Washington ist eine Baustelle. Donald Trumps Versuch, eine andere Republik zu bauen, spiegelt sich auch in der politischen Architektur der Hauptstadt wider. Da sind die goldenen Verzierungen im Oval Office. Da ist der „Presidential Walk of Fame“, die Kolonnaden im West Wing, in denen der Präsident etwa Plaketten angebracht hat, auf denen seine Vorgänger Barack Obama und Joe Biden verspottet werden. Und überragt wird das Weiße Haus von Kränen: Nach dem Abriss des Ostflügels entsteht nun der überdimensionierte Ballsaal in MAGA-Ästhetik. Der Supreme Court hat erst jüngst den zwischenzeitlich verhängten Baustopp aufgehoben.MAGA-Ästhetik prägt auch die offizielle Website des Weißen Hauses seit der Rückkehr Trumps ins Oval Office. Seit Kurzem gibt es hier gar eine Online-Spielhalle. Das Weiße Haus bietet in der Rubrik „Arcade“ einige Videospiele im Retrodesign an. „Penny Arcades“ waren Spielhallen, in denen seit den Siebzigerjahren neben elektromechanischen Spielautomaten wie dem Flipper auch die ersten Videospiele dargeboten wurden.In Anlehnung an diese erste Generation von Computerspielen bietet Trump den MAGA-Gamern seine Form von politischer Bildung im grob pixeligen Design. Schon früher hat der Präsident seine Bewegung mit anstößigen KI-generierten Videos bei Laune zu halten versucht. Hier kann man spielerisch die Trump-Agenda erlernen. Und sich die wichtigsten Werkzeuge für Angehörige der Bewegung aneignen: Fingerfertigkeit, Reaktionsschnelligkeit, Zynismus und Menschenverachtung.„Schutz vor heranrückenden Horden“„Build the Wall“ ist ein Spiel, bei dem es darum geht, die Grenze vor der „heranrückenden Horde“ zu schützen. Es ist eine Nachahmung von „Tetris“, einem populären Puzzlespiel. In der Imitation hat der Nutzer eine Mauer zu errichten, um irreguläre Einwanderer fernzuhalten – während gerade hinter der südlichen Landesgrenze romantisch die Sonne untergeht. „Rio Run“ wiederum ist angelehnt an das Handyspiel „Snake“, wobei man in der trumpschen Adaption statt Futterobjekten als ICE-Grenzpolizist Migranten einsammelt, die dann abgeschoben werden.Es gibt auch harmlosere Spiele. „Supply Line“ etwa, bei dem es darum geht, ein gesundes „School Lunch“ in der Schulkantine zusammenzustellen. Hier werden die „MAHA“-Gamer um Robert F. Kennedy Jr. angesprochen: „Make America healthy again“. Oder „Flappy Bill“ – in Anlehnung an „Flappy Bird“. Der Nutzer muss hier einen Weißkopfseeadler, das Wappentier der Vereinigten Staaten, durch die National Mall der Hauptstadt steuern. Weitere Spiele sollen hinzukommen. Die Ankündigung steht unter „coming soon“ schon auf der Website.Das Unternehmen hinter dem Videospielklassiker Tetris sah sich inzwischen veranlasst, sich von Trumps Mauer-Spiel zu distanzieren. „Die Tetris Company war nicht an der Entwicklung von ‚Build the Wall‘ beteiligt“, teilte das Unternehmen mit. Man habe „weder die Nutzung der Marke Tetris noch des geistigen Eigentums für das Spiel genehmigt oder lizenziert“, hieß es in der Stellungnahme. Die Angelegenheit werde derzeit geprüft. Das Weiße Haus teilte mit, die amerikanische Regierung sei sehr auf Innovationen fokussiert und darauf, „die Geschichte der zahlreichen Erfolge des Präsidenten auf eine Weise zu erzählen, die bei jedem amerikanischen Bürger Anklang findet“. Am Dienstagmorgen ließ sich „Build the Wall“ in der Online-Spielhalle nicht aufrufen. Eine Erklärung gab es dafür nicht.Wer sich fragt, wie das weitergehen wird, der sei auf den amerikanischen Wahlkalender verwiesen. Am 20. Januar 2029 endet die Amtszeit Trumps. Um 12 Uhr mittags muss er das Weiße Haus verlassen haben. Seine Website wird dann ausgeknipst, das heißt, sie wird archiviert. Sein Nachfolger lässt zum gleichen Zeitpunkt seine Website freischalten.