PfadnavigationHomeICONISTTrendsSouvenirs von Stil-Experten„Und dann decken wir uns mit Salatsoße ein!“Stand: 08.09.2026Lesedauer: 7 MinutenMatteo Thun und seine Toni in TirolQuelle: Courtesy TWas bringen sich Stil-Experten, die schon alles (gesehen) haben, aus den Ferien mit? Sieben weit gereiste Gestalter haben ihre Koffer geöffnet. Hier erzählen sie die Geschichten ihrer besonderen Fundstücke.GoogleKlicken Sie hier, um sich Artikel von WELT in der Google-Suche bevorzugt anzeigen zu lassen.Jetzt aktivierenIn einer Zeit, in der alle dieselben Orte, Objekte und Empfehlungen zu kennen scheinen, wächst die Sehnsucht nach echten Entdeckungen. Umso reizvoller ist die Frage, was Menschen mit nach Hause bringen, die sich abseits der ausgetretenen Pfade bewegen. Für sie ist die Welt ein einziger riesiger Souk: sieben stilaffine Weltenbummler über ihre schönsten Ferienfunde.Messerkunst im MatschertalVor einiger Zeit hatte ich das Vergnügen, einen Mann kennenzulernen, der Messer macht. Othmar Prenner lebt dort, wo das Handynetz immer schwächer wird, in einem Holzhaus im steilen Matschertal am Reschenpass mit einem Riesenfenster, das den Berg in die Stube holt. Man kommt nur zu Fuß hin, vorausgesetzt, man weiß, dass es ihn überhaupt gibt, sonst findet man ihn nicht. Ich hatte ihn bei einem Abendessen im Engadin kennengelernt. Dort erzählte er mir von einem Messer, das er entwickelt hat. Es hat keinen klassischen Griff, sondern orientiert sich am Prinzip des Wiegemessers, das man eher aus der Kräuter- und Gemüseküche kennt. Geführt wird es von oben, nicht von hinten. Werkzeuge faszinieren mich, sie sind vielleicht die ursprünglichste Form von Design überhaupt. Ohne ein Messer lässt sich kaum etwas zubereiten, geschweige denn essen. Ich besitze rund 50 ausgefallene Messer. Einige davon haben den Heimweg aus Restaurants versehentlich mit mir angetreten. Das von Othmar habe ich stolz erworben und im Rucksack nach Hause getragen, einen Flug wollte ich uns beiden ersparen.Matteo Thun, Architekt und Designer, plant eine Ausstellung in seiner Heimatstadt Mailand zum Thema Schneiden.Ankerbefehl auf HydraWir waren gerade mit Freunden in Griechenland segeln. Auf Hydra gibt es ein tolles Geschäft, das „Turquoise“. Es liegt in einer der kleinen Gassen hinter der Hafenpromenade. Die Betreiber, zwei fesche Männer, haben einen ausgesuchten Geschmack – es gibt Pareos wie Sand am Meer, Tuniken sowie eine üppige Auswahl an Stoffen und Über- oder Tagesdecken. Wann immer wir in der Nähe sind, gebe ich Ankerbefehl – und dann schleppe ich eine Decke mit nach Hause. In Rom, wo wir leben, werfe ich sie über Betten, Tische, Sessel, Sofas – und schon gewinnt ein Raum Fröhlichkeit und Farbe. Mein Mann Rolf schwärmt vor allem für die Schals und Tücher. In denen schwimmt er auch. Man muss nur beim Trocknen aufpassen, dass sie nicht von Bord fliegen. Nichts ist nerviger, als für einen weggeflatterten Pareo noch mal umdrehen zu müssen.Mafalda von Hessen ist Künstlerin und Kosmopolitin mit geschultem Auge.Lesen Sie auchDem Duft hinterher gereistIch liebe schöne Düfte, überhaupt das Gefühl von Reinheit. Händewaschen gehört unbedingt dazu. Mein Seifenverbrauch spricht zumindest für eine gewisse Hingabe. Man fühlt sich sofort erfrischt und wenn man anschließend die Augen schließt und in seine hohlen Hände riecht, ist es, als reiste man kurz zurück an den Ort, den man mit dem Duft einer Seife verbindet. Einmal, in einem Hotel in Hongkong, lag ein unfassbar krautig-frischer Geruch in der Luft. Betört bin ich dieser Sillage hinterhergereist. Die Marke Nonfiction – inzwischen weiß ich natürlich, wie sie heißt – gibt es in ganz Europa nicht. Immer wenn ich jetzt nach Asien fliege, bringe ich mir diese Seife mit, am liebsten in Flüssigform. Ich finde diesen Flakon so dekorativ. Und selbst Seife kann ja schmutzig werden, wenn man sie als Stück benutzt. Ich habe auch Seifen aus Marokko, Florenz und Kyoto, mein Bad gleicht einem Duftatlas. Jede erzählt von einem anderen Ort.Modedesigner William Fan verkauft in seinem Berliner Shop auch Seife.Der macht mir immer gute Laune!Mein wichtigstes Mitbringsel ist meine Tasche! Ich besitze noch eine große, schwarze Ledertasche von Louis Vuitton, 30 Jahre alt, die mich auf all meinen Reisen begleitet. Sie schleppt mein Gepäck, meine Ideen und trägt meine kostbaren Funde und Geschenke