In Mecklenburg-Vorpommern gehen die Wahlkämpfer davon aus, dass das Ergebnis von Sachsen-Anhalt große Auswirkungen haben dürfte auf die eigene Landtagswahl am 20. September. Erwartet wird, dass die Ränder noch stärker werden und dass vor allem die CDU darunter leiden dürfte.„Ich oder die AfD“, diesem Motto folgend führt Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) derzeit Wahlkampf. Nach der Wahl in Sachsen-Anhalt sagte sie, in Mecklenburg-Vorpommern müsse verhindert werden, dass die AfD stärkste Kraft werde. Dafür gelte es mit beiden Stimmen SPD zu wählen. Am Montagnachmittag stellte Schwesig in Schwerin Plakate für den Schlussspurt im Wahlkampf vor. Darauf riesengroß: sie selbst. Zusammen mit dem Spruch: „Die Frau gegen Blau“.Der Kurs scheint sich auszuzahlen. Die SPD schaffte es in der jüngsten Umfrage auf 32 Prozent. Noch vor einem Jahr hatte sie bei 19 Prozent gelegen, fast 20 Prozentpunkte hinter der AfD. Zum Aufwind tragen wohl auch Schwesigs Absetzungsbewegungen zur Bundesregierung und zu ihrer eigenen Parteiführung etwa beim Thema Rente bei. Zudem ist die Ministerpräsidentin weiterhin sehr beliebt. 57 Prozent der Befragten gaben zuletzt an, sehr zufrieden mit ihrer Arbeit zu sein. Bei einer Direktwahl würde sie demnach 60 Prozent erhalten.Greift Schwesig nach dem SPD-Parteivorsitz?Gelingt Schwesig die Wiederwahl, dürften ihr auch die Türen in Berlin beim Thema Parteivorsitz offen stehen. Schon heute wird sie regelmäßig als Nachfolgerin der angeschlagenen derzeitigen Vorsitzenden Lars Klingbeil und Bärbel Bas gehandelt. Schwesig hat dazu im Wahlkampf wiederholt Nein gesagt, ohne aber die Türen endgültig zu verschließen. Sie habe sich „für MV entschieden“ und sie habe nicht das Ziel, Parteivorsitzende zu werden, sagte Schwesig etwa kürzlich bei einem Wahlkampfauftritt in Mirow. Eine endgültige Absage an den Vorsitz war das nicht.Profitieren vom Wahlergebnis in Sachsen-Anhalt dürfte auch die AfD. So erwarten es selbst politische Gegner. Die Partei ist in den Umfragen in Mecklenburg-Vorpommern seit Langem führend, stand zuletzt bei 35 Prozent. Der AfD-Spitzenkandidat Enrico Schult sprach angesichts der Wahlergebnisse vom Sonntag von einem „Erdrutschsieg“, der den Wahlkampf beflügeln werde. Der AfD-„Ministerpräsidentenkandidat“ in Mecklenburg-Vorpommern, Leif-Erik Holm, sagte, das Ergebnis gebe „enormen Rückenwind“.Einen gewissen Aufschwung könnte es auch für die Grünen geben, die im Nordosten in Umfragen derzeit bei rund fünf Prozent stehen. In Sachsen-Anhalt schnitten die Grünen am Sonntag so gut wie noch nie ab. Die Partei ist inhaltlich maximal weit von der AfD entfernt. Das könnte auch in Mecklenburg-Vorpommern helfen, obwohl die Grünen dort zuletzt vor allem mit internen Streitigkeiten und Belästigungsvorwürfen auf sich aufmerksam machten.Natürlich gebe das Ergebnis aus Sachsen-Anhalt Rückenwind, sagte die Spitzenkandidatin der Grünen in Mecklenburg-Vorpommern, Claudia Müller, der F.A.Z. Doch sei die Gesamtgemengelage schockierend. Die Rolle der Grünen sei es nun, eine stabile Mehrheit gegen die AfD zu ermöglichen und zu verhindern, dass das Land unregierbar werde.Für die CDU zeigt der Trend immer weiter