Kaum hatte Eintracht-Trainer Adi Hütter die naheliegenden Fragen zum Spiel gegen den FC Augsburg – der Gegner, das Personal, die Taktik – beantwortet, rückte er in seinem Stuhl ein Stück hoch und holte Luft. „Ich will noch etwas sagen“, sagte er und sprach: „Ich bin sehr, sehr happy.“Dieser spontane Ausbruch des Glücks war nicht intuitiv, er hatte einen klaren Referenzpunkt: Gemeint waren die Transfers von Manager Markus Krösche, über die der Trainer Berichten zufolge nicht immer besonders happy gewesen sein soll.Nun, vor dem ersten Heimspiel gegen Augsburg und nach dem Ende der Wechselperiode, lobte Hütter seinen Vorgesetzten ausführlich: „Die letzten Transfers, die wir getätigt haben, waren sehr wichtig. Noah Atubolu hat das schon gezeigt. Lilian Brassier kenne ich sehr gut aus meiner Zeit in Frankreich. Er ist ein Linksfuß, zweikampfstark mit einer Kriegermentalität.“Atubolu hatte in Berlin schon die Bälle gefangen, die fangbar waren. Dreimal gelang ihm das nicht, was in der vergangenen Saison ein Durchschnittswert gewesen wäre. Zu sehen war allerdings, was der Eintracht damals gefehlt hatte: ein Torwart mit Körpersprache. Früh, noch Ende Juli, hat Hütter nach F.A.Z.-Informationen einen solchen Torhüter gefordert, weil er mit dem Brasilianer Kauã Santos eher unhappy war. Vier Wochen später, nach dem 0:7 der Eintracht in Brentford, kam schließlich Atubolu.Das ist nun vergessen, Hütter sagt friedlich: „Der Trainer hat Vorstellungen, der Sportvorstand hat Vorstellungen.“ Die Eintracht-Transferperiode endete erst um 1:46 am Mittwoch, als die Papiere zum Wechsel des Franzosen Jean-Mattéo Bahoya nach Leeds unterschrieben waren. Wie gut aber ist der Kader jetzt, 38 Transferbewegungen später, wirklich?Hütter war anzumerken, wie er sich freut, dass Ritsu Doan noch eine Weile in Frankfurt bleibt. Der Japaner hatte ein Angebot des saudi-arabischen Klubs Al-Ittihad vorliegen, der ihn deutlich besser bezahlt hätte als die Eintracht. Doan lehnte ab. „Ich finde das bewundernswert“, sagte Hütter und meinte die Entscheidung des Rechtsaußen, nach einem Jahr in Frankfurt nicht weiterzuziehen. Dass das Management der Eintracht das Angebot gerne angenommen hätte – geschenkt.Zwei Stürmer? „Solange sie fit sind, kann man sie ja laufen lassen“Die offensiven Außenpositionen sind also stark besetzt, auch das defensive Mittelfeld. Im Sturm kam der Franzose Arnaud Kalimuendo nicht, wie von Hütter erhofft, zurück. Der Österreicher hält es nun pragmatisch. Noch seien schließlich beide Stammstürmer, die beiden Hessen Jonathan Burkardt und Younes Ebnoutalib, fit: „Und solange sie fit sind, kann man sie ja laufen lassen.“Wenn sie allerdings nicht mehr laufen können, wird es für die hüttersche Doppelspitze eng. Oder doch nicht? Can Uzun, Ansgar Knauff oder der 18 Jahre alte Nachwuchsspieler Malik Pimpong könnten ja auch ins Spiel kommen, überlegte der Trainer. „Oder wir spielen eben mit einer Spitze.“Das klang nach reichlich Pragmatismus, mehr noch, als vor einer Woche in Berlin. Da sagte Hütter: „Es fehlt sicherlich noch etwas. Wir werden bis Dienstag auch gewiss noch das eine oder andere tun. Ich glaube, das ist auch jedem bewusst.“ Was seither geschah: Brassier kam, Hugo Larsson und Bahoya gingen. Man habe immer Wünsche, sagte Hütter eine Woche später.Ein zweites Mal noch nahm sich Hütter am Freitag Zeit, ein eigenes Thema zu setzen. Die ganzen Abgänge böten schließlich auch die Chance, junge Nachwuchstalente einzusetzen. Konkret nannte der Trainer den Hofheimer Rechtsverteidiger Elias Baum, den 15 Jahre alten (und im Oktober spielberechtigten) Spielmacher Niko Ilicevic und Ebnoutalib. Jenen Stürmer, der in Berlin drei Tore schoss, weil nicht Kalimuendo spielte, sondern er.Ebnoutalib sprach in dieser Woche lange mit dem Nationaltrainer. Nicht mit Mohamed Ouahbi, dem Coach von Marokko. Sondern mit Jürgen Klopp, dem Coach von Deutschland. Klopp besuchte ein paar Teams in der Region, auch bei der Eintracht war er zu Gast und machte Ebnoutalib deutlich, dass er ihn auf dem Zettel hat.Darüber aber, da hat Hütter recht, ist in den vergangenen Tagen wenig berichtet worden. Der angebliche/scheinbare Zwist rund um den Bundesligaklub überschattete einiges. Hütter wünscht sich ein wenig mehr Frieden und Positivität rund um die Eintracht.Das ist ein Wunsch, den die Eintracht selbst beeinflussen kann. Schon an diesem Sonntag (17.30 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zur Bundesliga und bei DAZN), wenn sie gegen den FC Augsburg antritt. In den vergangenen Jahren waren das dröge Spiele, in denen sich die Frankfurter quälten, mal mit besserem, mal mit schlechterem Ausgang. Die vergangene Auflage, ein 1:0 im düsteren, kalten Dezember, war eines der schlimmeren Spiele in einer mühsamen Eintracht-Saison.Die Augsburger waren zuletzt erfolgreicher, sie haben eine talentierte Mannschaft mit weniger als 38 Transferbewegungen. Sie könnten der Eintracht also gefährlich werden, vielleicht mit einem anderen, offensiveren Spielstil. Hütter denkt das nicht, er erwartet den gewohnten „Abnutzungskampf“. Der FCA werde auf Konter spielen und auf seine großen Verteidiger setzen.Und seine eigene Mannschaft, was kann man von ihr erwarten? Ihm gehe es da wie dem Fragesteller, antwortete der Trainer: „Es kann jeder sehen, dass der Umbruch da ist.“ Hütter lachte.