Berlin. Wenn die Bundesregierung nicht weitere Reformen umsetze, könnten die Sozialversicherungsbeiträge im Jahr 2035 mehr als 50 Prozent des Bruttolohns betragen, warnt Oliver Zander, Hauptgeschäftsführer des Arbeitgeberverbands Gesamtmetall, im Interview mit dem Handelsblatt. Dann sei Deutschland nicht mehr wettbewerbsfähig.Aktuell liegen die Beiträge bei 42,3 Prozent, Kinderlose zahlen 42,9 Prozent. Schon für 2028 rechnet Zander mit 45 beziehungsweise 48 Prozent.„Das ist keine Schwarzmalerei, sondern die logische Folge, wenn die Bundesregierung nachlässt in ihren Reformbemühungen“, sagt er. Die Zahlen stützten sich auf Prognosen des Gesundheitsforschungsinstituts IGES.Die Regierung müsse daher „nicht nur die Rentenreform ohne Abstriche umsetzen, sondern bei der Reform der Krankenversicherung massiv nachlegen“, fordert der Arbeitgebervertreter. 2000 habe der Beitragssatz der Krankenversicherung bei 13,6 Prozent gelegen, 2026 seien es 17,5 Prozent. „Damit hat sich der Anteil der Krankenversicherung am Gesamtsozialversicherungsbeitrag von 33 Prozent auf 41 Prozent erhöht“, rechnet Zander vor.Es führe daher kein Weg an „massiven Einsparungen bei allen Leistungserbringern“ vorbei, von den Ärzten über die Krankenhäuser bis zur Pharmaindustrie.Radiologen mit 35 Prozent UmsatzrenditeEs sei „kein Zufall, dass Investoren massiv in diese Bereiche drängen, weil dort so viel Geld verdient wird – auf Kosten der Beitragszahler“. Radiologische Praxen hätten 2024 laut Statistischem Bundesamt im Mittel bei über zwei Millionen Euro Kosten einen Reingewinn von 1,29 Millionen Euro erzielt. „Das entspricht 35 Prozent Umsatzrendite, das ist in der Metall- und Elektroindustrie nicht zu erreichen“, sagt Zander.Auch seien Ärzte und Krankenhäuser die einzige Branche, die aus Beitragsmitteln eine Pauschale erhalte, um Technik und Software für Abrechnungen vorzuhalten. Berlin müsse zudem stärker gegen Betrug bei nicht erbrachten Leistungen vorgehen.
Krankenversicherung: Arbeitgeberverband fordert „massive Einsparungen“
Der Verband Gesamtmetall warnt vor zu stark steigenden Sozialbeiträgen. Die Bundesregierung müsse Ärzte, Kliniken und Pharmaunternehmen zu deutlichen Kostensenkungen drängen.






