Zahlen sind meist eine sichere Bank, um den Leistungsstand von Sportmannschaften zu umreißen, und so entdeckt man beim Blick auf die Ergebnisse der deutschen Basketballer in diesem Sommer Standesgemäßes: Sechs Spiele haben die Welt- und Europameister seit Anfang Juli bestritten, zwar nicht bei großen Turnieren, aber teils immerhin in der Qualifikation zur Weltmeisterschaft 2027. Sechsmal hieß der Sieger dabei Deutschland. Kein Wunder, könnte angemerkt werden, gegen nicht gerade kolossartige Konkurrenten wie Zypern, Israel, Tschechien oder die Niederlande wäre alles andere auch höchst überraschend gewesen.Aber weil beim Testwochenende in Hamburg im August auch ein Erfolg gegen ambitionierte Kroaten gelang und in der Quali an diesem Sonntag schließlich ein 96:94 nach Verlängerung in Polen, steht nun eine ansehnliche Bilanz im Quartalsreport des Deutschen Basketball Bundes (DBB). Für die WM in Katar kann sich das Team von Bundestrainer Alex Mumbrú nun Ende November in zwei der verbleibenden vier Partien qualifizieren – viel schief sollte da nicht mehr gehen. Wobei Ergebnisse eben nicht immer alles verraten.Rücktritt von Basketballer Voigtmann:Da geht einer mit AuraWeltmeister, Europameister, Co-Kapitän: In Johannes Voigtmann verabschiedet sich eine prägende Figur aus dem Nationalteam. Er steht für entscheidende Qualitäten beim DBB.Bei der Frage, ob es ein guter oder sehr guter Sommer fürs deutsche Nationalteam war, ist etwas Differenzierung angebracht. Natürlich befindet sich der deutsche Basketball weiterhin im Dauerhoch. Anführer Dennis Schröder (Charlotte Hornets) nahm sich während der Pause in der US-Profiliga NBA extra Zeit für Einsätze, ohne seine 18 Punkte im Krimi von Danzig wäre die Dienstreise an die Ostsee am Sonntag unangenehmer verlaufen. „Das war sehr physisch heute mit ganz vielen Fouls“, fand der Kapitän, auch der Bundestrainer war froh nach einem „unglaublich harten Spiel“.Über die anderen Partien hinweg betrachtet half dem deutschen Team, dass der Talentpool mittlerweile fast noch üppiger ist als in den Zeiten der Medaillengewinne zwischen 2022 und 2025. Egal, wer spielt, Deutschlands Motor surrte überwiegend, die rasante, fluide Offensive von Coach Mumbrú haben alle verinnerlicht. Neue Gesichter wie Kay Bruhnke (in Litauen aktiv) oder Ersatzleute wie Oscar da Silva (FC Bayern) bewiesen ihre Tauglichkeit. Erwähnenswert ist auch, dass in Isaiah Hartenstein (Oklahoma City Thunder) und Ariel Hukporti (Philadelphia 76ers) zwei NBA-Champions beim Team weilten, auch wenn Verletzungen letztlich ihr Mitmachen auf dem Parkett verhinderten.Bundestrainer Alex Mumbrú spricht einen vielsagenden Satz über seine BasketballerAuch ohne die pausierenden Wagner-Brüder Franz (Orlando Magic) und Moritz (Brooklyn Nets) und ohne weitere NBA-Jünglinge wie Hannes Steinbach und Christian Anderson (beide Charlotte) ist der DBB in Europa eine Macht. Daran hat sich seit dem EM-Titel in Riga vor einem Jahr wenig geändert. Die sogenannte „Identität“ der Mannschaft ist intakt, Richtung WM wird ein gewisser Konkurrenzkampf um die Kaderplätze entstehen – und man wird sich noch wundern, wer am Ende alles knapp an einer Nominierung vorbeidribbelt. Rosige Zeiten also? Größtenteils ja. Und dennoch: Nimmt man den Auftritt in Polen als Maßstab, liefert ein karger, aber vielsagender Satz des Bundestrainers Einblicke in Details, die auch schon in vorigen Spielen zu Problemen führten. „Wir hatten über weite Strecken die Kontrolle über das Spiel, dann hat sich unsere Einstellung etwas geändert“, sagte Mumbrú über eine Phase mit vielen defensiven Schludrigkeiten, die den Polen eine Aufholjagd ermöglichten.Diese geänderte „Einstellung“ war auch beim Supercup gegen Tschechien und im Qualifikationsspiel gegen die Niederlande in Köln zu beobachten gewesen: Sie bestand konkret darin, dass Mumbrús Spieler den Gegner phasenweise nicht mehr mit ihrer ultrakonsequenten Türstehermentalität aus den Triumphtagen von Manila oder Riga bearbeiteten, sondern im Verwaltungsmodus. „Das war einfach eine schlechte Leistung“, merkte ungewohnt scharf Spielmacher Maodo Lo an, nachdem die Niederländer Deutschland in der ersten Hälfte 50 Punkte eingeschenkt hatten. Auch Schröder empfand die Defensive als „teilweise sehr schleppend“. In Polen setzte sich dieser Trend nach einer zupackenden ersten Hälfte fort. Auch, weil Schröder selbst nach einigen frühen Fouls (unter anderem ein Technisches nach vier Sekunden Spielzeit) zur Zurückhaltung gezwungen war.Immerhin: Nervös werden sie beim DBB nicht so schnell, eine gewisse Unerbittlichkeit in engen Momenten trägt die Mannschaft weiterhin, der Spirit der Titelgewinne hat auch all jene Ersatzspieler erfasst, die neu oder wieder dazugekommen sind, weil andere verhindert sind. Wenn es also aufkommende Schwächen gibt, das offenbaren die Reaktionen der Beteiligten, dann ist man sich derer bewusst. Und am Ende kann sich die aktuelle Generation deutscher Basketballer, in der viele längst alles gewonnen haben, auf ihren Zusammenhalt verlassen. „Nicht die besten Spieler machen eine erfolgreiche Mannschaft, sondern die Chemie muss stimmen“, sagte Mumbrú vergangenen Donnerstag in Köln. Die ist vermutlich wichtiger als jede Zahl.
Basketball: Deutsche Weltmeister gewinnen Quali-Krimi in Polen
Sechs Spiele, sechs Siege, die Bilanz in diesem Sommer bestätigt das Dauerhoch des deutschen Basketball-Nationalteams.









