In Bayern ist die Bedrohung durch digitale Straftaten gegen Behörden, Privatpersonen und Unternehmen weiterhin groß. Dies geht aus dem Bericht zur Cybersicherheit 2026 hervor, der in München vorgestellt wurde. 2025 wurden mehr als 49 000 Fälle von Cybercrime bei der bayerischen Polizei angezeigt, ein leichter Anstieg im Vergleich zum Vorjahr. 72 Prozent der Angriffe erfolgten aus dem Ausland. Die tatsächliche Bedrohung dürfte wegen des erheblichen Dunkelfeldes deutlich größer sein. „Die Bedrohungslage im Cyberraum ist so virulent und vielschichtig wie nie zuvor“, erklärte Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU).Seit 2022 veröffentlichen das bayerische Innen- und das Finanzministerium regelmäßig Berichte zur Cybersicherheit. Dieses Jahr enthält der Lagebericht erstmals auch Zahlen zu Cybercrime aus der Polizeilichen Kriminalstatistik.Eine zentrale Entwicklung: Neben Wirtschaftsunternehmen wurden 2025 immer häufiger auch Behörden und Institutionen der kritischen Infrastruktur Opfer von Cyber-Kriminalität. Herrmann berichtete: „Seit dem Angriffskrieg Russlands auf die Ukraine stellen wir fest, dass die hybride Bedrohung unserer Gesellschaft mit dem kulminierten Auftreten von Spionage, Sabotage, Desinformation und Cyberangriffen ein nie gekanntes Level erreicht hat.“ Dabei seien im Berichtszeitraum insbesondere russische, chinesische und nordkoreanische Akteure in Erscheinung getreten. Im Fokus der Täter: Forschungseinrichtungen und Verteidigungsindustrie.Im Rahmen der nordkoreanischen Kampagne „Operation Dream Job“ wurden dafür beispielsweise gefälschte Stellenangebote inseriert, um Kontakt zu IT-Experten und Mitarbeitern der Rüstungs- und Technologiebranche herzustellen. Durch vermeintliche „Recruiter“ seien dann die Systeme der Opfer infiziert und ausgespäht worden.Besonders sogenannte Distributed-Denial-of-Service-Angriffe, kurz DDoS, hätten in Bayern erheblich zugenommen. Dabei werden Online-Dienste oder Server mit einer riesigen Flut von künstlichen Anfragen überlastet, sodass sie für Nutzer nicht mehr zugänglich sind. Diese Angriffe seien ein bevorzugter Modus Operandi von sogenannten Hacktivisten, also hackenden Aktivisten. Insgesamt 105 DDoS-Angriffe wurden 2025 auf staatlichen Webseiten in Bayern registriert, überwiegend von russischen Angreifern.Ein wichtiger Akteur: die hacktivistische Gruppierung NoName057(16). Sie habe offen pro-russische Narrative verbreitet und richtet ihre Angriffe gezielt gegen Staaten und Organisationen, die die Ukraine unterstützen. Ihr Fokus richte sich dabei auch zunehmend auf regionale und kommunale Einrichtungen. Im Rahmen einer internationalen Polizeioperation mit bayerischer Beteiligung konnten Teile der Gruppierung zerschlagen und internationale Haftbefehle erwirkt werden.Finanzminister Albert Füracker, Innenminister Joachim Herrmann und Justizminister Georg Eisenreich (von links) stellten am Montag den Bericht „Cybersicherheit in Bayern 2026“ im Landeskriminalamt vor.Peter Kneffel/dpaNeben DDoS-Angriffen blieben auch die Fallzahlen anderer Cyberkriminalitätssparten weiterhin hoch. „Die Bandbreite der Delikte reicht von Identitätsdiebstahl über Phishing bis hin zu Computerbetrug im Zahlungsverkehr und Onlinehandel“, sagte Herrmann.Den größten wirtschaftlichen Schaden verursache hingegen Ramsomware. Die Schadsoftware verschlüsselt auf dem infizierten Rechner des Opfers Dateien – für den Entschlüsselungs-Key fordern die Angreifer oft Lösegelder. 