PfadnavigationHomePolitikDeutschlandHessens Ministerpräsident„Das große Wasser nimmt das kleine Wasser mit“, sagt Rhein zum CDU-Debakel von Sachsen-AnhaltStand: 08.09.2026Lesedauer: 6 MinutenNach dem Wahldebakel der CDU in Sachsen-Anhalt spricht Hessens Ministerpräsident Boris Rhein (CDU) im Gesprächt mit PREMIUM-Gruppe-Chefredakteur Helge Fuhst über Ursachen, Konsequenzen und die Bedeutung von Geschlossenheit und klarer Politik.Nach dem CDU-Wahldebakel in Sachsen-Anhalt warnt Hessens Ministerpräsident Rhein vor einem Übergreifen der bundespolitischen Stimmung auf die Länder. Im Gespräch mit WELT-Chefredakteur Helge Fuhst spricht er über die AfD, die Brandmauer und den Reformkurs der Regierung.GoogleKlicken Sie hier, um sich Artikel von WELT in der Google-Suche bevorzugt anzeigen zu lassen.Jetzt aktivierenEs war ein Wahlkampf, der für die CDU in Sachsen-Anhalt mit einem historischen Debakel endete. Nur 17 Prozent erreichte die Partei bei der Landtagswahl. Die AfD wurde mit 44 Prozent stärkste Kraft. Hessens Ministerpräsident Boris Rhein (CDU) war wenige Tage zuvor noch gemeinsam mit Sachsen-Anhalts CDU-Spitzenkandidat Sven Schulze im Wahlkampf unterwegs gewesen.Alles zur Landtagswahl lesen Sie in unserem Liveticker.Im Gespräch mit WELT TV, geführt von Chefredakteur Helge Fuhst, sagte Rhein, er habe bereits vor der Wahl gespürt, „dass da was ist“ und sich etwas entwickle. Die gute Laune bei gemeinsamen Wahlkampfterminen habe dennoch einen Grund gehabt: „Ich hatte gute Laune, weil ich einen Heidenrespekt habe vor Sven Schulze, der da einen wirklich starken Wahlkampf geführt hat, in einer unfassbar schwierigen Situation.“Schulze habe den Wahlkampf „für uns alle“ geführt, betonte Rhein. Die Entwicklung in Sachsen-Anhalt könne zudem auch andere Bundesländer treffen. „Das sind Entwicklungen, die auch bei uns hier im sogenannten Westen stattfinden können.“Rhein sieht Gegenwind aus BerlinDen schlechten Ausgang der Wahl führt Rhein auch auf die Stimmung gegenüber der Bundesregierung zurück. Wenn ein Kandidat im Wahlkampf keinen Rückenwind habe, sei die Ausgangslage bereits schwierig. „Wenn Sie aber auch noch Gegenwind haben, dann wird es besonders schwierig“, sagte der Ministerpräsident.Lesen Sie auchDie Berliner Politik habe die Landespolitik in Sachsen-Anhalt überlagert. Rhein verwies zugleich auf die Arbeit Schulzes als Wirtschafts- und Landwirtschaftsminister. Dessen Bilanz sei eigentlich ein Argument dafür gewesen, ihn wiederzuwählen.Für Hessen sieht Rhein die Situation anders. Dort könne die CDU weiterhin mit guter Landespolitik durchdringen. Entscheidend sei aus seiner Sicht der Umgang innerhalb der schwarz-roten Koalition. „Weil wir einfach miteinander ordentlich umgehen, weil wir Punkte formulieren, weil wir Punkte machen, weil wir klare Punkte setzen. Und weil wir uns vor allem nicht streiten.“Lesen Sie auchDer Streit und die zahlreichen politischen Auseinandersetzungen in Berlin hätten sich dagegen auf das Wahlergebnis in Sachsen-Anhalt niedergeschlagen. Rhein verwies auf einen Satz des früheren Generalsekretärs der Hessen-CDU, Manfred Penz: „Das große Wasser nimmt das kleine Wasser mit.“ Deshalb müsse die Union vorsichtig sein.Keine Debatte über die Ablösung von MerzEine personelle Debatte über die Bundesregierung hält Rhein derzeit nicht für entscheidend. Bundeskanzler Friedrich Merz sei für vier Jahre gewählt, ebenso der Bundestag. Jetzt müsse es darum gehen, politische Themen zu setzen und verlorenes Vertrauen zurückzugewinnen.„Wir müssen jetzt eine Debatte über unsere Themen führen und wie wir die Menschen zurückgewinnen, wie wir Brücken in die Mitte bauen und wie wir für die Mitte begeistern“, sagte Rhein. Die personellen Fragen seien für ihn „im Augenblick nicht die entscheidenden Fragen“.Lesen Sie auchAuf die CDU warten unterdessen die nächsten Landtagswahlen. In Mecklenburg-Vorpommern und Berlin wird in zwei Wochen gewählt. Rhein setzt auf eine Mobilisierung der bürgerlich-konservativen Mitte. Die Menschen müssten erkennen, was auf dem Spiel stehe.Für Berlin wirbt Rhein ausdrücklich für CDU-Spitzenkandidat Stefan Evers. „Wer nicht möchte, dass Berlin in einem Links-Rechts-Chaos versinkt, der muss Stefan Evers wählen“, sagte er. Evers habe bei innerer Sicherheit, Migration und Wirtschaftspolitik die richtigen Themen.Rhein will mit AfD-Wählern sprechen – nicht mit FunktionärenBesonders deutlich positioniert sich Rhein bei der Frage nach