Jamal Musiala sollte zur Weltmarke im Fussball aufgebaut werden – nun ist seine Zukunft ungewissDie Erkrankung des Mittelfeldspielers ist ein Rückschlag für den FC Bayern. Er spielt in den wirtschaftlichen Plänen eine zentrale Rolle.03.09.2026, 05.30 Uhr5 LeseminutenJamal Musiala wird gegen Heidenheim vom Feld geleitet.Sven Simon / ImagoEs ist still geworden um Jamal Musiala, jenen Fussballspieler, auf den der FC Bayern seine Zukunft gebaut hat. Nicht einmal zwei Wochen sind vergangen seit jener Nachricht darüber, dass er an epileptischen Absencen leide. Behandelbar sei diese Erkrankung, hiess es bald darauf. Zweimal, gegen Leipzig und Heidenheim, war Musiala innert vier Tagen in der Saisonvorbereitung auf dem Spielfeld zusammengebrochen.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Jamal Musiala ist ein besonderer Fussballer für den FC Bayern. Nicht bloss wegen seiner Qualitäten, sondern auch wegen der Art und Weise, wie er zum Klub stiess. Anders als einige der grossen Bayern-Helden wie Thomas Müller, Bastian Schweinsteiger und Philipp Lahm wurde er nicht in der Jugendakademie des Vereins aufgebaut. Wegen seines Vaters verbrachte er seine ersten ambitionierten Fussballjahre in England beim FC Chelsea. Dass er anschliessend nach Deutschland zurückkehrte und sich im Münchner Nachwuchs schnell einen Namen machte, erwies sich für den Verein als Glücksfall.Hermann Gerland förderte MusialaEiner, der sein Talent schon früh erkannte, war Hermann Gerland, der fünf Cheftrainern als Assistent in München diente. «Hansi, jetzt zeig ich dir den besten Spieler, der auf dem Campus rumläuft!», sagte Gerland in einem Interview mit der «Süddeutschen Zeitung» über Musiala. Hansi Flick, damals Cheftrainer der Bayern, war sofort überzeugt von der Einschätzung des legendären Talenteförderers aus dem Ruhrpott.Ein Spieler, der keine Ablösesumme kostet, schafft an anderer Stelle finanziellen Spielraum. Als Musiala vor zwei Jahren seinen neuen Vertrag beim FC Bayern unterschrieb, wurde die Vertragsverlängerung mit viel Tamtam inszeniert. Musiala trug einen Frack, setzte sich an einen Flügel und spielte Klavier. «He is him» lautete der Slogan. Doch auf eine eigentümliche Weise wirkte die Inszenierung gar nicht affektiert. Denn tatsächlich ist Musiala in seiner Spielweise, seinem feinen, geradezu barocken Raffinement, ein Horowitz des Fussballs.Die Unterschrift brachte ihm viel Geld ein. Musiala stieg in den erlesenen Kreis der bayrischen Spitzenverdiener auf, deren Gehälter nördlich von 20 Millionen Euro liegen, in eine Liga mit dem Engländer Harry Kane. Doch eigentlich war er die Nummer eins im Kader: Kane war, bei aller Klasse, ein alternder Revolverheld, während Musiala – so sah es zu jener Zeit aus – die blendende Zukunft noch vor sich hatte.Hansi Flick erkannte Jamal Musialas Qualitäten früh. Hier 2022 bei einem Nations-League-Spiel gegen England.Stefan Matzke / GettyDer Umstand, dass Musiala bereits ein Münchner war, als ihn diese auf das Podest hoben, ist alles andere als trivial. Denn die Bayern scheuen, obwohl gegenüber ihren eigenen Spielern durchaus generös, teure Experimente auf dem Transfermarkt. Florian Wirtz etwa kostete beim Wechsel zum FC Liverpool rund 150 Millionen Euro – eine ähnliche Summe wäre für einen Spieler der Kategorie Musiala durchaus fällig gewesen. Das verschafft Raum im Gehaltsgefüge und verkürzt ein wenig die Distanz zur Konkurrenz in der Premier League.Die Erwartung, die sich in der Inszenierung des Profis durch einen Klub materialisierte, war klar: Musiala sollte zu einer der wenigen Marken werden, die den Weltfussball in den kommenden Jahren prägen. Und diese Hoffnung war durchaus berechtigt, denn neben seinen