Thijs Dallinga (1. FC Köln) – El Malas SchattenmannOffensichtlich sind in Köln ein paar Dinge etwas zu kurz gekommen in all dem Said-El-Mala-Wahn. Zum Beispiel ist im Wirbel um den gescheiterten Klubwechsel des Stars und inmitten des weit verbreiteten Eindrucks, dass der FC im schwierigen zweiten Jahr nach dem Aufstieg mit einem unfertig wirkenden Kader in die Saison startet, die Ankunft des Angreifers Thijs Dallinga etwas untergegangen. In den Klubmedien wurde die Verpflichtung zwar als Sturm inszeniert, der den Skat spielenden Kiebitzen am Geißbockheim die Karten vom Tisch bläst, aber anderes schien den meisten Fans trotzdem spannender. Bis zum Samstag, als der Niederländer nach seiner Einwechslung durch zwei Tore einen 1:2-Rückstand gegen Hoffenheim in einen 3:2-Sieg verwandelte.Neuer Mann im Sturm: Thijs Dallinga traf für Köln doppelt.dpa„Wenn er in der Box ist, wird es brandgefährlich“, sagte René Wagner, aber diesen Satz hätte der Trainer sich auch sparen können. Genau das hatte schließlich jeder gesehen. Der 26 Jahre alte Dallinga war vor zwei Jahren für 16 Millionen Euro vom FC Toulouse zum FC Bologna gewechselt, wo er jedoch nie richtig Fuß fasste und in zwei Jahren nur fünf Tore in der Serie A erzielte. In Frankreich waren ihm zuvor in 86 Ligaspielen 37 Tore gelungen, und in Köln wissen sie jetzt, warum.Das 2:2 schoss er entschlossen und kontrolliert mit rechts, den Siegtreffer erzielte er ähnlich kühl mit links. Durch zwei sehr puristische Stürmertore drehte er ein für die Stimmung in Köln elementar wichtiges Spiel. Die Leihgebühr von einer Million Euro hat er damit fast schon wieder eingespielt, und das Gute: Für den Fall, dass Said El Mala im kommenden Sommer doch für ganz viel Geld den Klub wechselt, soll Köln über die Option verfügen, Dallinga für elf Millionen Euro fest unter Vertrag zu nehmen. (dat.)Younes Ebnoutalib (Eintracht Frankfurt) – Torjäger mit TupperdoseIm dunklen Mannschaftsbus, die Kapuze über den Kopf gezogen, sitzt Younes Ebnoutalib, sein Handy leuchtet ihm grell ins Gesicht. Viele Menschen haben ihm geschrieben, Freunde, Bekannte, Fans. Ein paar ruhige Minuten reichen nicht, um allen zu antworten, sagt er später.Ebnoutalibs Laufbahn ist eine, die normalerweise nicht einmal in einem der Managerspiele auf den Handys vieler Fußballfans möglich ist. In Frankfurt als Sohn eines Taekwondo-Kämpfers aufgewachsen, schoss er sich über Rot-Weiß Frankfurt in den Profifußball. Ebnoutalib wechselte nach Perugia, lebte dort in einem dreckigen Apartment mit mehreren Mitspielern, vermisste seine Familie und kam zurück. Er spielte beim FC Gießen, als Elversberg bei ihm anrief. Ins Saarland fuhr er oft über die Autobahn aus Frankfurt, in der Sporttasche eine Tupperdose mit gesundem Essen, gekocht von seiner Mutter oder ihm selbst.Vom Bordstein zur Skyline: Ebnoutalib schießt in Berlin drei Tore für die Eintracht.ReutersIm Winter dann rief endlich die Eintracht an, der Verein, in dessen Trikot er und seine Freunde früher schon in der Nordweststadt auf dem Bolzplatz spielten. Fast zehn Millionen Euro war er den Frankfurtern nun wert, seine Freunde jubelten ihm von der Tribüne aus zu, als Ebnoutalib gleich im ersten Spiel gegen Dortmund traf. Vom Bordstein zur Skyline, das war der größte Tag seiner Karriere. Bis Samstag.Da nämlich schoss Ebnoutalib drei Tore gegen Union Berlin. Zwei dieser Treffer entstanden so: Der Ball flipperte durch den Strafraum, niemand wusste, wo er gleich landen würde. Nur einer, der das Fußballspiel als ein Spiel von vielen, kleinen Fehlern in den unteren Klassen gelernt hatte. Und als der Ball dann vor seinen Füßen lag, schoss er ihn hart ins Eck. Das waren Tore eines Regionalligastürmers. Aber es waren vor allem Tore eines Stürmers, der seit Samstag erstmals die Torschützenliste in der Bundesliga anführt. (kori.)Konstantinos Karetsas und Giannis Konstantelias (Borussia Dortmund) – K und K und KreuzbandrissDa freuen sie sich noch gemeinsam: Giannis Konstantelias (l.) wird nach seinem Tor zum 2:0 umarmt von Konstantinos Karetsas.dpaAm Ende war all das hinfällig, weil der Überschwang einem Gefühl der Sorge um Konstantelias gewichen war, der mit dem dringenden Verdacht auf einen Kreuzbandriss ausgewechselt werden musste – der sich am Tag danach bestätigte. Aber für einen Moment war der Blick frei gewesen auf eine mögliche Zukunft von Borussia Dortmund. Karetsas (kam für 30 Millionen Euro von KRC Genk) und Konstantelias (26 Millionen