Er ist längst eine Konstante beim VfB Stuttgart und hat in seiner Zeit zwischen dem 3. April 2023 und heute einen Rekord aufgestellt bei einem der großen Traditionsklubs in Deutschland. 1199 Arbeitstage werden es an diesem Freitag (20.30 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zur Bundesliga und bei Sky) sein, wenn der VfB den zweiten Bundesligaspieltag mit dem Heimspiel gegen den 1. FC Köln eröffnet. So lange blieb kein anderer Fußballlehrer beim schwäbischen Großklub mit 135.000 Mitgliedern.Die Stuttgarter, früher nicht selten schnell bei der Hand, ihre Cheftrainer rasch zu wechseln, vertrauen Sebastian Hoeneß seit dem 3. April 2023. Kein Wunder, hat doch der Sohn der Stuttgarter Stürmerlegende Dieter Hoeneß zunächst wirksam Erste Hilfe geleistet, um den VfB in der Saison 2022/23 vor dem Abstieg zu bewahren, ehe er den fünfmaligen deutschen Meister in den Jahren danach zurück in vertraute Gefilde führte: weit nach oben.Entsprechend süßsauer hörten sich die Kommentare des Neffen von Onkel Uli Hoeneß an. „Das ist hart, das ist zu einfach, das ist zu billig“, kommentierte er den aufs Neue fehlgeschlagenen Anlauf, den Rekordmeister zur Abwechslung mal wieder zu besiegen.Dieter Hoeneß steht seinem Sohn Sebastian mit Rat und Tat zur Seite.Wonge BergmannSebastian Hoeneß, beraten von seinem Vater Dieter, treibt sein unstillbarer Ehrgeiz an, wieder und wieder bei den Gewinnern sein zu wollen. So sind nun mal die Hoeneß-Gene. Der in München geborene 44 Jahre alte Fußballlehrer ist viel zu ambitioniert, um nach Niederlagen, vor allem, wenn sie deutlich ausfallen, rasch zur Tagesordnung zurückkehren zu können.Entsprechend „nervig“ empfand er die Saisonpremiere in München, bei der der VfB den 0:1-Rückstand ausglich und am Ende doch weit davon entfernt war, die Bayern ärgern zu können. Also versprach der national wie international längst renommierte Coach, dessen Vertrag beim VfB bis einschließlich 30. Juni 2028 datiert ist, dass „wir uns wöchentlich weiterentwickeln werden“.Prömel ist für Führungsaufgaben vorgesehenMit einem Kader, der diesmal nur punktuell statt umfassend verändert worden ist. Ablösefrei kam der mit Führungsqualitäten gesegnete zentrale Mittelfeldspieler Grischa Prömel, ein gebürtiger Stuttgarter, vom Ligakonkurrenten TSG Hoffenheim, für sieben Millionen Euro der slowakische Linksaußen Leo Sauer von Feyenoord Rotterdam und für 25 Millionen Euro der verheißungsvoll anmutende Mittelstürmer Dzenan Pejcinovic vom Erstligaabsteiger VfL Wolfsburg.VfB-Neuzugang Grischa Prömel ist gebürtiger Stuttgarter.dpaStuttgart, angeführt vom neuen Kapitän Deniz Undav, behielt seine Stammspieler bis auf den Torhüter Alexander Nübel, der von seinem bisherigen Stammverein Bayern München für zwölf Millionen Euro an Beşiktaş Istanbul transferiert wurde. Ihn soll der derzeit noch verletzte Dennis Seimen ersetzen, der vom Erstligaaufsteiger SC Paderborn zum VfB, seinem Heimatverein, zurückgekehrt ist.Manche Experten schätzen den VfB sehr hoch einHoeneß’ Mannschaft ist vor dem Saisonbeginn von manchen Experten vermutlich eine Spur zu hoch eingeschätzt worden. So tippte der Paderborner Trainer und Bundesliganovize Ralf Kettemann auf den VfB als Meister. Eine mutmaßlich allzu wagemutige Prognose. Auch der meinungsstarke Dietmar Hamann, einst Nationalspieler, heute Chefkritiker beim Bundesligasender Sky, schätzt die Schwaben als „Titelkandidat“, wogegen der Sky-Chefanalytiker Lothar Matthäus dem VfB Platz drei zutraut.Hoeneß, in puncto Ehrgeiz ganz weit vorn, erkennt die Bundesligarealität schon zum Saisonbeginn an. „Es gibt am Ende einfach noch einige Klubs, die ganz andere Möglichkeiten haben als wir“, sagte er vor Kurzem. Was nichts daran ändern wird, dass dieser Trainer im Verlauf dieser Spielzeit Woche für Woche mit all seiner Akribie und seinem Faible für einen sehenswerten Ballbesitzfußball daran arbeiten wird, ziemlich weit oben mit dem VfB Stuttgart anzukommen.„Wir sind ambitioniert“, hebt er hervor, „und natürlich haben die letzten Jahre dafür gesorgt, dass es uns sehr viel Spaß macht, da zu sein, wo wir sind.“ Mit „Mut, Intensität und Entschlossenheit“ sollen seine Spieler vorangehen mit dem Ziel, aufs Neue ihre High-End-Potentiale auszuspielen.Beim Blick auf den zwischen Liga, Champions League und DFB-Pokal-Wettbewerb vollen Terminkalender hat der von sich und seinen Spielern überzeugte Trainer einen Herzenswunsch: „Dass wir, anstatt Substanz zu verlieren, Substanz draufpacken.“ Eine Mammutaufgabe, die aber trotzdem Spaß machen soll.
Sebastian Hoeneß: VfB Stuttgarts Rekordtrainer mit Ambitionen
Seit 1199 Tagen ist Sebastian Hoeneß Trainer in Stuttgart – länger als jeder seiner Vorgänger. Mit einem eingespielten Kader und großen Ambitionen geht er ins erste Ligaheimspiel der neuen Saison.







