PfadnavigationHomeRegionalesHamburgSternbrücke AltonaDie ersten Züge rollen über Hamburgs neue Mega-BrückeStand: 07:33 UhrLesedauer: 4 MinutenDie neue Sternbrücke sorgte in Hamburg für Debatten – Kritiker halten sie für überdimensioniert. Aber für den Zugverkehr bietet sie große ChancenQuelle: Bodo Marks/dpaDie ausgetauschte Sternbrücke trägt wieder ICE, Regional- und S-Bahnen – für die Bahn wächst der Knoten Hamburg, was Auswirkungen auf den angestrebten Deutschlandtakt hat.GoogleKlicken Sie hier, um sich Artikel von WELT in der Google-Suche bevorzugt anzeigen zu lassen.Jetzt aktivierenNach einer mehrwöchigen Vollsperrung ist die Hamburger Verbindungsbahn zwischen Hamburg-Hauptbahnhof und Altona wieder für den Zugverkehr freigegeben. Am frühen Montagmorgen rollten erstmals Regional-, Fern- und S-Bahnen über die neue Sternbrücke in Altona. Damit endete eine der folgenreichsten Bauphasen im Hamburger Schienennetz. Während der Sperrung waren auf der wichtigen Strecke wochenlang weder Fernzüge noch S-Bahnen gefahren.Lesen Sie auchEine offizielle Eröffnungszeremonie gab es am frühen Morgen nicht. Den Auftakt machte gegen 4.15 Uhr der Regionalexpress RE 70 aus Kiel. Der Zug war um 3.08 Uhr am Kieler Hauptbahnhof gestartet und fuhr über Neumünster und Elmshorn weiter zum Hamburger Hauptbahnhof. Wenig später folgte der erste Fernzug: Der ICE 103 von Hamburg-Altona nach Basel SBB verließ den Altonaer Bahnhof planmäßig um 4.26 Uhr und passierte die neue Sternbrücke gegen 4.30 Uhr.Als erste S-Bahn fuhr die Linie S5 über das neue Bauwerk. Sie war um 4.23 Uhr an der Elbgaustraße in Richtung Hauptbahnhof aufgebrochen und erreichte die Sternbrücke gegen 4.35 Uhr. „Hier ist alles planmäßig gelaufen“, sagte die für das Projekt zuständige Bahn-Projektleiterin Janna Widmaier am Montagmorgen.Mit der Wiederinbetriebnahme ist einer der wichtigsten Hamburger Schienenkorridore wieder durchgehend befahrbar. Die Verbindungsbahn zwischen Altona und Hauptbahnhof gehört zu einer zentralen Nord-Süd-Achse des deutschen und europäischen Bahnverkehrs. Vor Beginn der Sperrung nutzten täglich Hunderte Fern-, Regional- und S-Bahn-Züge die vier Gleise. Die Deutsche Bahn nennt im Durchschnitt rund 1000 Züge, die nun wieder über die Strecke fahren können.Nächtlicher Transport der neuen BrückeIm Mittelpunkt der Bauarbeiten stand der Austausch der alten Sternbrücke. Ende Juli war der Rohbau der neuen Brücke in einer aufwendigen nächtlichen Aktion an seinen endgültigen Platz gebracht worden. Das rund 3700 Tonnen schwere und 108 Meter lange Bauwerk wurde dabei in die Verbindungsbahn eingefügt. Der Einbau galt wegen der Dimensionen der Brücke, der räumlich engen Baustelle und der Bedeutung der Strecke als besonders anspruchsvoll.Mit dem Einhub allein war es jedoch nicht getan. In den anschließenden Wochen arbeiteten Beschäftigte der Deutschen Bahn und der beteiligten Bauunternehmen rund um die Uhr daran, die Brücke in das bestehende Schienennetz zu integrieren und den Bahndamm wiederherzustellen. Insgesamt wurden rund vier Kilometer Schienen verlegt, etwa 3000 Schwellen eingebaut und rund 8000 Tonnen Schotter verwendet.Hinzu kamen die Installation beziehungsweise Erneuerung der Oberleitungen sowie Arbeiten an