Kürzlich wollte Annette Koch ihre Mutter, die im Krankenhaus lag, besuchen. Da diese in der Schweiz lebt, buchte sie einen Flug und nahm sich den Freitag frei. Beim Kofferpacken stand sie vor ihrem Kleiderschrank und versuchte zu antizipieren, welche Outfits ihre Mutter gutheißen würde. „Ich habe versucht, das Risiko zu reduzieren, dass meiner Mutter eines meiner Outfits nicht gefällt“, erklärt sie. „Aber sicher kann man nie sein.“ Annettes Mutter ist nämlich nie zufrieden mit dem, was Annette trägt. Obwohl Annette schon 53 ist und im Job ihre Frau steht. „Das ist so farblos, was du da anhast“, sagt ihre Mutter dann zum Beispiel – und drapiert eines ihrer Seidentücher um Annettes Hals, ohne sie zu fragen, ob sie das möchte. Oder sie drängt ihr ein aussortiertes Kleidungsstück von sich selbst auf, zum Beispiel eine Leopardenleggins, und sagt: „Die musst du jetzt einfach mal anziehen.“ Wenn Annette dann abwehrt: „Nein, das möchte ich nicht. Die gefällt mir nicht“, beschwert sich ihre Mutter: „Ich tu’ dir was Gutes, und jetzt bist du so undankbar!“
Wie eine 53-Jährige ihren übergriffigen Eltern Grenzen setzt
Wenn Eltern ihre erwachsenen Kinder kontrollieren wollen, wird Fürsorge zur Belastung. Eine 53 Jahre alte Betroffene erzählt, wie sie mit dem ständigen Bestimmen und der Kritik ihrer Mutter umgeht, eine Expertin weiß Auswege.






