Am Ende gab es keine Zweifel mehr. Scottie Scheffler ist auch 2026 der beste Golfer der Welt. Mit seinem Sieg bei der Tour Championship im East Lake Golf Club in Atlanta gewann der 30-jährige Amerikaner zum zweiten Mal nach 2024 den Fedex Cup. Der Texaner aus Dallas setzte damit den Schlusspunkt unter eine Saison der PGA Tour, die gemessen an seinen außergewöhnlichen beiden Vorjahren beinahe durchschnittlich gewirkt hatte.Vor den Play-offs war die Wahl zum „Player of the Year“ noch einmal diskutiert worden. Scheffler hatte in der regulären Saison nur einmal gewonnen, Wyndham Clark und Chris Gotterup dagegen jeweils dreimal. Doch Schefflers Antwort kam in den Play-offs. Von den drei Turnieren der besten 70, 50 und schließlich 30 Spieler gewann er zwei. Erst triumphierte er bei der Fedex St. Jude Championship vor zwei Wochen, nun folgte die Tour Championship und damit sein dritter Saisonsieg.Scheffler bricht Woods’ RekordDabei musste der Weltranglistenerste am Sonntag einen Rückstand aufholen. Scheffler ging drei Schläge hinter Viktor Hovland in die Schlussrunde, erzielte mit 66 Schlägen das beste Tagesergebnis und gewann mit 16 unter Par und drei Schlägen Vorsprung vor dem 28 Jahre alten Norweger. Damit gelang ihm eine doppelte Revanche: Hovland hatte ihn 2023 bei der Tour Championship geschlagen und den Fedex Cup gewonnen, im Juni dieses Jahres zudem im Stechen der Travelers Championship bezwungen.Mit seinem zweiten Fedex Cup gehört Scheffler zu einem exklusiven Kreis. Nur Tiger Woods (2007, 2009) und Rory McIlroy (2016, 2019, 2022) waren zuvor mehr als einmal erfolgreich. Auch finanziell war der Saisonabschluss außergewöhnlich. Nach der BMW Championship erhielt Scheffler als uneinholbarer Erster der Saison 23 Millionen Dollar (rund 19,8 Millionen Euro) aus dem Fedex-Cup-Bonuspool.Für die Tour Championship wurden die Punkte auf null gesetzt, alle 30 Spieler starteten gleichberechtigt. Scheffler erhielt für den Sieg zehn Millionen Dollar (rund 8,6 Millionen Euro) aus dem mit 40 Millionen Dollar (rund 34,5 Millionen Euro) dotierten Preisgeldtopf. Zusammen brachten ihm Bonus und Tour Championship 33 Millionen Dollar (rund 28,5 Millionen Euro). Damit erhöhte Scheffler sein offizielles Karrierepreisgeld auf 130,39 Millionen Dollar (rund 112,5 Millionen Euro) und löste Tiger Woods als Nummer eins der ewigen Geldrangliste der PGA Tour ab.Woods hatte knapp 121 Millionen Dollar (rund 104,4 Millionen Euro) verdient – allerdings mit 82 PGA-Tour-Siegen. Scheffler benötigte nur 22. Er selbst relativiert den Vergleich: Gerade Woods habe entscheidend dazu beigetragen, dass heute um wesentlich höhere Preisgelder gespielt werde. Mit den Bonuszahlungen der vergangenen Jahre hat Scheffler bereits weit über 200 Millionen Dollar (rund 173 Millionen Euro) kassiert. Sponsorengelder sind dabei nicht eingerechnet.Seit 166 Wochen die Nummer einsDass überhaupt Zweifel an Schefflers Saison aufgekommen waren, zeigt, welche Maßstäbe er selbst gesetzt hat. 2024 gewann er sieben PGA-Tour-Turniere, darunter das Masters, und olympisches Gold. 2025 folgten sechs Siege mit zwei weiteren Major-Erfolgen. Diesmal blieb er erstmals seit 2023 ohne Major. Doch während andere häufiger gewannen, war keiner so konstant: Scheffler wurde fünfmal Zweiter, zweimal Dritter und dreimal Vierter. Noch deutlicher ist seine Überlegenheit in den Statistiken.In mehr als zwanzig Kategorien beendete er die Saison als Nummer eins. Er benötigte im Durchschnitt weniger Schläge pro Runde als jeder andere, traf mit 72,9 Prozent die meisten Grüns mit der vorgesehenen Zahl an Schlägen und war besonders erfolgreich, wenn er nach einem verfehlten Grün noch das Par retten musste. Mit 4,82 Birdies pro Runde führte er ebenfalls die Tour an. Auch die komplizierteren Berechnungen ergeben dasselbe Bild: Vom Abschlag bis zum Grün verschaffte sich kein Spieler größere Vorteile gegenüber seinen Konkurrenten. Selbst das Putten, lange Schefflers einzige erkennbare Schwäche, kostete ihn kaum noch Schläge.So lieferte ausgerechnet eine Saison mit weniger Siegen einen weiteren Beleg für Schefflers außergewöhnliche Stellung. Seit Sonntag dürfte die Diskussion um den „Player of the Year“beendet sein. Scheffler hat die Auszeichnung bereits viermal nacheinander gewonnen, ein fünfter Erfolg in Serie scheint kaum noch zu verhindern.Warum er sich trotz seiner Glanzleistung kaum einen Tag zurücklehnt, erklärte Scheffler nach seinem Triumph selbst. Er nehme weder ein Turnier noch eine einzelne Runde auf die leichte Schulter. Jeden Tag versuche er, alles zu geben. Wenn seine Karriere irgendwann beendet sei, wolle er zurückblicken und sagen können, alles dafür getan zu haben, so gut wie möglich zu spielen. Vielleicht erklärt gerade dieser Anspruch besser als jede Statistik, warum Scottie Scheffler seit mehr als drei Jahren – mittlerweile 166 Wochen in Folge – die Weltrangliste anführt.