sicher nach Hause. Ich bin natürlich ein extremer Reisender, als Kreativdirektor treibt mich die Neugier. Vor allem bringe ich Eindrücke mit zurück: Farben, Stimmungen. Neulich saß ich auf dem Lido in Venedig, da gibt es ein Viertel, Malamocco, wie eine Fellini-Filmkulisse. Wenn du dort in der „Trattoria Al Ponte di Borgo“ auch noch die Scampi isst – das Erlebnis willst du für immer mit nach Hause nehmen. Alles, was ich finde, sind Gedanken, die ich bewahren und verwenden will.Ich bin kein Tourist. Ich suche die Dinge nicht, sie finden mich. In meiner Wohnung in Zürich steht ein Tisch voller Teller, mehrere Stapel, nicht nur zum Anschauen, wir essen zusammen. Manche sind hundert, zweihundert Jahre alt – aus Mexiko, Spanien, Italien, aus Sri Lanka, das früher ja zeitweise eine niederländische Kolonie war. Außerdem mag ich Fische. Gerade war ich in Genua, da schwamm mir einer in der Altstadt ins Netz. Aus Keramik. Wo genau, verrate ich nicht. Die Leute müssen schon auch ein bisschen suchen gehen. Ich lebe in meiner eigenen Welt wie in einem Skizzenbuch. Alles, was ich finde, sind Gedanken, die ich bewahren und verwenden will. Und dieser Riesenfisch, er ist fast ein Meter lang, macht mir wahnsinnig gute Laune.Beda Achermann, Kreativdirektor für Marken wie Smart und die Männer-„Vogue“, lebt in Paris und Zürich.Wie einst von Seeleuten geflochtenIch war wie jeden Sommer in Nantucket, der kleinen Schwester von Martha’s Vineyard vor Cape Cod. Einst das wichtigste Walfangzentrum der Welt, wirkt die Insel heute, als hätte jemand die Zeit im 18. Jahrhundert angehalten: graue Schindelhäuser, Kopfsteinpflaster, Feldwege und endlose Strände. Ich habe bei Freunden gewohnt, in einer ehemaligen Kerzenfabrik. Nantucket ist leiser Luxus, familiär, privat. Mein schönster Ferienfund ist ein Nantucket Lightship Basket. Ihren Namen verdanken diese kunstvoll aus Rattan und Holz geflochtenen Körbe den Feuerschiffen, auf denen Seeleute sie einst während langer Einsätze zur Beschäftigung fertigten. Perfekt für den schnellen Sprung aus dem Haus.Jennifer Roberts ist CEO der Design Miami und 90 Tage im Jahr auf Reisen.Lesen Sie auchEine Art gesünderes Ketchup!Es gibt ein Kloster in Ittingen am Bodensee, auf der Schweizer Seite, ein ehemaliges Schweigekloster. Mittlerweile ist es ein Hotel mit Gaststätte und Gutsbetrieb sowie betreutem Arbeiten und Wohnen. Wir kommen automatisch daran vorbei, wenn wir aus Davos, wo wir unsere Ferien verbringen, zurück nach Berlin fahren. Das hat inzwischen Tradition: Wir machen immer an der Kartause Ittingen Halt, um uns im dortigen Klosterladen voller Köstlichkeiten aus dem Klostergarten mit Ittinger Salatsoße einzudecken. Ich halte mich für den besten Salatsoßen-Macher der Welt, und dieses Trauben-Dressing ist das Einzige, das es mit meinen Soßen aufnehmen kann. Es basiert auf einer süßsauren Senfnote, außerdem ist Gemüsebouillon drin, Kurkuma, Eigelb, Traubenmost eben, Zwiebeln, Petersilie, Schnittlauch, Essig, Olivenöl, ein bisschen Knoblauch auch. Wann immer ich einen Salat serviere, fragt jeder: Wie hast du das gemacht? Mein Sohn kippt sie von Würstchen bis Spaghetti auf alles. Er findet, dass dann alles besser schmeckt. Eigentlich dient sie uns als eine Art gesünderes Ketchup.Alexander von Schönburg schrieb Bestseller wie „Das Lexikon der überflüssigen Dinge“ und lebt auf einem Hof bei Berlin mit eigener Salatzucht.Die verschenken wir an Menschen, die wir mögenIch gehe selten in den Ferien shoppen, zumal ich nur mit Handgepäck fliege. Die beste Form der Kaufbremse! Einer der schönsten Sommerorte für mich ist Patmos. Das Johanneskloster hoch über Chora hat sehr schöne Makramee-Armbänder, davon nehme ich fast immer ein paar mit, nicht nur für mich. Der beste Kauf dieses Sommers war allerdings ein kleiner Bohrer und Fäden in allen Farben. Mein Mann und ich sind jeden Morgen schwimmen gegangen, noch vor dem Frühstück, und natürlich mehrmals am Tag. An jedem Strand haben wir Muscheln und kleine Steine gesammelt. Die tragen wir nun als Ketten um den Hals und verschenken sie an Menschen, die wir mögen.Tina Lutz Morris wohnt in Mailand und entwirft Handtaschen mit raffiniert integriertem Kreditkartenfach.
Stil-Experten: Was Menschen mit Geschmack aus dem Urlaub mitbringen – 7 überraschende Fundstücke - WELT
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