Nicht erst seit dem Elversberg-Schock vom Samstag ist die Selbsttäuschung sichtbar, die bei Borussia Mönchengladbach seit langem mit beachtlicher Konsequenz betrieben wird. Wieder einmal wurde im Sommer die Hoffnung geschürt, dass ab sofort eine neue Zeit anbreche. Eine Ära, in der endlich uralte Probleme überwunden werden.Seit Jahren versuchen verschiedene Sportverantwortliche und Trainer, die Mannschaft so weiterzuentwickeln, dass sie nicht mehr ständig in diesen Zustand der Energielosigkeit hineingerät, das Ziel: mehr Schärfe, mehr Widerstandskraft, mehr Tempo, mehr Sprints, ein vertikaler Fußball und mehr Energie. Seit dem Abschied von dem Trainer Marco Rose vor fünf Jahren ist das schon so.Jetzt sei es endlich so weit, suggerierten die Ausblicke auf die neue Saison. Es wurde auf die Rückkehr des zuvor lange verletzten Tim Kleindienst verwiesen und von den Teenagern Hugo Bolin und Wael Mohya geschwärmt.Aber Fußball ist ein Sport, in dem es ganz stark um Energien geht, und da ist der Einfluss von zwei ganz jungen Offensivtalenten genauso beschränkt wie die Macht von einem einzelnen Routinier, der die Mentalität einer ganzen Mannschaft verändern soll.Die Zuschauer kommen weiterhin: ratlose Borussen am Samstag vor der Fankurvedpa„Wir sollten mal schleunigst unseren Fokus so hochfahren, dass er auch 90 Minuten hält“, sagt Tim Kleindienst am Samstag deprimiert, ja hilflos. Das 0:3 in Leipzig am ersten Spieltag hatten sie sich mit dem Verweis auf eine gute Phase schöngeredet, gegen Elversberg dachten viele beim Stand von 3:1, dass die Wende zum Guten zumindest für dieses Wochenende geschafft sei. Selbsttäuschung eben, denn es geht immer darum, mit maximaler Energie weiterzuarbeiten.Typen, die der Mittelmäßigkeit verbunden sindEigentlich würden die Verantwortlichen ihren Klub an dieser Stelle wahnsinnig gerne grundlegend verändern. Neues zulassen wollen sie aber nur sehr ungern. Auf den Manager Max Eberl folgte der nette Akademiechef Roland Virkus, der wiederum von dem vielen im Klub schon lange freundschaftlich verbundenen Rouven Schröder abgelöst wurde.Mit Eugen Polanski beförderten sie im Vorjahr den langjährigen U-23-Trainer zum Chefcoach. Wenn ein neuer Geschäftsführer gesucht wird, nimmt man Leute aus der Kommunikationsabteilung oder aus dem Kreis der langjährigen Großsponsoren. Und der Blick auf die Startelf vom Samstag zeigt das gleiche Bild: ausschließlich Typen, die mit der Mittelmäßigkeit der Vergangenheit verbunden sind.Selbst auf den Neuzugang Ko Itakura trifft das zu, der einfach nur aus Amsterdam zurückgekommen ist. Die Gladbacher machen halt ihr Ding, gerade gut genug, um Elfter, Zwölfter oder Dreizehnter zu werden. In manchen Momenten sind sie auch heilfroh, nicht ganz so schlimm zu stürzen wie zuletzt Wolfsburg oder vor zwei Jahren Köln.Sie haben ihre tolle Historie, die Bilder mit den wehenden Haaren von Günter Netzer, und zu den Heimspielen kommen immer noch oft 50.000 Zuschauer. Sogar einen Mentalitätstypen wie Kleindienst haben sie, mit dem sich die Hoffnung verbinden lässt, dass es schon besser werden wird. Das Leben ist nicht schlecht am Niederrhein. Nur eine Befreiung aus dem Mittelmaß gelingt auf diese Art nicht.