PfadnavigationHomeWissenschaftSturzflut„Ähnliche Ereignisse können auch in den Alpen vorkommen“Stand: 04.09.2026Lesedauer: 3 MinutenIm Jahr 2025 verwüstete eine Lawine das Dorf Blatten im Lötschental Quelle: picture alliance/KEYSTONE/LAURENT GILLIERONRauscht eine Lawine aus Stein und Erde ins Tal, entfesselt sie gewaltige Kräfte. Ganze Dörfer können unter den Geröllmassen verschwinden. Experten erklären, was die Alpen dabei vom Himalaja unterscheidet.GoogleKlicken Sie hier, um sich Artikel von WELT in der Google-Suche bevorzugt anzeigen zu lassen.Jetzt aktivierenLöst sich ein Fels oder Gletscher vom Berghang, kann das für gewaltige Zerstörung sorgen. Ein Beispiel ist der Bergsturz von Blatten im Schweizer Kanton Wallis im Mai 2025. Damals stürzten große Mengen Fels und Eis vom Birch-Gletscher ins Tal und verschütteten 90 Prozent des Ortes. Ein aktuelles Beispiel ist die Sturzflut im Himalaja. Die riesige Flut rollte aus 5000 Metern Höhe zwischen Nepal und China ins Tal hinab. Auf dem Weg forderte sie rund 900 Opfer. Mehr als 3000 Menschen werden vermisst.Hinter derartigen Sturzfluten steckt ein Mechanismus: Löst sich ein Stück vom Fels oder Gletscher, stürzt dieser hinab ins Tal und kann darüber liegende Gletscher mit sich reißen. Wird so ein Fluss durch das Geröll und Gestein blockiert, bildet sich ein See. Das Wasser staut sich, die Gefahr einer Sturzflut aus Stein, Wasser und Erde wächst. Lesen Sie auchDoch wie wahrscheinlich ist ein solcher Vorfall in den europäischen Alpen? „Ähnliche Ereignisse können auch in den Alpen vorkommen“, sagt Jan Beutel gegenüber dem „Science Media Center“. Er ist Professor für Hochalpine Kryosphäre an der Universität Innsbruck.Wissenschaftler untersuchen seit Jahren, wie sich die Gletscher in den Alpen verändern. „Die Kombination von großen Fels- und Gletscherabbrüchen ist auch aus den Alpen bekannt“, bestätigt auch Michael Bründl. Er forscht aktiv zu der Thematik am WSL-Institut für Schnee- und Lawinenforschung (SLF) in der Schweiz. Lesen Sie auchDie Höhenunterschiede in den Alpen seien allerdings deutlich geringer als in höheren Gebirgen wie dem Himalaja. Deshalb sei das Ausmaß der potenziellen Zerstörung deutlich kleiner. Felsstürze gibt es seit jeher. Oft kündigen sie sich durch verdächtig geformte Felshänge oder Gletscherbewegung an. Experten beobachten solche Gebiete meist, um Stunden oder Tage vor einem möglichen Ereignis bereits Menschen zu evakuieren oder Gebiete zu sperren. „In den Alpen treten große Kaskadenereignisse glücklicherweise bislang eher selten auf. Eine Abschätzung der Wahrscheinlichkeit solcher Ereignisse ist äußerst schwierig bis nicht möglich“, fügt Bründl hinzu.Doch wodurch werden solche Fels- und Gletscherstürze ausgelöst? Höhere Temperaturen lassen Permafrost und das Eis in Felsspalten schmelzen. Permafrost gilt als Kitt, der die Berge in ihrer Formation zusammenhält. Schmilzt der Permafrost, weil die Außentemperatur zu warm ist, droht, dass Teile der Felsen auseinanderbrechen. „Die Temperatur in der Schweiz ist seit Messbeginn um rund 3,0 Grad Celsius über den vorindustriellen Durchschnitt angestiegen und erwärmt sich damit etwa doppelt so schnell wie der globale Durchschnitt, was den Effekt in den Alpen beschleunigt“, sagt Bründl. Flüssiges Wasser spiele bei der Auslösung von Eis- und Felsstürzen meist eine bedeutende Rolle. Generell trügen mehrere Faktoren dazu bei.Lesen Sie auchDer Klimawandel sei nicht allein schuld. Zudem hat bislang noch niemand den Einfluss des Klimawandels auf solche Fels- und Gletscherstürze spezifisch erforscht. „Die Effekte des Klimawandels sind bei Extremereignissen mitbeteiligt und beschleunigend, zusammen mit tektonisch-geologischen Grundvoraussetzungen und Faktoren“, so Bründl.