Deepdrive: Neuer Motor fürs Elektroauto.Stefan Ender (links) und Felix PörnbacherThomas DashuberDer Elektromotor ist nun wirklich keine neue Erfindung. Es gibt ihn seit mehr als zwei Jahrhunderten, 1821 wurde das Grundprinzip vom britischen Physiker Michael Faraday ersonnen. Zum industriellen Massenprodukt hat den E-Motor einige Jahrzehnte später unter anderem Werner von Siemens verfeinert und weiterentwickelt. Der Elektroantrieb ist damit älter als die heute gängigen Verbrennungsmotoren nach dem Otto- und Dieselprinzip. Und dennoch sieht ein junges Unternehmen aus München noch viel Luft nach oben: Das 2021 gegründete Start-up Deepdrive hat einen sogenannten Doppelrotor-Radialfluss-Motor entwickelt und das Prinzip patentieren lassen. Vereinfacht ausgedrückt bestehen Elektromotoren aus einem festen Stator, der ein elektrisches Magnetfeld erzeugt, und einem beweglichen Rotor, der vom Magnetfeld in Drehung versetzt wird. Der von Deepdrive entwickelte Elektroantrieb verfügt dagegen über zwei Rotoren, er ist also quasi zwei Motoren in einem. Die Technologie habe mehrere Vorteile gegenüber konventionellen Elektromotoren, verspricht das Unternehmen. Der neuartige Motor soll bis zu 30 Prozent weniger Energie verbrauchen und mehr Drehmoment liefern, also kraftvoller sein. Zugleich ist er laut Deepdrive leiser und in der Fertigung kostengünstiger als andere Elektroantriebe. Gedacht ist der Motor sowohl für vollelektrische E-Autos als auch für Hybridautos, wo er als Stromgenerator eingesetzt werden kann. An der Spitze von Deepdrive stehen der frühere Rothschild-Investmentbanker Felix Pörnbacher und der Ingenieur Stefan Ender, der zuvor für Bosch gearbeitet hat. Als Investoren sind unter anderem BMW und Volkswagen an Bord.Vivalyx: Lösung für OrganspendenBenedict Doorschodt (links) und Andreas SchumacherVivalyxAllein in Deutschland warten zurzeit mehr als 8000 Menschen auf eine Organspende. Die Frage, wie sich die Zahl der verfügbaren Spenderorgane erhöhen lässt, ist ethisch und politisch umstritten. Das Unternehmen Vivalyx aus Aachen arbeitet an einer medizintechnischen Neuerung, die abseits dieses Konfliktfelds einen großen Fortschritt bringen könnte. Es geht um die Flüssigkeit, in der gespendete Organe aufbewahrt werden, bis sie eingepflanzt werden. Die beiden Gründer von Vivalyx, der Mediziner Benedict Doorschodt und der Betriebswirt Andreas Schumacher, haben dafür eine synthetische Mischung entwickelt, die eine längere Zeitspanne zwischen Entnahme und Transplantation erlauben und die Funktionstüchtigkeit der Organe besser bewahren soll als die bisher üblichen Konservierungsmethoden. Um 50 Prozent oder mehr könnte die Zahl der verfügbaren Spenderorgane dadurch nach ihrer Berechnung steigen. Zurzeit wird das Vivalyx-Produkt an der Uniklinik in Rotterdam getestet. Die Zwischenergebnisse sind ermutigend, die Europäische Arzneimittelbehörde hat schon einen „Breakthrough Status“ erteilt. „Wir rechnen mit einer europaweiten Zulassung für Nierentransplantationen noch in diesem Jahr“, sagt Andreas Schumacher. Dann dürfte die kommerzielle Nutzung 2027 richtig in Schwung kommen, ein Produkt für Lebertransplantationen soll folgen. Das wäre eine gute Nachricht für die Geldgeber von Vivalyx, zu denen der frühere Novartis- und Pro-Sieben-Manager Thomas Ebeling sowie der für Eintracht Frankfurt spielende Fußballprofi Mario Götze zählen. Aber vor allem für viele Patienten auf der Organ-Warteliste.Mtex Antenna: Teleskope für NobelpreisträgerLutz StenversLucas BäumlMan kennt sie aus Science-Fiction-Filmen: riesige Antennen, die an Satellitenschüsseln erinnern. Sie stehen an entlegenen Orten, in der Wüste oder auf Berggipfeln, und empfangen Signale aus den Tiefen des Weltalls. Was weniger bekannt sein dürfte, ist, dass solche Antennen in Deutschland hergestellt werden. In Wiesbaden sitzt das Unternehmen Mtex Antenna, gegründet 2019 von Lutz Stenvers und seinem verstorbenen Vater Karl-Heinz. Beide hatten bereits jahrzehntelange Erfahrung im Antennengeschäft, das früher in Konzernen wie Krupp und MAN anzutreffen war. Heute baut Stenvers die Antennen auf eigene Faust. „Wir schauen mit unseren Antennen bis ans Ende des Universums“, sagt er. Gewachsen ist Mtex vor allem dank guter Geschäfte in den USA, wo es dem Gründer zufolge einfacher ist, als Start-up an Staatsaufträge zu kommen. Für das California Institute of Technology soll Mtex in den nächsten zwei Jahren mehr als 1600 Antennen zu Forschungszwecken in der Wüste von Nevada bauen, mitfinanziert von Ex-Google-Chef Eric Schmidt. Neben der Wissenschaft – auf solchen Teleskopen werden Nobelpreise verdient – wird auch der private Markt wichtiger. Hinzu kommt die militärische Nutzung. Großaufträge wie der von Caltech bewegen das Antennengeschäft von der Manufaktur zur Massenfertigung. Die Produktion sei locker um 50 Prozent günstiger als in den USA, schätzt Stenvers, trotz Fertigung in Deutschland. Die Produktion soll bald auf monatlich 100 Schüsseln mit fünf Meter Durchmesser steigen. Trotz der Größe der Schüsseln ist das höchste Präzisionsarbeit. Für die Antennen baut Mtex Spiegelpaneele, etwa so groß wie ein Doppelbett, mit der Präzision von einem Fünftel des Durchmessers eines menschlichen Haares. Für die Herstellung vieler Teile setzt Mtex auf mittelständische Partner. Erst vor Ort werden die Antennen zusammengesetzt, „wie ein Legobaukasten“, sagt Stenvers. Das Unternehmen ist mit seinen 31 Mitarbeitern vergleichsweise klein, der Mehrwert steckt nicht zuletzt in der eigenen Software.
Start-ups aus Deutschland: Diese Unternehmer können die Welt verändern
Neue Ideen für Deutschland: Wer bekommt den Gründerpreis? Es geht um Elektromotoren aus München, Babytragen aus Berlin – und Antennen aus Wiesbaden.






