Am Dienstagabend fand in einem kleinen iranischen Fischerort an der Straße von Hormus eine Hochzeit statt. Kuhestak heißt der Ort. Wie in den ländlichen Gebieten Südirans üblich, versammelten sich die Gäste im Haus des Brautvaters. Frauen im einen Teil des Gebäudes, Männer im anderen. Gegen 22 Uhr wurden sie durch eine Explosion aufgeschreckt. Ein nahe gelegener Telefonmast, kaum 200 Meter entfernt, wurde getroffen und stürzte zu Boden. Kurz darauf schlug ein Geschoss ins Dach des Hauses ein.Laut der „New York Times“ handelte es sich um eine präzisionsgelenkte Gleitbombe, wie sie vom US-Militär, nicht aber von den iranischen Streitkräften eingesetzt werde. Die Zeitung beruft sich auf einen Kampfmittelspezialisten, der früher für das US-Militär tätig war. Er habe Aufnahmen von Überbleibseln der Bombe analysiert. Videos, die von mehreren internationalen Medien verifiziert wurden, zeigen die Verwüstung des getroffenen Hauses. Das für die Region zuständige US-Regionalkommando Centcom erklärte zunächst lediglich, dass es über die iranischen Berichte Bescheid wisse und dass man grundsätzlich keine Zivilisten angreife.„Unter den Gästen war niemand Bedeutendes“„Getroffen wurde der Teil des Hauses, in dem die Frauen waren“, berichtet einer der Hochzeitsgäste namens Yousef der F.A.Z. in einer Sprachnachricht. „Deshalb wurden vor allem Frauen verletzt.“ Zwei Frauen, ein Kind und ein Jugendlicher wurden nach Angaben der Lokalbehörden getötet. „Die Männersektion war kaum betroffen, weshalb wir sofort beginnen konnten, den Verletzten zu helfen.“ In kleinen Orten wie Kuhestak warteten die Leute nicht auf den Staat. Man habe noch Glück gehabt, dass der Beschuss nicht während des geplanten Abendessens um 23 Uhr stattgefunden habe, wenn noch mehr Gäste anwesend gewesen wären.Trümmer liegen rund um das getroffene Haus in Kuhistik, Iran, am 2. September.ReutersDie laut offiziellen Angaben mehr als 60 Verletzten seien in Krankenhäuser in Minab, Sirik und Bandar Abbas gebracht worden. Im 50 Kilometer entfernten Minab war Ende Februar bei einem mutmaßlichen US-Angriff auf einen danebengelegenen Marinestützpunkt eine Grundschule getroffen worden. Mehr als 150 Personen sollen getötet worden sein. Die Revolutionsgarde warf den Vereinigten Staaten am Mittwoch „Kriegsverbrechen“ vor. Sie versuchte den Vorfall zu nutzen, um die wirtschaftlich leidende Bevölkerung für ihren unnachgiebigen Kurs zu mobilisieren.Yousef, der Hochzeitsbesucher, kann sich den Beschuss in Kuhestak nicht erklären. „Unter den Gästen war niemand Bedeutendes.“ In der Nähe gebe es einen kleinen Hafen, der von Fischern und der Küstenwache genutzt werde. Er sei im Juli vom US-Militär bombardiert worden, wohl weil dort mehrere iranische Militärboote vor Anker gelegen hätten. Außerhalb des Ortes befindet sich ein Marinestützpunkt. Das US-Militär hat unter anderem „Kommunikationsanlagen“ als Ziele der Angriffswelle vom Dienstag benannt. Yousef zufolge wurden in der Gegend mindestens vier Telefonmasten zerstört.Iran greift abermals Militärbasen in Kuwait und den Emiraten anDie iranische Menschenrechtsorganisation Haalvsh teilte mit, dass ihren lokalen Quellen keine militärischen Anlagen in unmittelbarer Nähe des Hauses bekannt seien. Der Brautvater, Ali Mallahi, sagte den Staatsmedien, er habe vor dem Einschlag das Surren von zwei Drohnen gehört. Ein Verwandter des Bräutigams sagte der F.A.Z., Kuhestak werde die Tragödie jetzt auf ewig mit der Hochzeit in Verbindung bringen. Das sei für ihn schwer zu ertragen. Der ganze Ort trägt jetzt Trauer. Die Hauseingänge sind mit schwarzem Stoff verkleidet. Die Leute seien „wütend auf den Krieg“, sagt Yousef.Irans Streitkräfte setzten ihre Vergeltung für die US-Angriffe vom Dienstag am Donnerstag fort. Nach eigenen Angaben griffen sie US-Militärbasen in Kuwait und den Vereinigten Arabischen Emiraten an. In Kuwait seien auf dem Luftwaffenstützpunkt Ahmed al-Dschaber Hangars für Kampfflugzeuge und Satellitenkommunikationssysteme mit Drohnen und Raketen angegriffen worden. In den Emiraten seien Radarsysteme der US-Armee beschossen worden.