Manchester City investiert in einem Sommer eine halbe Milliarde Franken – und rüstet sich so für eine neue ÄraNach dem Abschied von Pep Guardiola stellt der englische Fussballklub seinem Nachfolger ein Kader zum Rekordpreis zur Verfügung. Herzstück des radikalen Umbaus: ein neues Mittelfeld.Sven Haist, London03.09.2026, 18.08 Uhr4 LeseminutenAlles auf Neustart bei Manchester City: Erling Haaland trägt plötzlich kurze Haare – und hat gleich neun neue Teamkollegen bekommen.Peter Powell / EPABei Manchester City wiederholt sich eine vergleichbare Zäsur wie vor einem Jahrzehnt. Damals stellte der englische Fussballverein im Zuge der Verpflichtung des Trainers Josep Guardiola weite Teile des Managements und des Kaders neu auf – und tut dies nun nach Guardiolas Abschied erneut.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Die Transferaktivitäten des aus Abu Dhabi alimentierten Klubs gipfelten am letzten Tag des Transferfensters in einem fulminanten Last-Minute-Doppeldeal. Zunächst sicherte sich Manchester City den Flügelspieler Iliman Ndiaye vom Everton FC für 66 Millionen Franken, anschliessend verpflichtete der Klub den Mittelfeldspieler Enzo Fernández vom Chelsea FC für gewaltige 136 Millionen Franken.Die Ablösesumme für Fernández entspricht exakt dem britischen Transferrekord, den ein Jahr zuvor der Wechsel des Stürmers Alexander Isak von Newcastle United zum Liverpool FC aufgestellt hatte.Manchester City übertrifft selbst Liverpools RekordausgabenManchester City hatte den Umbruch bereits vor einem Jahr eingeleitet, als der Portugiese Hugo Viana von Benfica Lissabon den Posten des Sportdirektors von Guardiolas langjährigem Weggefährten Txiki Begiristain übernahm. Nachdem der Italiener Enzo Maresca Ende Juni offiziell als Nachfolger Guardiolas präsentiert worden war, folgte die Runderneuerung der Mannschaft. Insgesamt verliessen zehn Spieler den Klub, im Gegenzug wurden neun Profis neu unter Vertrag genommen.Die Gesamtausgaben des in dieser Hinsicht längst abgehärteten Klubs summierten sich auf 491 Millionen Franken – in einem einzigen Sommer-Transferfenster. Noch nie zuvor hatte ein Verein weltweit eine derart hohe Summe auf einen Schlag für Verstärkungen aufgewendet. Damit löste City den Rivalen Liverpool an der Spitze ab; dieser hatte im Sommer 2025 ungefähr 450 Millionen Franken investiert.Die Summe ist Teil jener 3,83 Milliarden Franken, die alle 20 Premier-League-Klubs zusammengerechnet im Hinblick auf diese Spielzeit ausgegeben haben. Auch dieser Betrag stellt im Vergleich zu allen anderen Ligen weltweit einen neuen Höchstwert dar. Immerhin flossen durch Spielerverkäufe im selben Zeitraum 418 Millionen Franken zurück in den Verein.Enzo Maresca ist der neue Mann an der Seitenlinie von Manchester City – seinem Vorgänger nicht nur taktisch, sondern auch optisch ähnlich.David Blunsden / ImagoDabei hatte Manchester City in den vergangenen anderthalb Jahren schon nahezu denselben Betrag von rund einer halben Milliarde Franken in neues Spielerpersonal investiert. Nach dem Leistungseinbruch in der Hinrunde 2024 sollte die Equipe auf diese Weise möglichst rasch wieder auf Kurs gebracht werden. Zwei nationale Cup-Titel bescherten der Ära Guardiola in jüngerer Zeit einen versöhnlichen Abschluss.Allerdings erwiesen sich viele der seinerzeit offenbar übereilt verpflichteten Akteure als den Ansprüchen des Klubs