Die Stadt Köln muss sich wegen einer Liste mit ausreisepflichtigen Personen erklären. Der Vorwurf: Abschiebungen wurden verhindert. Doch der Fall ist komplizierter.

Mi­gran­t*in­nen auf der Domtreppe in Köln (Symbolbild)

Christoph Hardt/Panama Pictures/imago

471 Namen stehen auf einer Excel-Tabelle, die seit Anfang August in Köln für Aufregung sorgt. Als Dîlan Yazicioglu, stellvertretende Fraktionsvorsitzende der Grünen im Kölner Rat, zum ersten Mal von der sogenannten Coesfelder Liste hört, beschäftigt sie vor allem, was hinter dieser Excel-Tabelle steht: „Hinter jedem Namen stecken verschiedene Menschen, Schicksale, ein eigenes Leben und eine eigene Vergangenheit.“ In der politischen Debatte, sagt sie, werde genau das unsichtbar gemacht.

Die Liste steht im Zentrum eines Streits darüber, ob die Stadt Köln Abschiebungen verhindert hat – und was an diesem Vorwurf tatsächlich dran ist. Im November 2024 schickte die Zentrale Ausländerbehörde (ZAB) Coesfeld dem Kölner Ausländeramt eine Liste mit 471 vollziehbar ausreisepflichtigen Menschen aus mehreren Westbalkanstaaten. Ihnen fehlten unter anderem Reisedokumente. Coesfeld bot im Auftrag des Landes Hilfe bei der Beschaffung von Passersatzpapieren an, um ein mögliches Hindernis für Rückführungen beseitigen.