der Leit- und Sicherungstechnik. Vor der Freigabe waren technische Kontrollen und Abnahmen erforderlich. Erst nach deren Abschluss konnte die Strecke wieder für den regulären Zugbetrieb geöffnet werden.Straßenraum bleibt vorerst gesperrtDie Sperrpause war zugleich genutzt worden, um weitere Bauarbeiten im Bereich der Verbindungsbahn zu bündeln. Insgesamt mussten drei neue Brücken eingebaut werden, darunter die große Sternbrücke. Ziel war es, mehrere Eingriffe in das stark belastete Hamburger Bahnnetz innerhalb eines zusammenhängenden Zeitraums vorzunehmen.Der ursprünglich vorgesehene Zeitplan hatte allerdings angepasst werden müssen. Die Bahn verlängerte die Sperrpause um zwei Wochen. Als Grund wurden Probleme bei den Arbeiten an den Oberleitungen genannt. Während der Bauphase stellte sich zudem heraus, dass am Bahndamm erheblich mehr Erdreich ausgetauscht werden musste als zunächst erwartet. Nach Angaben der Bahn waren es rund 10.000 Tonnen Boden zusätzlich.Der Zugverkehr konnte dennoch zum vorgesehenen Termin am 31. August wieder aufgenommen werden. Vollständig abgeschlossen sind die Arbeiten im Umfeld der Sternbrücke damit nicht. Die Straßen unterhalb der Bahntrasse bleiben zunächst gesperrt. Die wichtige Stresemannstraße soll am 7. September wieder für den Straßenverkehr freigegeben werden. Bei der Max-Brauer-Allee wird die Sperrung noch länger dauern.Die neue Sternbrücke ist deutlich größer als ihre Vorgängerin. Das Bauwerk überspannt den Straßenraum ohne die früheren Stützen und bietet Platz für vier Gleise. Seine Dimensionen sorgen allerdings weiterhin für Kritik. Anwohner und Initiativen hatten sich über Jahre gegen den Abriss der historischen Brücke und gegen die Größe des Neubaus ausgesprochen. Auch nach dem Einbau prägt die wuchtige Konstruktion die Debatte über das Projekt.Für die Bahn ist der Neubau dagegen ein wichtiger Bestandteil der Modernisierung des Hamburger Bahnknotens. „Ein leistungsfähiges Schienennetz braucht leistungsfähige Knoten“, erklärte Philipp Nagl, Vorstandsvorsitzender der DB InfraGO. Hamburg gehöre zu den wichtigsten Verkehrsknoten Deutschlands, die Verbindungsbahn sei Teil einer zentralen Nord-Süd-Achse im europäischen Schienennetz. Dass der Verkehr wieder planmäßig aufgenommen werden konnte, bezeichnete Nagl als Ergebnis einer starken Teamleistung.Die Arbeiten an der Sternbrücke stehen auch im Zusammenhang mit dem Bau des neuen Fern- und Regionalbahnhofs am Diebsteich. Die Modernisierung der Verbindungsbahn soll die technischen Voraussetzungen dafür schaffen, den bisherigen Bahnhof Hamburg-Altona durch den neuen Bahnhof zu ersetzen. Aus Sicht der Bahn sollen die Maßnahmen langfristig die Kapazität und Zuverlässigkeit des Schienenverkehrs im Hamburger Knoten erhöhen, was dann auch für die Zuverlässigkeit des sogenannten Deutschlandtakts mit mehr Zügen und höherer Verlässlichkeit wichtig ist.Für die Fahrgäste bedeutet die Freigabe zunächst vor allem das Ende der großräumigen Umleitungen und Ersatzverkehre. Fern-, Regional- und S-Bahn-Züge können wieder den direkten Weg zwischen Altona, Dammtor und Hauptbahnhof nehmen. Während unterhalb der Sternbrücke noch weitergebaut wird, ist oberhalb damit der reguläre Bahnbetrieb zurückgekehrt.