Die Europäische Union stellt Grönland weitere 200 Millionen Euro zur Verfügung, um Projekte auf der Insel zu fördern und die Beziehungen zu vertiefen. Das reicht von Investitionen in das Bildungssystem über den Ausbau von Satellitenverbindungen bis zur Förderung kritischer Rohstoffe.„Grönland ist ein vertrauenswürdiger Freund Europas, ein strategischer Verbündeter und ein geschätztes Mitglied unserer großen europäischen Familie“, sagte EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen anlässlich der Unterzeichnung einer neuen Partnerschaftserklärung am Montag in Nuuk. Die Erklärung spiegele die Entscheidung Grönlands wider, seine Beziehungen zur Europäischen Union zu stärken, und die Entscheidung Europas, in Grönland und der Arktis stärker präsent zu sein, sich stärker zu engagieren und mehr in diese Regionen zu investieren, so von der Leyen.Der Besuch von der Leyens in Grönland sollte dieses Engagement untermauern. Sie war dort am Sonntag eingetroffen, um politische Gespräche mit der dänischen Ministerpräsidentin Mette Frederiksen und dem grönländischen Ministerpräsidenten Jens-Frederik Nielsen zu führen und ein gemeinsames Projekt zu besichtigen. Die EU hat im laufenden Haushaltsrahmen schon 225 Millionen Euro für die arktische Insel vorgesehen und in ihrem Vorschlag für den nächsten Finanzrahmen von 2028 bis 2034 die Mittel auf 530 Millionen Euro mehr als verdoppelt.Brüssel investiert in zwei BergwerkeInsgesamt wendet Brüssel damit pro Kopf mehr Geld auf als in jedem anderen Land. Grönlands 57.000 Einwohner sind Unionsbürger, obwohl die Insel als autonomes dänisches Gebiet nicht zur EU gehört, sondern ein assoziiertes Überseeterritorium ist.Die Intensivierung der Kontakte erfolgt angesichts wiederholter Drohungen von US-Präsident Donald Trump, er wolle sich die Insel aneignen, sie in die Vereinigten Staaten von Amerika integrieren und die Rohstoffe dort ausbeuten. Während die USA bisher keine solche Vereinbarung mit der Regierung in Nuuk getroffen haben, investiert die EU in zwei Abbauprojekte, die sich schon in der Entwicklung befinden.So soll Geld aus der ersten Tranche der neuen Fördersumme in ein Bergwerk an der Ostküste fließen, das Molybdän abbaut. Dieses chemische Element erhöht die Festigkeit, Korrosions- und Temperaturbeständigkeit von hochwertigem Stahl. Aus der zweiten Tranche soll ein Graphit-Bergwerk in Südgrönland Geld bekommen, das von einer britischen Firma erschlossen wird.Grönland verfügt über 25 der 34 Rohstoffe, welche die EU-Kommission als kritisch einstuft. Der Abbau ist noch ganz am Anfang, könnte der EU aber eine Option verschaffen, um sich aus der Abhängigkeit von China zu lösen. Das Partnerschaftsabkommen ist zudem als Gegenentwurf zu amerikanischen Forderungen angelegt. Die EU präsentiert sich als verlässlicher Partner, der langfristig investieren und zugleich die Lebensumstände der Einwohner verbessern will, die zu 90 Prozent Inuit sind.