dem Umgang der CDU mit der AfD. Die Union müsse die Menschen zurückgewinnen, die ihr Vertrauen verloren hätten. Dazu gehöre auch, mit Menschen über Positionen zu sprechen, die zunächst ungewöhnlich oder befremdlich erschienen.Lesen Sie auch„Es könnte ja sogar sein, dass der eine mit einer komischen Meinung vielleicht sogar an der einen oder anderen Stelle auch mal recht hat und wir daraus lernen können“, sagte Rhein. Die CDU habe Menschen teilweise zu schnell „in die rechte Ecke“ gestellt. Dadurch sei eine bestimmte Richtung letztlich normalisiert worden, weil das Gespräch nicht mehr geführt worden sei.Rhein sieht darin eine Lehre aus dem Wahlergebnis. Es sei „der letzte Warnschuss“ gewesen. Die Union müsse mit den Menschen reden und „Brücken in die Mitte bauen“, anstatt sie hinter Brandmauern zu stoßen.Eine Zusammenarbeit mit der AfD schließt Rhein allerdings weiterhin aus. Die Brandmauer sei ursprünglich lediglich ein Sprachbild gewesen, um deutlich zu machen, dass die CDU nicht mit der AfD koalieren wolle. „Kein anständiger Christdemokrat will mit der AfD koalieren. Das geht gar nicht. Wegen Russland, wegen vielen anderen Fragen, wegen Europa.“Lesen Sie auchGleichzeitig müsse die Union die Sorgen der AfD-Wähler ernst nehmen. Dazu gehörten aus seiner Sicht insbesondere Abstiegsängste und eine wahrgenommene Gerechtigkeitslücke. Die CDU müsse erklären, warum sie Reformen durchführe und welchen Nutzen diese für die Menschen hätten.„Wir müssen eine neue Geschichte erzählen, eine bessere Geschichte, warum wir das machen“, sagte Rhein.Reformen: „Möglicherweise müssen wir auch das Tempo rausnehmen“Rhein plädiert dabei für eine stärkere Priorisierung. Reformen seien notwendig, aber kein Selbstzweck. Die Bundesregierung müsse sich auf Maßnahmen konzentrieren, die Wachstum erzeugten.Lesen Sie auch„Das heißt, die Steuern müssen runter. Wir müssen entbürokratisieren. Energie muss preiswerter werden. Das sind jetzt die Aufgaben, die wir zu lösen haben.“Rhein verwies auf die zahlreichen Reformvorhaben bei Rente, Pflege und gesetzlicher Krankenversicherung. Die Bundesregierung habe aus seiner Sicht zwar den richtigen Ansatz, gleichzeitig aber zu viele Themen gleichzeitig aufgerufen. Deshalb müsse „eins nach dem anderen“ abgearbeitet werden.Besonders wichtig sei die wirtschaftliche Entwicklung. „Aus meiner Sicht hat alles Priorität, was Wachstum schafft. Weil unsere Haushalte wegbrechen.“Lesen Sie auchAls Beispiel nannte Rhein die Finanzierung der gesetzlichen Krankenversicherung. Bürgergeldempfänger sollten seiner Ansicht nach vollständig aus der gesetzlichen Krankenversicherung herausgenommen und über den Bundeshaushalt finanziert werden. Dies sei gerechter gegenüber den Beitragszahlern.Auch beim Bürgergeld sieht Rhein Handlungsbedarf. Die Politik müsse sich stärker um diejenigen kümmern, die arbeiteten und Leistungen erbrächten. „Leistung muss sich lohnen“, sagte er. Dieser alte CDU-Slogan müsse sich auch in der tatsächlichen Politik wiederfinden.Rhein erkennt AfD-Wahlsieg anZum Wahlsieg der AfD in Sachsen-Anhalt findet Rhein ungewöhnlich deutliche Worte. Er lobte Sven Schulze dafür, dem AfD-Spitzenkandidaten Ulrich Siegmund zum Wahlsieg gratuliert zu haben.„Der Mann hat ja die Wahl gewonnen. Wer hat denn von uns zuletzt 44 Prozent hinbekommen? Das muss man einfach mal annehmen“, sagte Rhein. Das Ergebnis sei demokratisch zustande gekommen und müsse anerkannt werden.Lesen Sie auchEine Zusammenarbeit mit der AfD lehnt Rhein dennoch ab. Auf die Frage, ob die CDU mit der Partei zumindest Gespräche führen sollte, sagte er: „Ich wäre nicht bereit, mit der AfD zu sprechen.“Er begrenzte dies allerdings ausdrücklich auf die Funktionäre der Partei. Mit deren Wählern wolle er selbstverständlich sprechen. „Ich spreche selbstverständlich mit jedem Wähler und jeder Wählerin.“ Ziel müsse es sein, diese Menschen zurückzugewinnen.Eine Koalition mit der AfD komme für ihn nicht infrage. „Wir sind sehr unterschiedliche Parteien. Wir können nicht miteinander koalieren.“ceb
Hessens Ministerpräsident: „Das große Wasser nimmt das kleine Wasser mit“, sagt Rhein zum CDU-Debakel von Sachsen-Anhalt - WELT
Nach dem CDU-Wahldebakel in Sachsen-Anhalt warnt Hessens Ministerpräsident Rhein vor einem Übergreifen der bundespolitischen Stimmung auf die Länder. Im Gespräch mit WELT-Chefredakteur Helge Fuhst spricht er über die AfD, die Brandmauer und den Reformkurs der Regierung.









