Russland hat Iran laut einem Bericht der „Financial Times“ bei der Entwicklung von Überschall-Marschflugkörpern unterstützt, die künftig unter anderem gegen amerikanische Kriegsschiffe eingesetzt werden könnten. Der Bericht stützt sich insbesondere auf durchgestochene russische Kommunikation. Demnach unterzeichneten beide Seiten im November 2023 einen Vertrag über einen entsprechenden Technologietransfer unter dem Codenamen C430L. Die Zusammenarbeit sei nach Beginn des jüngsten Irankriegs fortgesetzt worden, schreibt die Zeitung. Das Antriebssystem für die Marschflugkörper sei von Iran inzwischen hergestellt und getestet worden. Es gebe aber keine Belege dafür, dass es im Krieg bereits eingesetzt worden sei.Laut „Financial Times“ waren von russischer Seite das staatliche Rüstungsexportunternehmen Rosoboronexport sowie der Rüstungskonzern NPO Maschinostrojenija beteiligt. Gegen Letzteren verhängten die Vereinigten Staaten 2014 und 2023 Sanktionen. Vertragspartner auf iranischer Seite soll das Verteidigungsministerium gewesen sein, das für Rüstungsbeschaffung zuständig ist. Führende Ingenieure von NPO Maschinostrojenija seien mehrfach nach Iran geflogen, heißt es in dem Bericht unter Berufung auf durchgestochene Reiseinformationen. Zudem hätten sich die Ingenieure über Kommunikationskanäle im Rahmen der iranischen Triebwerktests mit Teheran intensiv über technische Daten ausgetauscht.Der Technologietransfer ist ein weiterer Beleg dafür, dass Moskau und Teheran ihre Rüstungskooperation seit dem Beginn des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine massiv verstärkt haben. Zunächst hatte Iran Russland mit Kampfdrohnen vom Typ Shahed-136 beliefert, die Moskau auch dank ihrer geringen Herstellungskosten massenhaft einsetzte, um die ukrainische Flugabwehr zu überwinden. Später unterstützte Teheran Moskau dabei, die Drohnen unter der Bezeichnung Geran-2 im eigenen Land herzustellen. Nach Angaben der Europäischen Union belieferte Iran Russland auch mit Raketen. Umgekehrt soll Moskau Teheran unter anderem Satellitenbilder zur besseren Zielerfassung amerikanischer Stützpunkte in der Golfregion bereitgestellt haben. Die „Financial Times“ berichtete im Februar dieses Jahres über eine Vereinbarung zur Lieferung russischer schultergestützter Lenkwaffen an Teheran.Putin sagt Iran Lieferung der „nötigen Ausrüstung“ zuDie nun enthüllte Zusammenarbeit bei Überschall-Marschflugkörpern zeigt, dass Russland offenbar schon 2023 bereit war, sich mit substanziellen Technologietransfers zu revanchieren. Die hohe Geschwindigkeit der Flugkörper und ihre niedrige Flughöhe könnten Irans Fähigkeiten zur Überwindung amerikanischer Luftverteidigungssysteme in der Region stärken. Bei Raketen- und Drohnenangriffen auf amerikanische Stützpunkte in Jordanien, Bahrain und Kuwait war es Teheran mehrfach gelungen, Flugabwehrsysteme zu überwinden. Dabei wurden in Jordanien und Kuwait mehrere amerikanische Soldaten getötet. Der Einsatz der Marschflugkörper gegen Kriegsschiffe könnte zudem die US-Bemühungen um eine Absicherung der Schifffahrt in der Straße von Hormus erschweren.Im Januar 2025 hatten Russland und Iran ein Strategisches Partnerschaftsabkommen unterzeichnet. In dieser Woche bekräftigten die Präsidenten Wladimir Putin und Massud Peseschkian beim Gipfel der Shanghaier Organisation für Zusammenarbeit in der kirgisischen Hauptstadt Bischkek die engen Beziehungen. Peseschkian blieb vage, sprach von „Positionen“, mit denen Moskau Teheran im Sicherheitsrat der Vereinten Nationen unterstützt habe. Putin dagegen sagte zu dem Iraner: „Wir versuchen, Ihnen in diesen schwierigen Zeiten die Unterstützung bereitzustellen, die Sie brauchen.“ Er fügte hinzu, man werde Iran „die notwendige Ausrüstung liefern“. Darüber habe man in Bischkek gesprochen.
Neue Marschflugkörper: Wie Russland Iran aufrüstet
Moskau soll Teheran bei der Entwicklung von Überschall-Marschflugkörpern geholfen haben. Es ist der jüngste Beleg für eine enger werdende Rüstungskooperation.










