Die Freude bei Louisa Lippmann und Melanie Paul nach dem Matchball zum 16:14 im Tiebreak des vorweggenommenen Finales gegen Sandra Ittlinger und Kim van de Velde war überwältigend – dabei war ihnen mit dem 2:1-Sieg im Flutlichtspiel am Freitagabend gegen das topgesetzte Duo erst mal nur der direkte Einzug ins Halbfinale gelungen.Am Sonntagnachmittag standen sie sich dann abermals auf dem Center Court in Dortmund gegenüber – diesmal im wirklichen Endspiel um die deutsche Beachvolleyball-Meisterschaft. Da die Titelkämpfe im Double-Elimination-System ausgetragen wird, hatten sich Ittlinger/van de Velde über die Verliererrunde doch noch ins Finale vorkämpfen können. Und diesmal setzten sie sich durch, gewannen nach hartem Kampf mit 2:1 (21:16, 19:21, 15:12).Beide Teams haben sich erst im Laufe des Sommers zusammengefunden, um die Olympiaqualifikation 2028 anzugehen. Lippmann war der Glaube an ihre bisherige Spielpartnerin Linda Bock verloren gegangen. Ittlinger trennte sich von Anna-Lena Grüne, um mit van de Velde als Duo in der „Version 4.0“ anzutreten. Die beiden haben in früheren Jahren schon mehrmals zusammengespielt. Nun wurden sie zum ersten Mal gemeinsam deutsche Meisterinnen.Für die 34-jährige Kim van de Velde ist es der Höhepunkt eines besonderen Comebacks. Im vergangenen Jahr wurde sie zum zweiten Mal Mutter. Dennoch entschied sie sich, noch einmal auf die große Beach-Volleyball-Bühne zurückzukehren. Mit Erfolg.Lockerheit und PrestigeDie Titelkämpfe in Dortmund bildeten den Abschluss der Sommersaison, und trotz aller demonstrierten Lockerheit steckte viel Prestige drin. „Wer geht als deutsche Nummer eins in den Herbst?“ lautete die Frage, die an diesem Wochenende geklärt wurde. Die wichtigere Frage ist jedoch deutlich schwerer zu beantworten, denn sie bezieht sich auf die Zukunft. Welche Teams können die deutschen Farben bei den Olympischen Spielen 2028 vertreten?Ein Duo für Olympia? Louisa Lippmann (l.) und Melanie Paulpicture alliance / BEAUTIFUL SPORTS„Eine sehr große Blockspielerin und eine Linkshänderin auf Position zwei“, analysiert Trainer-Legende Hans Voigt im Gespräch mit der F.A.Z. die Strukturen des Duos Lippmann/Paul und erkennt „sehr viele Optionen“. Louisa Lippmann ist 1,91 Meter groß, dieses Gardemaß bringe ihr nicht zu unterschätzende Vorteile im Netzspiel. Melanie Paul schlägt mit links, das sei für die Gegenseite oft schwer zu bespielen.Voigt gilt als einer der einflussreichsten Trainer und Denker im deutschen Beachvolleyball. Der mittlerweile 81-Jährige prägte als Coach zahlreiche Spitzenteams wie die Olympiasieger Julius Brink und Jonas Reckermann sowie Laura Ludwig und Kira Walkenhorst. „Beachvolleyball ist Entscheidungsfreiheit unter Zeitdruck“ lautet das Standardwerk des früheren Uni-Dozenten für Sportwissenschaft. In der Szene wurde der drahtige Sportsmann, der sich die Spiele im Revierpark Wischlingen mit kritischem Interesse betrachtet, als der „leise Guru“ bezeichnet.Sein dezentes Auftreten ändert nichts an seinem unbestechlichen Blick: Bei Lippmann sieht er Schwächen in der Annahme, die er auf Defizite in Körperkontrolle und Beinarbeit zurückführt. Bei Paul bemängelt er Lösungsschwierigkeiten im Angriff, wenn sie das Zuspiel nicht in optimaler Position erreicht.Abgang einer Beachvolleyballikone: Karla Borger beendet ihre KarriereREUTERSTechnisch seien Sandra Ittlinger und Kim van de Velde den anderen voraus, analysiert Voigt. Allerdings werden sie seines Erachtens international nichts gewinnen können, „weil sie zu klein sind“. Ittlinger ist 1,81 Meter, van de Velde 1,79 – da fehlt ein Stückchen zur Weltelite, auch wenn sie sich noch so sehr recken.Nicht mehr dabei im Rennen nach Los Angeles wird Karla Borger sein, die über eineinhalb Jahrzehnte zur erweiterten Weltspitze zählte. Die 37-Jährige war schon 2013 WM-Zweite. 2016 und 2021 nahm sie an Olympia teil. Nun wurde sie unter Tränen und mit rührenden Worten vor 5000 Fans auf dem Center Court von Volleyball-Verbandspräsident Markus Dieckmann und Ministerpräsident Hendrik Wüst in den sportlichen Ruhestand verabschiedet.Trotz des Umbruchs hegt Dieckmann keine Sorgen, dass es im deutschen Beachvolleyball nicht weiter vorangeht, und verweist auf die zukunftsträchtigen U-18-Weltmeisterinnen Anna-Chiara Reformat und Sandra Otte. Schon jetzt sicher zu den Topteams weltweit gehören seiner Ansicht nach die 25 Jahre junge Svenja Müller sowie ihre zehn Jahre ältere Partnerin Cinja Tillmann. Die Europameisterinnen von 2024 gewannen viermal in Serie die deutschen Titelkämpfe, fehlten allerdings in Dortmund, da sich Müller kurz vor dem Turnier verletzte.Als neue deutsche Meisterinnen gehen nun Sandra Ittlinger und Kim van de Velde in den Herbst. Nach kurzem Verschnaufen beginnt dann der Qualifikationszyklus für Olympia 2028. Der Konkurrenzkampf ist programmiert, denn pro Nation dürfen nur zwei Teams zu Olympia.
Kim van de Velde als zweifache Mutter erstmals deutsche Meisterin im Beachvolleyball
Die deutschen Meisterinnen im Beachvolleyball sind gekrönt. Für Kim van de Velde ist es an der Seite von Sandra Ittlinger eine ganz besondere Freude.






