Vincent Wagner wird schmerzlich fehlen am kommenden Bundesligawochenende. Der nicht nur als Fachmann, sondern auch als Persönlichkeit sehr interessante Trainer der SV Elversberg wäre eine brillante Besetzung im Set der Hauptfiguren für das Duell des Erfolgsaufsteigers aus dem Saarland mit dem FC Bayern am Sonntag (17.30 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zur Fußball-Bundesliga und bei DAZN). Ein neues Gesicht, sympathisch und dann auch noch ein Opfer der immerwährenden Fußballungerechtigkeit. So fühlt es sich jedenfalls an.Leute wie die TV-Experten Lothar Matthäus oder Patrick Helmes hatten sich dafür starkgemacht, die Sperre zu annullieren, die sich aus der Gelb-Roten Karte für Wagner vom vorigen Wochenende ergibt. Bayern Münchens Vorstandsvorsitzender Jan-Christian Dreesen hatte ebenfalls dafür plädiert, Wagner freizusprechen („Wenn das alle so sehen …“).Wahrscheinlich hätte sogar Donald Trump zum Hörer gegriffen, hätte ihm jemand erzählt, welche Ungerechtigkeit sich dort in Elversberg, etwa 80 Kilometer westlich des Geburtsortes seines Großvaters Friedrich, ereignet hat.Die Folgen des Falls BalogunGelb-Rot für den Elversberger war nicht zwingend erforderlich; die Schiedsrichter hatten durch eine falsche Einwurf-Entscheidung ein Tor der Mönchengladbacher begünstigt. Es gab Redebedarf.In einer idealen Welt hätte Schiedsrichter Martin Petersen seinen Ermessensspielraum geltend gemacht und keine zweite Gelbe Karte gezeigt, als der für seinen ersten Impuls völlig zu Recht verwarnte Wagner nach dem Pausenpfiff auf den Platz lief und ein klärendes Gespräch suchte.Allerdings war die Entscheidung vollständig vom Regelwerk abgedeckt. Und dennoch setzte sie ein Gift der Fußballgegenwart frei: die Idee, vertretbare Entscheidungen zu revidieren, die sich aber, einem diffusen Gerechtigkeitsempfinden folgend, ungut anfühlen. Es ist irritierend, dass auch einer wie Dreesen, der als Präsidiumsmitglied der Bundesliga einen Teil der Gesamtverantwortung trägt, so denkt. Denn die Idee, aufgrund von Empfindungen und Mehrheitsmeinungen regelkonforme Prozesse verändern zu wollen, ist gefährlich.Der VAR hat nach zehn Jahren auf Irrwegen ja gerade angefangen, diese schwierige Ära zu beenden, in der reihenweise zwar richtige, aber eben nicht ganz ideale Entscheidungen optimiert wurden. In den ersten Wochen der Saison ist dieser gute Ansatz schon erkennbar, man kann nur hoffen, dass die Unparteiischen stabil bleiben. Nun jedoch scheint es die Idee zu geben, den Mechanismus des Optimierens nicht mehr im Kölner Keller anzuwenden, sondern vor den Sportgerichten.Es ist gut, dass dort Klarheit herrscht. Noch besser wäre aber, wenn man auch in den TV-Studios und beim FC Bayern bei dem schwierigen Unterfangen mitwirken würde, den düsteren Geist der Trump-WM wieder zurück in die Flasche zu zwingen.
Fußball-Kommentar: Sperre für Vincent Wagner nicht zurückgenommen
Die Sperre für Elversberg-Trainer Wagner wird nicht zurückgenommen. Die Entscheidung ist richtig, auch wenn das Urteil hart war. Der düstere Geist der Trump-WM muss zurück in die Flasche.