nach untenAngenommen wird in Schwerin auch, dass das BSW Auftrieb erhalten könnte. Die Partei stand zuletzt in den Umfragen bei fünf Prozent; die Linke – die zusammen mit der SPD im Nordosten derzeit eine rot-rote Regierung bildet – erhielt um die elf Prozent.Leidtragende der Polarisierung zwischen Schwesig und der AfD dürfte nach Meinung selbst von Christdemokraten die CDU sein. Die erhielt in der jüngsten Umfrage in Mecklenburg-Vorpommern nur noch acht Prozent. Das wäre das mit Abstand schlechteste Ergebnis der CDU im Land. Da der Trend aber seit rund zwei Jahren nach unten zeigt und infolge der Wahl von Sachsen-Anhalt die Polarisierung zunehmen dürfte, könnte das Wahlergebnis sogar noch schlechter ausfallen. Wen würden Sie wählen?Am 20. September 2026 findet die Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern statt. Vergleichen Sie die Antworten der Parteien mit Ihren Standpunkten. Zum Wahl-O-Mat Zudem ist fraglich, inwiefern den Umfragen zu trauen ist. In Sachsen-Anhalt erhielt die CDU rund fünf Prozentpunkte weniger als in den jüngsten Umfragen prognostiziert. Folgt man dem, muss sich die CDU im Nordosten mittlerweile sogar Sorgen vor der Fünfprozenthürde machen.„Es sind viele Umfragen auf dem Markt“, das Ergebnis von Sachsen-Anhalt zeige, dass Umfragen keine Ergebnisse seien, sagt dazu die Generalsekretärin der CDU in Mecklenburg-Vorpommern, Katy Hoffmeister, der F.A.Z. Aus ihrer Sicht nutzt die Polarisierung der AfD. Hoffmeister befürchtet, „dass SPD und AfD die Polarisierung weiter anheizen werden“.Der CDU-Spitzenkandidat in Mecklenburg-Vorpommern, Daniel Peters, hatte nach der Wahl in Sachsen-Anhalt gesagt, das Ergebnis müsse „wachrütteln“. Wer in Mecklenburg-Vorpommern verhindern wolle, was in Sachsen-Anhalt passiert sei, wer bürgerliche Politik wolle, der müsse auch bürgerlich, sprich CDU, wählen.Fällt die CDU im Nordosten unter zehn Prozent, was das historisch schlechteste Ergebnis im Land wäre, dürften Peters’ Tage als Partei- und Fraktionsvorsitzender gezählt sein. Dabei ist der Rostocker in der Partei beliebt, macht einen engagierten Wahlkampf.Deutlich zunehmen dürfte in der Folge dann auch der Druck auf Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU), der sich weitgehend aus dem Landtagswahlkampf heraushält. Wohl auch deswegen, weil sein Erscheinen kaum wahlfördernd sein dürfte.Nur einst in Bremen 1951 holte die CDU auf Landesebene weniger als zehn Prozent, nämlich 9,0 Prozent. In Mecklenburg-Vorpommern könnte das Ergebnis den Umfragen nach noch unterboten werden.Was mögliche Bündnisse nach der Wahl angeht, würde es den jüngsten Umfragen zufolge knapp für eine rot-rot-grüne Koalition reichen. Ziehen die Grünen nicht in den Landtag ein, droht jedoch eine Blockadesituation. Denn dann müsste wohl ein Bündnis geschmiedet werden von SPD, Linken und CDU. Das aber hat Peters mit Blick auf die Linken ebenso ausgeschlossen wie eine Koalition mit der AfD.
Wahl in Mecklenburg-Vorpommern: Muss die CDU jetzt die Fünfprozenthürde fürchten?
Das Ergebnis von Sachsen-Anhalt dürfte die Polarisierung im Wahlkampf in Mecklenburg-Vorpommern verstärken. Gelingt Manuela Schwesig so die Wiederwahl?












