Trotz Hitzeperioden, Dürre und verdunstender Wasserstraßen: Deutschlands Winzer sind mittlerweile vorsichtig optimistisch, was die Güte der Trauben 2026 betrifft – und damit auch des Jahrgangs. Man dürfe sich durch die verheerenden Landschaftsbilder im Sommer nicht täuschen lassen, höre ich viele Winzer sagen, die sich gedanklich bereits im Herbst befinden. Im Gegensatz zu Kartoffeln, Mais und Zuckerrüben haben Weinreben tiefe Wurzeln – und damit Zugang zu Wasser. Daher ist alles, was südlich von Hannover in der Landschaft grünt: Wald oder Weinberg.Wer über alte, tief wurzelnde Reben und Lagen oder Böden mit guter Wasserspeicherkapazität verfügt, ist in diesem Jahr im Vorteil. Weinreben in kiesigen oder sandigen Böden oder auch mit noch wenig entwickeltem Wurzelwerk haben mit Trockenstress zu kämpfen. Wo aber kein Wasser ist, bleiben Trauben wie Beeren klein und dickschalig. Saft haben diese Früchte nur wenig, dafür aber Zucker. Doch nur Zucker ergibt keinen guten Geschmack.

„Vor einer Woche noch schmeckten die Trauben wie karamellisierter Zucker“, sagt etwa Hanspeter Ziereisen im südbadischen Markgräflerland. Was fehlte, waren Säure, Mineralstoffe und reife Phenole. Ebenjener „Biss“, der eine Frucht erst schmackhaft macht. Mittlerweile habe sich das Blatt aber gewendet, so Ziereisen. 30 Liter Regen habe es in den letzten acht bis zehn Tagen gegeben. Dazu sind die Nächte abgekühlt. So können die Trauben weiter im gesunden Zustand reifen und auch Säure, Aromen und Inhaltsstoffe einlagern. „So langsam kommt der Geschmack“, so der fröhliche Alemanne. Dennoch wird die Lese auch bei ihm früher beginnen als nach den oft zitierten 100 Tagen nach der Blüte. „Übernächste Woche geht es richtig los“, schätzt Ziereisen, der bis zu diesem Wochenende nur Trauben für Sektgrundwein und Rosé liest.Humusreiche Böden helfen Wasser zu sparenDas tut auch Simone Adams in Ingelheim, Rheinhessen – und traut sich kaum zu sagen, „dass die Saftausbeute nur drei Prozent weniger war als in normalen Jahren“. Sie führt das auf die biodynamische Bewirtschaftung ihrer Reben zurück. Aus eigener Erfahrung, aber auch aus der Forschung weiß die promovierte Önologin, dass große Jahrgänge immer nur in defizitären Jahren entstehen: „Die Reben müssen leiden, aber natürlich nicht zu sehr.“Adams begegnet den Herausforderungen extremer Witterungsbedingungen in erster Linie weinbaulich. Das heißt in diesem Jahr vor allem: wassersparend zu arbeiten. Dabei helfen gesunde, humusreiche und beschattete Böden und Trauben sowie die Unterbrechung des Kapillareffekts. Daher bricht sie den Boden nicht um, sondern nur die obere, etwa fünf Zentimeter tiefe Schicht. „Das reicht, um die unerwünschte Verdunstung des Wassers zu unterbinden.“Andere Winzer bearbeiten ihre Böden gar nicht, bewässern sie aber – eine durchaus umstrittene, möglicherweise aber kontraproduktive Maßnahme. Wobei man in sehr kargen Lagen ohne tiefes Wurzelsystem kaum auf die Bewässerung verzichten kann. Nicht jeder ist so gut dran wie die Moselwinzer in Graach, wo etwa im Domprobst und im Himmelreich auch jetzt noch Quellwasser aus dem Berg rinnt. Christoph Schaefer hält daher einen „grandiosen Jahrgang 2026“ für möglich, ebenso wie Eva Fricke im Rheingau und Cornelius Dönnhoff an der Nahe. Dazu braucht es jetzt aber zwei „grandiose“ Wochen mit möglichst wenig Regen.