PfadnavigationHomeICONISTTrendsKind als KultfigurNorth West ist 13 – und ein Idol. Wer hat das entschieden?Von Lara KutschStand: 08.09.2026Lesedauer: 5 MinutenKardashian-Tochter North West ist mit 13 Jahren längst selbst ein Star – und wird nun sogar als Idol ihrer Generation gefeiertQuelle: Arnold Jerocki/Getty ImagesBlaue Haare, Grillz, eigene Musik – und jetzt auch noch Stilikone. Mit gerade einmal 13 Jahren wird die Tochter von Kim Kardashian und Kanye West zum Idol einer Generation erklärt. Doch wie wird ein Kind zur Kultfigur?GoogleKlicken Sie hier, um sich Artikel von WELT in der Google-Suche bevorzugt anzeigen zu lassen.Jetzt aktivierenMit 13 Jahren probieren die meisten noch aus, wer sie eigentlich sein wollen. North West wird da bereits einige Schritte weiter. North West ist die Tochter von Reality-Superstar Kim Kardashian und dem ähnlich berühmten, sozial und politisch problematischen Rapper Ye, besser bekannt als Kanye West. Als solche steht das Mädchen seit Stunde Null im Rampenlicht. Nun erklärt das britische Magazin „Dazed“ die Teenagerin zum „Idol“. Zum Vorbild einer ganzen Generation.Ausgerechnet die „New Idols“-Herbstausgabe ziert die Nepo-Tochter mit einem Cover, das es in sich hat. Abgelichtet hat sie kein Geringerer als der 74 Jahre alte Filmregisseur Gus Van Sant: Vor einem pinken Hintergrund leuchten ihre knallblauen Haare, ihr Gesicht ist mit mehreren Piercings geschmückt, die Augenbrauen schräg nach oben gezupft, die Lippen dunkel umrandet. Ein hochgezogener Mundwinkel gibt den Blick auf die türkisen Grillz frei, die spitz auf ihren Zähnen kleben. Die neun weiteren Bilder aus der Fotostrecke im Heft zeigen eine ähnlich harte Optik. Boxerstiefel, Nietenarmbänder, eine Bikerjacke in Metallic-Silber – alles schreit nach einem Auftritt, der rebellisch daherkommen soll. Das einzige Kindliche bleiben die zwei zurückgebundenen Zöpfe.Berühmt, bevor sie laufen konnteDabei feiert die junge North West mit dieser Inszenierung keineswegs ihr Debüt. Ihr erster öffentlicher Auftritt fand bereits im Bauch von Kim Kardashian statt, die 2013 mitten in der Laufzeit von „Keeping Up with The Kardashians“ schwanger war. In einem Podcast verriet sie, dass ihr Ex-Mann Kanye West während der Geburt als DJ fungierte und North zu dem Song „Bohemian Rhapsody“ auf die Welt kam. Mit gerade einmal einem Jahr sitzt sie bereits in der ersten Reihe bei Givenchy auf der Pariser Fashion Week. Wenig später verfolgt sie in New York vom Schoß ihrer Mutter eine Adidas-Show ihres Vaters – zwischen niemand Geringerem als „Vogue“-Chefin Anna Wintour und Sängerin Beyoncé. Mittlerweile sind Kim Kardashian und Kanye West geschieden. Die Öffentlichkeit aber bleibt ein fester Bestandteil im Leben ihrer Tochter. Über die Social-Media-Kanäle ihrer Eltern erreicht North Millionen Menschen, lange bevor ein Baby das überhaupt realisieren kann. Inzwischen postet sie unter dem Account „Kim and North“ auch eigene TikTok‑Videos. 21,4 Millionen Menschen folgen ihr, „managed by an adult“ steht prominent in der Bio.Lesen Sie auchRebellion als Teil der MarkeEigentlich war sie also immer schon irgendwie da. North ist keine klassische Aufsteigerin, deren Karriere man mitverfolgt hat, sondern ein Fixpunkt der Popkultur. Man kennt sie, wie man eine Marke kennt. Dabei scheint North inzwischen alles dafür zu tun, sich vom Image ihrer berühmten Familie abzusetzen. Blaue Haare, Grillz, derbe Looks – das Gegenteil jenes makellosen glatten Kardashian-Ideals, mit dem ihre Mutter Milliarden verdient und zahlreiche Beauty-Trends gesetzt