fussballerischen Fähigkeiten bringt der junge Mann auch ein ausgesprochen gewinnendes Wesen mit. In gewisser Weise ist es bezeichnend, dass die AfD-Vorsitzende Alice Weidel bei der EM 2024 Musiala als den deutschen Spieler nannte, der ihr am besten gefalle.Der Vorwurf des «Kinderfussballs»Nur verlaufen Karrieren im Profifussball nicht unbedingt linear. Wer an die Fussball-Weltmeisterschaft 2022 zurückdenkt, an das Spiel der deutschen Mannschaft gegen Spanien, der wird sich vielleicht erinnern: Vor dem Match wurde gern der Vergleich zwischen Jamal Musiala und Pedri angestellt. Zwei Spieler, so glaubte man damals, denen eine glänzende Zukunft bevorstehe. Pedris Karriere verlief seither respektabel – aber wer hätte ahnen können, dass nur zwei Jahre später mit Lamine Yamal, ebenfalls beim FC Barcelona, ein Spieler auf den Plan treten würde, der mit nur 16 Jahren die Erwartungen übertraf, die man in beide gesetzt hatte?Natürlich kann man einwenden: Jamal Musiala hatte grosses Pech. Der Zusammenstoss mit dem Goalie Gianluigi Donnarumma an der Klub-WM im Sommer 2025 kostete ihn beinahe ein Jahr seiner Karriere.Zu berücksichtigen ist zudem, dass ihm Kritiker – etwa der TV-Kommentator Marcel Reif – bei der Weltmeisterschaft attestierten, «Kinderfussball» zu spielen. Doch die Jahre zwischen 2022 und 2024 zeigen durchaus eine andere, interessante Entwicklung Musialas. Gewiss, sein Treffer sicherte den Bayern die Meisterschaft 2023. Entscheidende Aktionen in grossen Spielen blieben allerdings auch vor dem Jahr 2025 eher die Ausnahme.Die Lesart der Bayern ist eine einfache: Seit einem Jahr wisse man von den gesundheitlichen Problemen; der Spieler sei gut eingestellt gewesen, doch weil die Medikamentendosis verändert worden sei, seien die aktuellen Probleme aufgetreten. Nicht nur die Bayern haben Bescheid gewusst, sondern auch die Nationalmannschaft. Spekulationen über die medizinische Ursache sind ohne Kenntnis der Patientenakte völlig unseriös.Aber man kann durchaus die Frage stellen, ob es plausibel ist, dass bei einem Klub wie dem FC Bayern, dessen Gehälter zu den höchsten im Weltfussball zählen, eine solche Information derart lange geheim bleiben kann. Auch die Nationalmannschaft sei schon länger im Bilde gewesen, was wiederum bedeutet, dass im Prinzip die gesamte Bundesliga Kenntnis von der Erkrankung gehabt haben müsste. Als sonderlich diskrete Branche gilt der Profifussball nicht. Eine solche Information dürfte vor allem für die Spielerberater einen Wert haben, wenn es darum geht, die Forderungen ihrer Mandanten bei Gehaltsverhandlungen durchzusetzen.Das Kader ist das FundamentDer FC Bayern zählt zu den grössten Klubs des Weltfussballs; durch eine kluge Führung haben sich die Münchner trotz grosser internationaler Konkurrenz behaupten können. Die wirtschaftliche Stärke der Bayern ist enorm – neben Real Madrid ist der Klub bislang der einzige, der mehr als eine Milliarde Euro Umsatz erzielt. Das Fundament einer solchen Potenz ist allerdings die Perspektive, die einem Kader zugebilligt wird. Zwar lässt sich ein Fussballklub wie der FC Bayern nicht direkt mit einem börsengehandelten Unternehmen vergleichen, aber auch im Klubfussball wird das Versprechen auf eine glänzende Zukunft gehandelt.In einem solchen Kontext ist ein Spieler wie Musiala ein wichtiger Faktor. Gegenwärtig verhandeln die Münchner mit dem Heiztechnikhersteller Viessmann über eine fünfprozentige Beteiligung; der Konzern wäre das, was die Bayern einen strategischen Partner nennen. 250 bis 300 Millionen Euro stehen im Raum. In einer solchen Summe sind auch die Hoffnungen auf jene Karriere enthalten, die die Bayern Jamal Musiala gerne zutrauen würden.Passend zum Artikel