Demonstranten legen aus Protest gegen die Bootsflüchtlinge den Hafen von Dover lahmEine neue Art von Protest sorgt im Südosten Englands für Aufsehen. Hunderte von schwarz gekleideten und vermummten Protestierenden haben am Samstag in einer organisierten Aktion den Fährverkehr zum Erliegen gebracht.06.09.2026, 14.15 Uhr3 LeseminutenDie Protestaktion erinnert eher an eine paramilitärische Machtdemonstration als an eine herkömmliche Kundgebung.REUTERSOptimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Am Samstagvormittag haben mehrere hundert Demonstranten die Zufahrtsstrassen zum Hafen von Dover in Südengland blockiert. Sie skandierten «Stop the boats» («Stoppt die Boote») und «England till I die» («England bis zum Tod»). Der Protest richtete sich gegen die Immigranten, die auf Schlauchbooten illegal den Ärmelkanal überqueren. Die Kundgebung führte zu kilometerlangen Staus. Zu Gewalt und Verhaftungen kam es laut der Polizei nicht.Die Teilnehmer der Aktion waren einheitlich schwarz gekleidet und mit Sturmhauben maskiert. Viele verfügten über Funkgeräte. Einige Beobachter bemerkten, es habe sich eher um eine paramilitärische Einschüchterungsaktion als um eine herkömmliche Demonstration gehandelt. Es gab keine Transparente mit Slogans, und die Teilnehmer sprachen mit niemandem. Offenbar war die Mehrheit der Marschierenden sehr jung, wobei es ältere Organisatoren gab, die auf E-Bikes die Aktion koordinierten und die Teilnehmer mit Walkie-Talkies über den Standort der Polizisten informierten.Der Organisator ist ein verurteilter KidnapperHinter der Kundgebung steht eine neue Gruppierung namens «Patriot Platform». Sie wurde von Daniel Thomas gegründet, der dem rechtsextremen Aktivisten Tommy Robinson nahesteht. Robinson organisierte vor einem Jahr eine grosse Demonstration gegen illegale Einwanderung in London.Wie der «Telegraph» enthüllte, wurde Daniel Thomas 2016 wegen eines Kidnapping-Versuchs zu zwei Jahren Haft verurteilt. Er hatte, mit einem Messer bewaffnet, versucht, zusammen mit zwei Kollegen einen Mann zu entführen, dem er vorwarf, ihnen Drogen im Wert von 10 000 Pfund gestohlen zu haben. Es stellte sich jedoch heraus, dass sie ihr Opfer mit jemand anderem verwechselt hatten. Nach der Entlassung aus der Haft nannte er sich fortan Danny Tommo. Später fiel er mit antimuslimischen Tiraden im Speaker’s Corner im Hyde Park auf. Er filmte sich jeweils, wie er Araber in einen Streit verwickelte, und stellte die Videos online. Einmal wurde er deshalb verhaftet. Bereits im April organisierte er einen Protest in Dover, den er jedoch abbrechen musste, weil nur zwanzig Leute auftauchten.Auf seiner Website und seinem X-Account veröffentlicht er grossspurige patriotische Stellungnahmen mit auffällig vielen Rechtschreibfehlern. Gerne inszeniert er sich dabei als Koordinator und Strippenzieher der rechtsextremen Gruppierungen in Grossbritannien, so ähnlich wie Steve Bannon in den USA. In Wirklichkeit ist die Szene zersplittert, und seine Rolle dürfte eher bescheiden sein. Auf seinem Instagram-Konto bezeichnet er sich als hingebungsvollen Christen, stolzen Vater und Verteidiger von Glauben und Heimat.Die illegalen Überfahrten haben stark abgenommenEin Regierungssprecher sagte: «Das Recht auf friedlichen Protest ist ein grundlegender Bestandteil unserer Demokratie, doch wir verurteilen das Verhalten in Dover und die dadurch verursachten Verkehrsbehinderungen.»Die grossen Parteien, auch Nigel Farages rechte Reform UK, verurteilten die Aktion. Zugleich wurde Kritik an der Polizei laut, die offensichtlich überrumpelt und überfordert war. Wegen der Blockade wurde der Fährbetrieb während mehrerer Stunden unterbrochen. Viele Passagiere verpassten die Überfahrt nach Frankreich. Dover ist der wichtigste Passagierhafen Grossbritanniens.Die irreguläre Immigration über das Meer ist immer wieder Anlass für Demonstrationen. Trotz einem Abkommen mit Frankreich lässt sie sich offenbar schwer unterbinden. Dieses Jahr sind bis am 1. September 16 513 Migranten mit Booten an der englischen Küste angekommen. Das sind im Vergleich zur Vorjahresperiode 43 Prozent weniger.Passend zum Artikel
Hafen von Dover blockiert: Protest gegen Bootsflüchtlinge sorgt für Chaos
Eine neue Art von Protest sorgt im Südosten Englands für Aufsehen. Hunderte von schwarz gekleideten und vermummten Protestierenden haben am Samstag in einer organisierten Aktion den Fährverkehr zum Erliegen gebracht.