nicht gewachsen. Wie gross der Handlungsbedarf weiterhin war, zeigte sich gleich zum Auftakt dieser Saison: Im englischen Supercup blieb City gegen den Meister Arsenal beim 0:3 weitgehend chancenlos. Die Verantwortlichen reagierten erneut.Dass sich die enormen Aufwendungen aller Wahrscheinlichkeit nach dennoch mit den Finanzregularien der Wettbewerbe vereinbaren lassen, liegt an der bilanziellen Behandlung dieser Transfers. Die Erlöse aus Spielerverkäufen werden, vereinfacht gesagt, unmittelbar erfasst, während die Kosten für die Verpflichtung eines Spielers gleichmässig über dessen Vertragslaufzeit verteilt und als kontinuierliche Abschreibungen verbucht werden.Dabei gilt – unabhängig von der tatsächlichen Vertragsdauer – eine Obergrenze von fünf Jahren. Dies machte sich Manchester City zunutze: Alle neuen Spieler, mit Ausnahme des 34-jährigen Ersatztorwarts Gerónimo Rulli, wurden für genau fünf Jahre gebunden. Als einfache Orientierung muss der Klub damit in dieser Saison nur rund ein Fünftel der Gesamtablösesumme berücksichtigen.Enzo Maresca tritt ein schweres Erbe anDer Schwerpunkt der Verpflichtungen lag dabei auf dem zentralen Mittelfeld. Neben dem Argentinier Enzo Fernández kamen der Engländer Elliot Anderson für 126 Millionen Franken von Nottingham Forest sowie der erst 18-jährige Marokkaner Ayyoub Bouaddi für 89 Millionen Franken aus Lille. Das Trio soll gemeinsam den Abgang des spanischen Weltmeisters Rodri kompensieren.Der neue Star im 350 Millionen Franken teuren Mittelfeld von Manchester City: Enzo Fernández.Tony O’Brien / ReutersDer Weltfussballer des Jahres 2024 wollte seinen Vertrag nicht mehr verlängern und wechselte zum FC Barcelona. Nach seinem Abgang befinden sich nur noch vier Spieler aus dem historischen Titel-Triple von 2023 im City-Kader: der Captain Rúben Dias, Erling Haaland, Phil Foden und der in jener Saison kaum eingesetzte Rico Lewis.Der radikale Schnitt soll dem neuen Trainer Maresca den Aufbau einer schlagkräftigen Mannschaft erleichtern. City wollte verhindern, dass die Motivation der titelerprobten Routiniers nachlässt. Zudem wollte der Klub Vergleiche zwischen Guardiola und seinem Nachfolger möglichst nicht aufkommen lassen. Um den Profis zugleich aber einen Kulturschock zu ersparen, entschieden sich die Verantwortlichen für einen Coach mit ähnlichen Ansätzen wie Guardiola.Maresca betreute während Guardiolas Amtszeit zunächst den U-23-Nachwuchs des Vereins und arbeitete danach als sein Assistent in der Triple-Saison 2022/23. Maresca sieht Guardiola sogar verblüffend ähnlich: Glatze, akkurater Vollbart, nahezu gleich gross.Beim schweren Erbe stärkte Manchester City Maresca insbesondere mit der Verpflichtung seines Wunschspielers Fernández den Rücken. Mit ihm hatte Maresca bis zu seiner Entlassung zu Jahresbeginn beim Chelsea FC erfolgreich zusammengearbeitet.Die Ziele des Klubs, alle Titel zu gewinnen, bleiben auch nach Guardiola bestehen. Citys Chairman Khaldoon Al Mubarak sagte, die Aufgabe schrecke zwar viele ab, Maresca begreife sie jedoch als Herausforderung.Zum Ligaauftakt gab es zwei Siege aus zwei Spielen, am Samstag wartet der Aufsteiger Coventry City. Die Hoffnung im Klub ist, dass die jüngsten Entscheidungen greifen – und der nächste Generalumbau vielleicht erst wieder in zehn Jahren nötig wird.Passend zum Artikel
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