Kunst von Chagall, Picasso, Alberto Giacometti: Eberhard W. Kornfeld sammelte Werke, die Freundschaften bedeutetenDer vor drei Jahren verstorbene Doyen des Schweizer Kunsthandels pflegte Beziehungen zu grossen Namen der modernen Kunst. Nun kommen fünfzig Werke zur Auktion, die zu Eberhard W. Kornfelds persönlichen Lebensbegleitern gehörten.04.09.2026, 05.30 Uhr4 LeseminutenMarc Chagall und Eberhard W. Kornfeld vor dem Mosaik «Le grand soleil» in der Villa «La Colline» in Saint-Paul-de Vence.Fotoarchiv KornfeldEs gibt eine Fotografie, die Marc Chagall zusammen mit Eberhard W. Kornfeld in Südfrankreich zeigt. Die beiden stehen vor einem grossen Mosaik. Chagall hatte es für eine Aussenwand seiner Villa «La Colline» in Saint-Paul-de-Vence geschaffen. Dargestellt sind Figuren, die vor einer grossen Sonne schweben. Vor ihr haben sich auch die beiden Freunde, der Künstler und der Kunsthändler, abfotografieren lassen. Und eine solche Sonne ist auch ein Motiv in einem Blatt von Chagall, das Kornfeld zu seinen persönlichen Schätzen zählte.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Dem 2023 verstorbenen Doyen des Schweizer Kunsthandels dürfte diese Gouache wegen ihrer leuchtenden Farben besonders gut gefallen haben. Die Arbeit ist ein Gestaltungsentwurf für eine Lithografie in Chagalls zweibändigem Werk «Zeichnungen für die Bibel». 2014 kam sie aus dem Nachlass des Künstlers beim Auktionshaus Kornfeld zum Aufruf. Und dort hatte sie der Patron des Hauses und Auktionator gleich selber erworben.Nun wird das Blatt in Bern mit einem Schätzpreis von 225 000 Franken zur Versteigerung angeboten. Dies zusammen mit rund fünfzig weiteren Kunstwerken aus Eberhard W. Kornfelds privater Sammlung.Picassos GrafikexperteKornfeld lernte Chagall durch Franz Meyer, den Leiter der Kunsthalle Bern und späteren Direktor des Kunstmuseums Basel, kennen. Meyer war mit Chagalls Tochter Ida verheiratet. Kornfeld besuchte den Künstler oft an der Côte d’Azur. Und dieser betraute seinen Schweizer Freund schliesslich mit der Erstellung des Œuvrekatalogs seiner Radierungen und Holzschnitte.Die grosse Herausforderung als Kunstvermittler sah Kornfeld weniger im Handel mit der Kunst als in der Sichtung, Prüfung und Beurteilung. So hat der mit einem untrüglichen Blick für Qualität gesegnete Connaisseur Werkverzeichnisse zu zahlreichen grossen Namen des 20. Jahrhunderts verfasst, unter ihnen Paul Klee, Max Beckmann, Käthe Kollwitz, Paul Gauguin oder Alberto Giacometti.Auch das druckgrafische Werk von Picasso hat Kornfeld inventarisiert. Dieses Grossprojekt mündete in eine siebenbändige Publikation, die zwischen 1986 und 1996 im eigenen Verlag erschien. «Picasso peintre-graveur» gilt für die Grafik des Jahrhundertkünstlers bis heute als Standardwerk.Picasso wurde auf Kornfeld in dessen Rolle als Experte für Druckgrafik aufmerksam: «Kornfeld, c’est pour la gravure», soll er oft gesagt haben. Die beiden lernten sich auf Einladung des Künstlers in den späten sechziger Jahren kennen. Ein rarer Frühdruck von Picassos tanzender «Salomé» (1905) befand sich in Kornfelds privaten Räumen, was von dessen besonderer Wertschätzung für das Werk zeugt. Er wird nun zum Schätzwert von 100 000 Franken angeboten.Die tanzende «Salomé, von 1905 war eines der von Kornfeld besonders geschätzten Blätter von Picasso.Galerie Kornfeld AuktionenMilitärkamerad TinguelyEberhard W. Kornfeld erwarb sich sein Handwerk schon früh in der Berner Kunsthandlung von August Klipstein, wo er 1945 zunächst als Volontär, später als Partner tätig war. Und es war auch in Bern, wo er erstmals Alberto Giacometti begegnete. Dieser bespielte in der Kunsthalle Bern im Rahmen der Ausstellung «Sculpteurs contemporains de l’École de Paris» einen eigenen Raum.Kornfeld besuchte den zwanzig Jahre älteren Künstler aus dem Bergell regelmässig in Paris und auch in Stampa. Dabei erwarb der Galerist und Kunsthändler Zeichnungen und Druckgrafiken direkt aus Giacomettis Atelier. Auch sass er dem Künstler mehrmals für Zeichnungen Modell.1959 wurde bei Klipstein & Kornfeld in Bern eine Ausstellung realisiert. Für den Umschlag des Katalogs fand die Titelseite der Zeitschrift «Figaro Littéraire» Verwendung, die Giacometti bei einem seiner Café-Besuche in Paris mit weiblichen Figuren und Köpfen bekritzelte. Dieses Blatt befand sich ebenfalls in Kornfelds Sammlung.Und auch eine Bronzebüste (Schätzpreis 700 000 Franken), die Alberto Giacomettis Bruder Diego darstellt. Der Guss erfolgte 2006 postum und ist einer von insgesamt zehn von der Alberto-und-Annette-Giacometti-Stiftung in Paris autorisierten Abgüssen. Das Original in Gips befand sich in der Sammlung von Franz Meyer (1919–2007). Dieser organisierte 1956, im Entstehungsjahr der Skulptur, in der Kunsthalle Bern eine der ersten grossen Ausstellungen zum Werk von Alberto Giacometti in der Schweiz.Alberto Giacomettis Bronzeguss der Büste von Diego weist einen Schätzwert von 700 000 Franken auf.Galerie Kornfeld AuktionenEiner der ältesten Künstlerfreunde von Eberhard W. Kornfeld war Jean Tinguely. Die beiden lernten sich während des Aktivdiensts gegen Ende des Zweiten Weltkriegs kennen. Aus der militärischen Kameradschaft wurde eine lebenslange Freundschaft. Kornfeld organisierte für Tinguely und dessen Ehefrau Niki de Saint Phalle immer wieder Ausstellungen.Eine besondere Gegebenheit dieser Freundschaft stellte 1972 ein Happening dar, das Kornfelds Offenheit für die oft verrückten Kunsteinfälle von Jean Tinguely und Niki de Saint Phalle veranschaulicht: Dabei wurden im Garten des stattlichen Auktionshauses an der Laupenstrasse 27 selbstgebastelte Kanonen in den Berner Himmel abgefeuert.Freundschaften – Amitiés. Werke aus der Sammlung Eberhard W. Kornfeld. Auktion: 11. September, 14 Uhr, Laupenstrasse 41, Bern. Vorbesichtigung bis 9. September.Passend zum Artikel
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Der vor drei Jahren verstorbene Doyen des Schweizer Kunsthandels pflegte Beziehungen zu grossen Namen der modernen Kunst. Nun kommen fünfzig Werke zur Auktion, die zu Eberhard W. Kornfelds persönlichen Lebensbegleitern gehörten.








