Am Sonntag wählt Sachsen-Anhalt einen neuen Landtag. Wenige Tage vor der Abstimmung verbreitet sich in den sozialen Medien eine Grafik, die der AfD 46 Prozent der Stimmen zuschreibt und sie die absolute Mehrheit der Mandate erreichen lässt. Der Haken: Die angebliche Umfrage ist gefälscht.Das gefälschte Säulendiagramm kursiert unter anderem auf der Plattform X. Ein Nutzer kündigte es als „Neueste INSA-Umfrage“ an und schrieb: „Der Sieg für die Blauen ist zum Greifen nah.“ Als Datum nennt die Grafik den 29. August, als Institut Insa und als Auftraggeberin die „Mitteldeutsche Zeitung“. Sie weist 46 Prozent für die AfD, 20 Prozent für die CDU, zehn Prozent für die Linke, jeweils fünf Prozent für SPD und BSW, 4,5 Prozent für die Grünen sowie vier Prozent für die FDP aus, zudem 1,5 Prozent für Sonstige. Es kursiert außerdem eine Variation, in der die AfD auf 45,5 Prozent kommt und auch die anderen Parteien mit leicht niedrigeren Werten ausgewiesen sind.„Das ist Fake. Das kommt nicht von uns“Grüne und FDP würden in den Erhebungen unter die Fünfprozenthürde fallen und aus dem Landtag fliegen. Zudem erweckt die gefälschte Umfrage den Eindruck, eine Alleinregierung der AfD rücke in unmittelbare Nähe: Sie hätte mehr als die Hälfte der Landtagssitze gewonnen. Eine aktuelle Insa-Umfrage, die solche Ergebnisse decken würde, existiert jedoch nicht: Die „Mitteldeutsche Zeitung“ erklärt in einem Statement, sie habe die Befragung nicht bestellt und prüfe rechtliche Schritte. Insa-Chef Hermann Binkert sagte gegenüber der Zeitung: „Das ist Fake. Das kommt nicht von uns.“ Wer die Grafik hergestellt und in Umlauf gebracht hat, ist unklar.Jüngste seriöse Erhebungen weisen niedrigere Werte aus. Die Forschungsgruppe Wahlen sah die AfD Ende August für das ZDF bei 40 Prozent, die CDU bei 23, die Linke bei 13, die SPD bei neun und die Grünen bei sechs Prozent. Infratest dimap ermittelte für die ARD 42 Prozent für die AfD und 22 Prozent für die CDU. Die letzte echte Insa-Umfrage stammt von Anfang August für die „Bild“-Zeitung, sie sah die AfD ebenfalls bei 42 Prozent. Ob die AfD bei der Wahl am 6. September tatsächlich eine absolute Mehrheit der Sitze im Landtag erreichen kann, ist angesichts echter Erhebungen fraglich.Abgesehen davon, dass die Umfrage nicht auf realen Erhebungsergebnissen fußt, hat sie auch mehrere logische Fehler. Die angegebenen Stimmenanteile summieren sich lediglich auf 96 Prozent. Auch die ausgewiesenen Veränderungen widersprechen früheren Erhebungen. Für die Linke nennt die Grafik etwa bei zehn Prozent ein Plus von 0,5 Punkten, obwohl die Partei in allen Umfragen des Jahres 2026 zuvor zweistellig lag und bei der letzten Landtagswahl auf elf Prozent gekommen war. Weitere Fehler stecken im Bild. Das Landeswappen wirkt verwaschen und nachträglich eingefügt, im Hintergrund steht eine Schlosskulisse, die sich keinem realen Gebäude in Sachsen-Anhalt zuordnen lässt. Solche Unstimmigkeiten sind Hinweise auf ein KI-generiertes Bild.180 gefälschte Beiträge vor Wahlen gezähltNutzer, denen eine Umfrage im Kontext von Social Media begegnet, können zur Überprüfung Datum, Auftraggeber, Befragtenzahl und Methode prüfen, die Werte addieren und sie mit veröffentlichten Erhebungen vergleichen. Verzerrte Logos, auffällige Schriften und widersprüchliche Zahlen liefern Hinweise auf Fälschungen, die besonders kurz vor Wahlen gefährlich sind. Sie können den Eindruck klarer Mehrheiten erzeugen, Anhänger mobilisieren oder taktische Wahlentscheidungen beeinflussen. Zugleich beschädigen sie das Vertrauen in echte Erhebungen und journalistische Medien.Die gefälschte Grafik ist ein weiterer Desinformationsangriff auf eine deutsche Wahl. Diese hatten sich zuletzt gehäuft: Seit Ende Juni wurden auf X, Bluesky und Tiktok mehr als 180 gefälschte Beiträge gezählt, die Kandidaten vor mehreren deutschen Wahlen angreifen. Verbreitet werden diese vielfach von einem Netzwerk russischer Bots im Rahmen der Operation „Matrjoschka“, auch „Overload“ genannt. Manche dieser Beiträge geben sich als Inhalte großer Medienhäuser aus und bezichtigen zum Teil Kandidaten schwerer Verbrechen.Fachleute und Sicherheitsbehörden sehen deutliche Hinweise auf einen russischen Ursprung. Eine Verbindung zum russischen Staat ist für „Matrjoschka“ allerdings nicht abschließend belegt. Forscher verweisen auf russische Sprachspuren, technische Verbindungen zu bekannten Operationen sowie prorussische und EU-feindliche Erzählungen. Ob die falsche Wahlgrafik ebenfalls diesen Operationen zugerechnet werden kann, ist offen.
Wahl Sachsen-Anhalt 2026: Fake-Umfrage setzt AfD auf 46 Prozent
Kurz vor der Wahl in Sachsen-Anhalt kursiert eine gefälschte Insa-Umfrage. Sie hievt die AfD auf 46 Prozent. Die Urheber enttarnen sich durch plumpe Rechenfehler und ein halluziniertes Märchenschloss.