2025 wurde ein Anstieg der Ramsomwarefälle von 18 Prozent gegenüber dem Vorjahr registriert. „Ramsomware-Angreifer gehen dabei zunehmend professioneller vor und bedienen sich vermehrt sogenannter Verhandlungsteams zur Kommunikation mit den Opfern“, erklärte Herrmann. Betroffen waren dabei auch öffentliche Einrichtungen des Freistaats. So wurden die Verwaltungsnetzwerke einer bayerischen Schule und zweier Gemeinden mit Erfolg angegriffen.In Bayern ist das Landesamt für Sicherheit in der Informationstechnik – kurz LSI – für die Bekämpfung von Cyber-Angriffen auf Behörden zuständig. „Im Cyber Defence Center des LSI wurden 2025 rund 6000 sicherheitsrelevante Vorfälle bearbeitet – das sind zehn Prozent mehr als noch im Vorjahr“, sagte Finanzminister Albert Füracker (CSU). Dank frühzeitiger Erkennung und schneller Reaktionen sei es aber in keinem Fall zu Schäden oder einem Datenabfluss gekommen. „Das zeigt: Das LSI leistet hier hervorragende Arbeit“, bilanzierte Füracker. Im Cyber Defence Center würden täglich rund 2,7 Milliarden Datensätze analysiert und zusammen mit dem IT-Dienstleistungszentrum bereits beim Empfang rund 838 Millionen verdächtigte Mails blockiert.SZ Bayern auf Whatsapp:Nachrichten aus der Bayern-Redaktion – jetzt auf Whatsapp abonnierenVon Aschaffenburg bis Berchtesgaden: Das Bayern-Team der SZ ist im gesamten Freistaat für Sie unterwegs. Hier entlang, wenn Sie Geschichten, News und Hintergründe direkt aufs Handy bekommen möchten.Die zunehmend politischen Motive gingen mit gesteigerten technischen Angriffsfähigkeiten einher. „Die Angriffe sind spürbar schneller und komplexer geworden“, sagte Füracker. Dabei mache besonders der Einsatz von künstlicher Intelligenz den Sicherheitsbehörden Sorgen. Mit KI sei es möglich, auch ohne großes Vorwissen niederschwellig Angriffe durchzuführen, berichtete auch Justizminister Georg Eisenreich (CSU). „Mit generativer KI gibt es natürlich immer größere Möglichkeiten, mit geringem Aufwand maximale Schäden zu verursachen“, erklärte er. Zudem wachse die Angriffsfläche für Cyberkriminelle durch die Digitalisierung und eine steigende Abhängigkeit von digitalen Lösungen.Seit 2015 kümmert sich in Bamberg die Zentralstelle Cybercrime Bayern um die Verfolgung der Täter. Dort ermitteln mehr als 30 technisch und ermittlungstaktisch geschulte Spezialstaatsanwälte gegen organisierte Cyberkriminalität, -spionage und -sabotage. Die Fälle sind nach Aussage der Generalstaatsanwaltschaft Bamberg vielfältig: Sie reichen von Fake-Onlineshops und Ransomsoftware bis hin zum Handel mit Waffen, Drogen und Kinderpornografie im Darknet.Aus der Sicht von Justizminister Eisenreich muss der strafrechtliche Schutz gegen hybride Angriffe verbessert werden. Die Gesetze würden noch aus einer anderen Zeit stammen. Insgesamt resümierte er: „Cyber-Attacken gefährden die Privatsphäre der Menschen, sie gefährden den Wohlstand, sie gefährden unsere Sicherheit im Land und unsere Demokratie.“ Damit seien sie eine der größten Herausforderungen unserer Zeit.Die Landtags-Grünen äußerten sich kritisch zur Besetzung der Pressekonferenz. Digitalminister Fabian Mehring (Freie Wähler) hatte daran nicht teilgenommen. Der innenpolitische Sprecher der Grünen, Florian Siekmann, sagte: „Da kann die CSU noch so viel Zusammenarbeit beschwören, wenn der zentrale Fachminister in der eigenen Regierung nicht einmal eingeladen wird.“
Hackerangriffe werden immer dreister
Zunehmend politische Motive: Hackerangriffe auf Unternehmen, Behörden und Infrastruktur in Bayern bleiben auf hohem Niveau. Die Methoden werden komplexer.