von PAOK Saloniki) haben dem im Vorjahr oftmals zähen, einfallsarmen und unsauberen Spiel des zweitgrößten Klubs zu einer neuen Leichtigkeit verholfen. Mit ihrer filigranen Technik, der Fähigkeit, in sehr engen Räumen rund um den gegnerischen Strafraum Lösungen zu finden, und dem Willen, immer offensiv zu agieren, haben sie nicht nur das Publikum begeistert, sondern auch die Mitspieler besser gemacht.Trainer Niko Kovač, dem im Vorjahr vorgeworfen wurde, einen weniger attraktiven Spielansatz zu verfolgen, sagte, der Stilwechsel sei „relativ einfach zu erklären (…), Spektakel steht und fällt immer mit deinen Spielern“. Dass Konstantelias jetzt erst mal für mehrere Monate fehlt, ist in diesem Kontext eine Hiobsbotschaft. Aber immerhin ist mit Karetsas die Hälfte des neuen Duos noch einsatzbereit, und selbst allein ist der Teenager nach den Eindrücken der vergangenen Wochen ein enormer Gewinn. (dat.)Cole Campbell (SV Elversberg) – Rechts wie linksEr genoss das „unglaubliche Gefühl, mein erstes Tor in der Bundesliga geschossen zu haben“. Für Cole Campbell, den amerikanisch-isländischen Flügelstürmer des Aufsteigers SV Elversberg, ging ein Traum in Erfüllung, den sich der rasante Jungprofi bei Borussia Dortmund und der TSG Hoffenheim bei nur wenigen Kurzeinsätzen in der Bundesliga nicht erfüllen konnte. In Elversberg stieg das Talent auf der Rechtsaußenposition als Linksaußen am Samstag zum zweiten Bundesligatorschützen der SVE auf, als er eine Minute nach Lukas Petkovs Tor zum 1:0 (8. Minute) mit einem Linksschuss zum 2:0 einen richtungsweisenden Treffer erzielte.Campbell ist angesichts einer Summe von knapp sechs Millionen Euro, die Elversberg an den BVB zahlen musste, der Rekordeinkauf des Klassenneulings und scheint sich unbeeindruckt davon rasch bezahlt zu machen. Wie so manches Talent, das in dem dörflichen Ambiente aufblühte, zum Beispiel der von der TSG Hoffenheim ausgeliehene Fisnik Asllani oder einst der von Werder Bremen in die saarländische Idylle gewechselte Nick Woltemade.„Unglaubliches Gefühl“: Cole Campbell nach seinem PremierentrefferEPACampbell lebt in Elversberg seine Unbekümmertheit, seine Freude am Spiel und seine Rasanz gewinnbringend aus. Er macht mit seinen Dribblings und seiner Rasanz auf sich aufmerksam, auch wenn er auf der „falschen“ Seite spielt. Doch auf der Rechtsaußenposition spielt der Deutsch-Bulgare Lukas Petkov, der in der vorigen Saison die meisten Treffer (13) für Elversberg schoss. Campbell stört es nicht. Er kann es, das bewies er am Samstag, auch „mit links“. (rz.)Ismael Saibari (FC Bayern München) – der Überall-AngreiferIn dem Moment wusste Uli Hoeneß wohl nicht, wie er es sagen sollte. Also sagte er es so: „Der Spieler aus Marokko hat mir gut gefallen bei der WM.“ Vier Wochen sind vergangen, seitdem Hoeneß, der Aufsichtsrat des FC Bayern München, im Trainingslager am Tegernsee auf Nathaniel Brown und Ismael Saibari angesprochen wurde, auf die beiden neuen Spieler seines Vereins. Und wenn man sich das Video seiner Antwort aus aktuellem Anlass noch mal anschaut, muss man noch mal anerkennen, wie geschickt Hoeneß sich in diesem Moment gerettet hat. Es ist sehr wahrscheinlich, dass er den Namen Saibaris nicht parat hatte. Doch als er dann über Brown sprach, dessen Namen er sehr wahrscheinlich parat gehabt hätte, sagte er: „Und mit dem jungen Spieler aus Frankfurt haben wir ein Riesentalent, das uns dieses Jahr sehr weiterhelfen kann.“Am Freitagabend saß Hoeneß im Stadion in München, als in der 61. Minute der Spieler aus Marokko für den jungen Spieler aus Frankfurt eingewechselt wurde. Und in den nächsten Minuten konnte nicht nur Hoeneß sehen, warum vor allem Vincent Kompany sich so für diesen Ismael Saibari, 25 Jahre alt, eingesetzt haben soll.Er ersetzte erst Brown als Spielmacher, später dann Harry Kane als Mittelstürmer. Auf den Außenbahnen spielt er nicht ganz so gerne, aber auch gut. In seinem ersten Bundesligaspiel hat der Überall-Angreifer dann direkt das 4:1 und 5:1 vorbereitet. Und so hat er, auch wenn er noch nicht in Bestform ist, schon angedeutet, warum er einer sein dürfte, dessen Namen man bald wohl parat haben muss. (cfm.)
Von Karetsas bis Saibari: Sechs Spieler, die die Bundesliga aufmischen
Ein Bundesligastürmer, der Regionalligatore schießt, Bayerns neuer Überall-Angreifer und Dortmunder Tsatsiki mit bitterem Nachgeschmack: Sechs Spieler die sich beim Bundesliga-Start in den Fokus gespielt haben.












