PfadnavigationHomeSportFußballEberhard Vogel (83†)Trauer um den stillen Star, der den DDR-Fußball prägteVeröffentlicht am 02.09.2026Lesedauer: 3 MinutenEberhard Vogel im März 2018 mit Originalball der Olympiaqualifikation von 1972 Quelle: picture alliance/Bodo Schackow/dpa-Zentralbild/ZBOlympiaheld, Rekordspieler, ruhiger Anführer – Eberhard Vogel war ein Star auf dem Rasen, aber keiner für die Schlagzeilen. Mit dem ehemaligen DDR-Spieler verliert der deutsche Fußball eine große Persönlichkeit.GoogleKlicken Sie hier, um sich Artikel von WELT in der Google-Suche bevorzugt anzeigen zu lassen.Jetzt aktivierenEr stand 1981 im Europapokalfinale. Er holte Olympia-Bronze 1964 in Tokio und 1972 in München. Für den FC Karl-Marx-Stadt und den FC Carl Zeiss Jena absolvierte er 440 Spiele in der Oberliga der DDR. Kein Fußballer kam häufiger in der höchsten Spielklasse des Ostens zum Einsatz. Nun ist Eberhard Vogel im Alter von 83 Jahren nach langer Krankheit in Jena gestorben. Der Mann mit dem Spitznamen „Matz“ war kein Lautsprecher, kein Showman. Aber wenn der Ball rollte, gehörte er zu den Größten seines Landes.Geboren am 8. April 1943 in Altenhain bei Karl-Marx-Stadt, führte ihn sein Weg zunächst zum SC Motor Karl-Marx-Stadt, später zum FC Karl-Marx-Stadt. Dort entwickelte sich der flinke Außenstürmer zu einem Nationalspieler von internationalem Format. 1967 krönte er sich mit Karl-Marx-Stadt zum DDR-Meister.Gesicht einer goldenen GenerationSchon damals galt Vogel als Ausnahmefußballer, der Tempo, Technik und Torinstinkt vereinte. Doch eine der größten Entscheidungen seiner Karriere fiel 1970. Nach dem Abstieg des FC Karl-Marx-Stadt wechselte Vogel zum FC Carl Zeiss Jena. Ein Schritt, der ihn endgültig zur Legende machte. Zwölf Jahre spielte er für den Thüringer Spitzenklub und gewann mehrere FDGB-Pokale. Mit seinen Toren und seiner Übersicht wurde er zum Gesicht einer goldenen Jenaer Generation.Noch mit 38 Jahren stand der „immergrüne Matz“, wie er einmal von Schriftsteller Christoph Diekmann geadelt wurde, im Europapokal-Finale. In der legendären Saison kickte Carl Zeiss erst den AS Rom, dann Cup-Verteidiger Valencia, den walisischen Drittligisten Newport County und Benfica Lissabon aus dem Wettbewerb. Erst im Endspiel gegen Dynamo Tiflis mussten sich die Thüringer geschlagen geben.Zweimal Olympia-Bronze für die DDRAuch für die DDR-Nationalmannschaft war Vogel unverzichtbar. Zwischen 1962 und 1976 absolvierte er 74 Länderspiele und erzielte 25 Tore. Damit gehörte er über mehr als ein Jahrzehnt zu den wichtigsten Spielern des Landes. Ganz besondere Kapitel seiner Karriere schrieb Vogel bei den Olympischen Spielen. 1964 in Tokio gehörte er zur deutschen Olympiaauswahl, die faktisch von der DDR gestellt wurde und die Bronzemedaille gewann. Acht Jahre später wiederholte er den Erfolg bei den Spielen in München. Zwei olympische Bronzemedaillen, zwei große Momente für einen herausragenden Fußballer. Im DDR-Fußball war Vogel außerdem mit zehn Treffern einer der erfolgreichsten Olympia-Spieler seines Landes.Nach dem Ende seiner aktiven Laufbahn verschwand Vogel nicht von der Fußballbühne. Zunächst arbeitete er als Trainer im DDR-Fußballverband. Nach der Wende stellte er sich den Herausforderungen des neuen Fußballzeitalters. Er trainierte unter anderem die Amateurteams von Borussia Mönchengladbach und dem 1. FC Köln, übernahm später Hannover 96 und kehrte anschließend zu seinem Herzensverein, dem FC Carl Zeiss Jena, zurück. Lesen Sie auchEr schaffte mit seinem FCC 1994/95 den Aufstieg in die 2. Liga. Später arbeitete er als Nationaltrainer von Togo. Es folgten weitere Stationen beim 1. FC Magdeburg, beim Dresdner SC und anderen Vereinen.Ob in Karl-Marx-Stadt, in Jena oder im Trikot der Nationalmannschaft: Eberhard Vogel stand immer für Leidenschaft, Beständigkeit und Klasse. Er war kein Star für die Schlagzeilen, sondern ein Star für den Rasen. Einer, der Generationen von Fans begeisterte und bis heute als einer der größten Fußballer gilt, die die DDR je hervorgebracht hat.Michael Ulbrich