Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu hat sich am Samstag kritisch zu der Gewalt israelischer Siedler gegen Palästinenser im Westjordanland geäußert. Er relativierte die Ereignisse jedoch als Ausschreitungen einer „Handvoll Randalierer“, die „der gesetzestreuen Siedlerbevölkerung großes Unrecht antun, die israelischen Streitkräfte bei der Erfüllung ihrer Aufgaben behindern und Israels Ansehen in der Welt schädigen“, zitiert ihn die Times of Israel.Zuvor hatten Dutzende maskierte Siedler ein palästinensisches Dort im Westjordanland angegriffen, erneut Steine auf Häuser geworfen und ein Gebäude besetzt – obwohl sich noch eine Familie darin befand. Aufnahmen sollen zeigen, dass sich zu der Zeit Soldaten in der Gegend aufhielten, aber nichts unternahmen.Israelische Siedler in einem Gebäude im palästinensischen Dorf Kusra am Samstag.Majdi Mohammed/APDie israelische Armee sollte das Haus in Kusra schließlich von den Siedlern räumen. Von palästinensischer Seite hieß es, die Soldaten hätten Tränengas eingesetzt, dass jedoch auch Palästinenser in dem Haus traf. Der Times of Israel berichtete der Hausbesitzer, die Soldaten hätten die Bewohner des Hauses schließlich gefesselt, die Augen verbunden, sie geschlagen und dann wieder freigelassen. Die gewalttätigen Siedler hätten sie dagegen gehen lassen. Ein Augenzeuge berichtete von sechs Verletzten, vier durch das Tränengas, zwei durch die Steinwürfe. Israelische Siedler greifen die Häuser hier seit drei Wochen immer wieder an, ohne dass die israelische Armee wirksam eingreift.NBC-Journalisten angegriffenEin anderer Vorfall am Samstag ereignete sich in Dschalud, wo Siedler eine Palästinenserin sowie Journalisten des US-Senders NBC angegriffen haben. Dabei wurden sie gefilmt. Die Reporter wollten die Frau interviewen, die angeblich von Siedlern aus ihrem Haus vertrieben worden ist. Die Journalisten hatten die Frau dorthin begleiten wollen. Siedler schlugen jedoch die Windschutzscheibe ihres Autos ein, verletzten die Frau und einen der Journalisten und fuhren dann wieder davon, berichtet NBC.Wie die Times of Israel schreibt, hat Netanjahu sich im Dezember 2025 bereits zu Siedlerangriffen geäußert, jedoch erklärt, die Zahl der Gewalttäter betrage lediglich etwa 70 Jugendliche, die nicht aus dem Westjordanland stammten. Im Juli erhöhte er die Zahl auf 150 und sprach von „jugendlichen Straftätern“.Kritiker weisen jedoch darauf hin, dass hinter den Angriffen Israelis stecken, die in den vergangenen drei Jahren illegal kleine Siedlungen oder „Außenposten“ im Westjordanland errichtet hätten. Die Armee soll das eigentlich verhindern, genau wie die Blockaden, die Siedler erreichten, um zu verhindern, dass Palästinenser die Straßen benutzen können. Sie schreitet aber selten ein. Rechtsextreme Mitglieder der israelischen Regierung begrüßen die Gewalt der Siedler im Westjordanland immer wieder. Etliche illegal errichtete Siedlungen wurden von ihr nachträglich legalisiert.