hat. Es wirkt wie der Ausbruch einer Teenagerin aus der Welt ihrer Eltern. Dabei ist dieser Ausbruch vor allem eins: inszeniert. North West funktioniert wie eine kuratierte Figur, gestaltet von anderen. Sich selbst identifiziert sie ausgerechnet mit Hatsune Miku – einem virtuellen Popstar aus Japan, der im Umfeld einer Gesangssoftware entwickelt wurde. Die beiden seien wie Zwillinge, sagt sie gegenüber Dazed. Schließlich trägt sie auch blaue Haare und macht ebenfalls Musik.North West hat mit gerade einmal 12 Jahren ihre erste EP „N0rth4evr“ rausgebracht. Der Sound mischt Rage-Rap mit Rock, Emo und Hyperpop. Kurz darauf folgt ihr erster Solo-Auftritt auf einem Festival bei Chicago. „Ich wünschte, das hätte ich schon früher gemacht“, kommentiert sie. Dabei ist North West gerade einmal in einem Alter, in dem die meisten Mädchen in die Pubertät starten.Liegt dieser außergewöhnlich frühe Einstieg in den Medientrubel wirklich im Interesse des Kindes? Die Frage hat sich Kim Kardashian selbst gestellt, vor laufender Kamera. Sie sei „wirklich hin- und hergerissen“ wegen der Karriere ihrer Tochter, sagte sie 2025 in der Kardashians-Serie. North war damals elf. Und trotzdem hält Kim Kardashian ihren Nachwuchs nicht vor der Öffentlichkeit zurück. Die Begründung kommt ebenso skurril daher wie die Serie selbst: Jede Hellseherin, bei der sie gewesen sei, habe ihr gesagt, North sei nicht zu bremsen.Berichte über North West machen jedoch jegliche Kritik schwer. Die Sprache ihrer Songs ist die der Selbstermächtigung: eigener Wille, eigener Stil, eigene Musik, keine Konventionen. „Wie kann es sein, dass ich jünger bin als du, aber du trotzdem zu mir aufschaust?“, fragt sie in ihrem Solo-Track „D!e“. Dabei gibt es keine Erwachsenen, gegen die sie sich durchsetzen müsste. Hinter dem großen Business stehen ihre Eltern. Die Popkultur, die sich seit Social Media mehr Verantwortung, Diversität und Vorbildfunktion zuschreiben will, feiert hier eine Minderjährige als Ikone.Lesen Sie auchKlar, Kinderstars hat es immer schon gegeben. Nicht erst seit den Kardashians. Man denke an Macaulay Culkin, Drew Barrymore oder Miley Cyrus. Was bei North West anders ist: Sie und viele andere Nepo-Babys wachsen von Geburt an in einer Öffentlichkeit auf, die ihrem eigentlichen Werdegang vorausgeht. Ruhm vor Leistung, Bekanntheit vor Persönlichkeit, die Familie als Unternehmen. In ihrem angekündigten Debütalbum wird Kanye West als Executive Producer geführt. Der Vater produziert, die Mutter kommuniziert.Oder noch einfacher gesagt: North West ist damit längst eine Marke, bevor überhaupt klar sein kann, was sie einmal machen oder werden möchte. Ihren früheren Berufswunsch, Basketballspielerin zu werden, von dem sie vor drei Jahren dem Magazin „i-D“ erzählte, hat sie inzwischen verworfen. Und sollte es mit der Künstlerkarriere nicht klappen, kann sich die Milliardärstochter offenbar auch einen erstaunlich gewöhnlichen Nebenjob vorstellen. „Ich möchte nächstes Jahr bei Starbucks oder so arbeiten“, sagt sie „Dazed“. „Ich glaube, das geht nächstes Jahr, weil ich dann 14 bin.“Hinter dem Tresen bei Starbucks wäre North West wohl niemand, den man auf ein Cover setzt. Das haben andere für sie entschieden. Ein Idol wird man nicht, indem man es sein will.
North West ist 13 – und ein Idol. Wer hat das entschieden? - WELT
Blaue Haare, Grillz, eigene Musik – und jetzt auch noch Stilikone. Mit gerade einmal 13 Jahren wird North West zum Idol einer Generation erklärt. Doch wie wird ein Kind zur Kultfigur, bevor es überhaupt erwachsen ist?







