„Tiny Tourism“ setzt auf obskure Entdeckungen beim Reisen. In Berlin ist das längst üblich. Und tiny Orte deshalb gar nicht mehr so leicht auffindbar.

E ine Freundin hatte uns ein – so hätte zumindest die Lesart interessierter und angenehmer Menschen gelautet – wunderbares Geburtstagsgeschenk gemacht: Sie würde für uns eine Führung an einem nicht alltäglichen und dennoch relevanten Berliner Ort ausarbeiten und uns auf der Tour noch ein selbst vorbereitetes Picknick servieren.

Mehrere Besichtigungsvorschläge standen zur Wahl. Unsere Entscheidung fiel auf die „Freie Scholle“ in Waidmannslust, eine von Gustav Lilienthal Ende des 19. Jahrhunderts gegründete und später von Bruno Taut um den „Schollenhof“ erweiterte Arbeitersiedlung im Grünen.

Unser miesepetriges Gemaule à la „der Köder soll dem Fisch schmecken und nicht dem Angler“ prägten die Tage bis zum Event. Mussten wir da hin? An den Arsch von Berlin? Ignorant begannen wir, unsere liebe Freundin zu hassen und zu verfluchen. Warum tat sie uns das an? Wir hätten in der Zeit viel lieber auf dem Sofa mit unseren Handys gedaddelt.

Um es kurz zu machen: Es wurde dann doch sehr schön. Erst zu Hause zurück ist uns klar, dass wir hier im Grunde auf dem neuesten Trend reiten: „Tiny Tourism“, der kleinteilige Tourismus, der statt auf die großen instagramtauglichen Sehenswürdigkeiten auf kleine Entdeckungen setzt, Begegnungen mit Einheimischen, unspektakuläre und umso authentischere Momente. Und tatsächlich haben wir dort auch mit Anwohnern gesprochen. Auf der Straße. Einfach so.