Vor dem Landgericht Gießen hat am Mittwoch der Prozess gegen einen Mann begonnen, der bei einer Irrfahrt mit einem Auto kurz vor Weihnachten 2025 mehrere Menschen verletzt haben soll. Die ihm zur Last gelegte Tat stritt der Dreiunddreißigjährige bei seiner Befragung nicht ab und äußerte auch mehrfach sein Bedauern gegenüber den Opfern. Zu den Hintergründen der Tat sowie zu seiner Lebensgeschichte machte er aber zugleich wirre Angaben.Zum Tatzeitpunkt soll der Beschuldigte unter einer akuten Psychose gelitten haben, die nach Einschätzung der Staatsanwaltschaft Auslöser für die Irrfahrt gewesen war. In dem Sicherungsverfahren will sie erreichen, dass der Beschuldigte dauerhaft in einer Psychiatrie untergebracht wird.Am Abend des 22. Dezembers 2025 soll der nicht vorbestrafte Mann auf einer der Hauptverkehrsstraßen in Gießen zunächst in seinem Auto mit einem anderen Fahrzeug zusammengestoßen sein. Danach soll er auf die Gegenspur gewechselt und mit überhöhter Geschwindigkeit gezielt auf einen geparkten Wagen aufgefahren sein, der durch den Aufprall in Richtung einer Bushaltestelle geschleudert wurde.Passantin erlitt zahlreiche KnochenbrücheDort soll das Auto eine Passantin erfasst haben, die schwer verletzt wurde. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass der Mann ihren Tod zumindest billigend in Kauf genommen habe. Die Frau hatte zahlreiche Knochenbrüche erlitten und musste zeitweise in ein künstliches Koma versetzt werden. In dem Verfahren tritt sie als Nebenklägerin auf.Danach soll der Mann teils über den Gehweg weitergefahren sein und zwei weitere Menschen leicht verletzt haben. Nachdem er mit dem Wagen noch gegen ein geparktes Auto geprallt sein soll, wurde er schließlich festgenommen.„Es tut mir leid, herzlich“, sagte der in Aserbaidschan geborene Mann, dessen Aussagen teils durch einen Dolmetscher übersetzt wurden. „Ich habe Mitgefühl, von ganzem Herzen, wegen dem Geschehenen.“ Er habe Jura studiert und zeitweise als Staatsanwalt gearbeitet. Während der Autofahrt am Tatabend habe er einen Herzinfarkt gehabt und seine linke Seite nicht mehr fühlen können.Staatsanwaltschaft schätzt Beschuldigten als gefährlich einIn diesem Zustand hätte er nicht mehr Auto fahren, sondern den Notruf wählen sollen, sagte er. Sein Vater sei Chirurg und habe ihn selbst schon einmal in seiner Heimat am Herzen operiert. Er habe eigentlich zu einem Krankenhaus fahren wollen, dann aber die Kontrolle verloren. Er erinnere sich nur an den Moment, als die Polizei ihn aus dem Auto habe holen wollen. Das Fahrzeug habe einem Freund gehört, dem er es zuvor verkauft habe. Von den Folgen der Irrfahrt habe er erst durch ein Schreiben erfahren, das ihm zugestellt worden sei.Die Staatsanwaltschaft legt dem Beschuldigten versuchten Mord, gefährliche Körperverletzung und gefährlichen Eingriff in den Straßenverkehr zur Last. Die Tat soll er laut Staatsanwaltschaft im Zustand der Schuldunfähigkeit begangen haben. Die Strafverfolger sind davon überzeugt, dass von ihm eine Gefahr für die Allgemeinheit ausgeht, wie Staatsanwalt Tom Bayer sagte.Derzeit ist der Beschuldigte in einem psychiatrischen Krankenhaus untergebracht. Sein Arzt habe ihm gesagt, dass er eine Psychose habe. „Ich merke das nicht“, sagte der Beschuldigte. Er nehme täglich Medikamente.Sein Verteidiger Philipp Kleiner erklärte zum Auftakt des Prozesses, man habe „nicht den geringsten Zweifel“, dass sich das Geschehene so zugetragen habe wie in der Antragsschrift geschildert. Zugleich wandte er sich an die bei der Fahrt schwer verletzte Nebenklägerin: „Das, was Ihnen zugestoßen ist, dieses traumatische Erlebnis, wir können das gar nicht in Worte fassen, wie sehr uns das für Sie leidtut.“ Der Prozess wird fortgesetzt.
Autofahrer rast in Gießen in Bushaltestelle, heute tut es ihm leid
Ein Auto rast durch Gießen, mehrere Menschen werden verletzt – jetzt steht der mutmaßliche Täter vor Gericht. Er soll in einer Psychose gehandelt haben. Und macht teils wirre Angaben.








