaten Details ausgemalt ist diese Figur dem Theaterstar Gustaf Gründgens, der ein Freund und Schwager des Autors war. Der Stoff hat gerade Konjunktur. Es gab tolle gegenwartskritische Inszenierungen unter anderem von Sascha Hawemann in Potsdam mit Guido Lambrecht (amtierender „Schauspieler des Jahres“) als Klaus Mann oder von Jette Steckel mit Thomas Schmauser (Eysoldt-Ring- und Faust-Preis-Träger) in der Titelrolle.